Test Garmin Forerunner 945 und MarQ Athlete

Die Nachricht bekam ich unter der Dusche. Das Gehäuse der Forerunner 945 vibrierte und das Display leuchtete auf: „Ihr Körper hat sich zu 38 % an die Hitze angepasst“ stand da. Ich war überrascht. Zum einen, dass es wohl möglich zu sein scheint, die Gewöhnung an höhere Temperaturen messen zu können. Und zum anderen, dass die Sportuhr das tut.

Schreiben Sie öfter mal einen Brief oder einen Text in Microsoft Word? Wenn ja, was meinen Sie, wie viel Prozent der Funktionen nutzen sie nicht, oder kennen Sie erst gar nicht? Wenn es um Rechtschreibprogramm geht, sind die Funktionen weit über das angewachsen, was ein normaler Mensch braucht.

Diesem Punkt nähern wir uns mit den Sportuhren. Apples EKG-genaues Messen der Herzfrequenz, das, so sagt es der Hersteller, in der Lage sei, Unregelmäßigkeiten im Herzschlag so zu interpretieren, dass vor einem drohenden Herzinfarkt gewarnt werden könne, ist da nur ein Beispiel. Aus der reinen Sportuhr wird ein umfassender Alltagsbegleiter, der analog zum Smartphone einige Aufgaben übernimmt, die zuvor mehrere Einzelgeräte erledigten.

Smartwatches übernehmen – so es der Träger möchte – immer mehr Aufgaben. Sie taugen als Zahlungsmittel (Garmin Pay, Apple Pay), als Musikspieler (Garmin, Apple) oder eben als intensiver Beobachter von Verhalten, Bewegung und der Herzfrequenz.

Vermutlich wiederhole ich mich an dieser Stelle – aus Sicht des Hobbyathleten gibt es da bald nicht mehr viel zu testen in dieser Generation der Sportuhren – wenn man dies ausschließlich unter Geschichtspunkten der Präzision der Messungen und der Vielfalt an Informationen für die Verbesserung der Form tut.

Fragestellungen der Vergangenheit nach Geschwindigkeit der Satellitensuche oder Genauigkeit der Herzfrequenzmessung am Arm rücken in den Hintergrund, da es in diesem Sektor umfassend gut bis sehr gute Ergebnisse sind. Man kann immer bei dem ein oder anderen Modell etwas zum mäkeln finden. Wer mich etwas kennt, weiß, dass ich zwar gerne viele Funktionen nutze, mir aber auch im klaren bin, dass ich als Sportler am Ende nicht die allerletzten Millimeter Präzision brauche, wenn ich mal bei einem Lauf um die Kurve biege und das GPS es so erscheinen lässt, als sei ich durchs Wasser gegangen – oder über.

Sehr wohl beobachte ich, welche Interpretation meines Leistungsstandes die Uhren, und nun konkret die Forerunner 945, ausspuckt. Die Vielzahl der Parameter von Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität, Bewegung generell, Stress, Schlafphasen oder die sogenannte „Body Battery“ erlaubt es auch Menschen, die sich vielleicht nur normal fit halten wollen, Rückmeldungen zu bekommen, wo sie sich hinbewegen. Klar, wer auf einen Saisonhöhepunkt hintrainiert, hat mehr davon als jemand, der zwei bis drei Mal die Woche um den See läuft.

Aber – es werden Messstationen des Lebens. Und als solche keine Instrumente mehr, die man nutzt, wenn man trainiert, sondern Alltagsgegenstände. Und damit zu etwas, das man stets sichtbar trägt. Entsprechend hat sich auch das Design geändert, hin zu massenkompatiblen Uhren.

Der Hersteller Garmin wagt deswegen nun den Schritt in die nächste Sphäre – die der Welt der Uhren. MarQ heißt die Serie aus fünf Uhren mit Titangehäuse und hochwertigen Armbändern. Die Modelle, Driver, Aviator, Captain, Expedition und Athlete besitzen jeweils eine für eine bestimmte Betätigung von Rennauto fahren bis Segeln spezifische Funktionen. Die Athlete, die ich für einige Tage trug, stellt grafisch den VO2Max dar – also jene Grenze, mit der Sportler kennzeichen, wo sie noch im Aeroben Bereich sind. Danach überschreiten sie die Anaerobe Schwelle, oder auch Laktatschwelle und dann wird es Aua.

Ein barometrischer Höhenmesser ist verbaut, wie auch Karten von Skigebieten und Golfplätzen. Satte 32 Gigabyte Speicher sind ebenfalls drin, allein schon für die Musik, die der Nutzer sich runterladen kann, um unterwegs nur mit einem Bluetooth-Kopfhörer aber ohne eigenen MP3-Spieler Musik hören zu können.

Die Nutzung von GPS und Musik schlägt natürlich auf die Akkuleistung. Wer auf Musik verzichtet, kann immerhin 28 Stunden am Stück mit GPS trainieren. Wer die Uhr einfach so trägt und faul bleibt, muss erst nach 12 Tagen wieder aufladen. Wäre es eine mechanische Uhr, wäre das weit über dem normalen – man müsste schon eine Lange 31 für eine sechsstellige Summe kaufen.

In meinem Alltag hat sich dank der von mir gerne genutzten Musikfunktion der Akku früher abgemeldet. Noch immer reichen sowohl die der 945 als auch der MarQ locker länger als zwei, drei Tage – aber die Aufladezyklen sind so bei intensiver Nutzung, dass man nicht mehr vergisst, wo man noch mal das Ladekabel hatte. Noch mehr Energie wird benötigt, wenn man die sogenannte Pulsoxymetrie anwirft. Die misst den Sauerstoffgehalt im Blut – eine Funktion, die allerdings nur bei Bewegung mit vielen Höhenmetern wirklich sinnvoll ist.

Die MarQ markiert eine Wende in dem Segment Smartwatches. Verarbeitung und Preis machen sie zu einem Produkt, das man nicht so locker mit der nächsten Entwicklungsstufe austauscht. Die Athlete kostet 1500 Euro, die Forerunner, die nur wenige Funktionen nicht besitzt, rund 600 Euro. Die Athlete besitzt auf der Rückseite Schrauben – der Service kann so den Akku tauschen, was bei der 945 nicht so einfach geht, da das Gehäuse aus einem Guss ist.

Beide Modelle erlauben es auch, via Garmin Pay mit der Uhr zu bezahlen. Noch ist die Auswahl an Geldinstituten, die mit Garmin kooperieren in Deutschland überschaubar. Ich selber kann es nicht nutzen, besser gesagt, müsste ein VIMpay oder boon-Account zulegen, was ich derzeit nicht möchte.

Als Triathlet gibt es derzeit wenig – außer noch mehr Akkuleistung – was man sich noch fundamental wünschen kann von den beiden Modellen. Und Stand heute bin auch schon zu 49 Prozent an die Hitze akklimatisiert.

 

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Alle Kommentare [2]

  1. Die Tatsache, dass es von Garmin bis heute noch kein adäquat komfortables Ladekabel für die Marq Uhren gibt ist eine Schande!

  2. Interessant, danke. Die Apple Watch Series 4 warnt allerdings nicht vor einem drohendes Herzinfarkt, sondern wenn sie die Herzrythmusstörung Vorhofflimmern erkennt. Es erscheint bei jeder Messung der Hinweis, dass Herzinfarkte gerade nicht erkannt werden können. Dazu braucht es ein 12-Kanal-EKG.
    Viele Grüße, Thomas