Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.
So sah es auf meiner Sportuhr gefühlt seit Jahren nicht mehr aus. Es geht mir nicht mal darum, dass ich Form einbüße. Es geht in diesem Foto darum, dass ich sowohl Form verliere als auch weniger belastet bin. Die Ursache ist banal – ich trainiere deutlich weniger. Potzblitz, wie konnte das passieren?
Ausdauersport ist für mich neben der körperlichen Aspekte vor allem ein mentales Thema. Der Aspekt macht mir besonders Freude, es ist spannend, über Willen, Wünsche, Visionen und Ziele nachzudenken und zu lesen – was geht, weil der Kopf es will und will er es wirklich?
Im Idealfall lässt sich als Amateur ein Leben führen, in dem der Sport und die Beschäftigung damit einen Großteil der freien Zeit ausfüllen – und im Gegenzug dem Kopf damit so freiräumen, dass er freier ist für die täglichen Dinge. Wenn es richtig gut läuft, hilft er auch, Probleme im Alltag, Schwierigkeiten oder einfach generell Überlastung an der ein oder anderen Stelle aufzufangen. Es kann ein wunderbares Gleichgewicht entstehen zwischen freiwilliger Anspannung und einhergehender Anspannung.
Ausdauersport wie ich ihn betreibe, bedarf aber einiger ernster körperlicher Anstrengungen, die eine gewisse Haltung erfordern, die Bereitschaft sich zu fordern, bisweilen Quälen. Halt den Schweinehund überwinden.
Was passiert, wenn man das nicht tut, konnte ich nun bei dem an und für sich großartigen Venloop beobachten – wo ich spontan teilnahm und mit 1:59 gerade noch unter der 2-Stunden-Grenze für einen Halbmarathon geblieben bin. Das ist irgendwie noch okay, aber nicht mein Anspruch im Rückblick auf das, was ich mal laufen konnte. Tempi passati.
Die Ursache für den mangelnden Willen, mich morgens zum Laufen aus dem Bett zu werfen ist schnell benannt: Leben. Freunde und Bekannte sagten „Rush Hour des Lebens“ zu der Situation, in der ich mich gerade befinde. Es gibt einiges zu organisieren, zu stemmen, zu verarbeiten und auch zu ertragen. Überraschung: Es sind unangenehme Dinge. Dinge, die sich keiner aussucht, denen man sich aber stellen muss. Weil sie eben wichtiger sind als ein guter Halbmarathon.
Ist blöd, hätte ich gerne anders, passt mir nicht in den Kram. Und das in dem vermutlich sportlich anstrengendsten Jahr meiner Triathlonlaufbahn. Aber – irgendwie auch einem entspannten Jahr. Es geht mir in allen drei Langdistanzen, auf die ich mich freue in erster Linie ums ankommen und schöne neue Wettbewerbe kennenlernen. Zwei sind Premieren, beide mit Besonderheiten.
Natürlich wünschte ich, ich könnte sagen, dass ich läuferisch schon weiter bin als ich es bin und die Zeit genutzt hätte. Habe ich nicht. Noch bleibe ich ruhig, denn immerhin ist es mir gelungen, die Radform recht gut aufrecht zu erhalten. Auch diesen Winter bin ich durchgefahren – ich muss ja eh zur Arbeit. Schwimmen – naja, im Moment stehe ich als Hobbylehrer mehr am Beckenrand als dass ich selber Bahnen ziehe – aber nach den 100×100 Metern im Januar denke ich: Irgendwie werde ich schon passabel ankommen.
Im Moment ist der Kopf jedoch noch zu voll mit den wichtigen Dingen, die auch noch ein paar Wochen in Anspruch nehmen werden und auch Zeit erfordern. Und auch wenn es mir ungelegen kommt – ich bin ganz froh, dass es nicht vor 12 Monaten so war, als die Vorbereitung auf den Norseman für mich an erster Stelle stand – und das hätte ich so nicht halten können. Ich habe in der Vorbereitung und dort vor Ort mein Bestes gegeben. Diese Energie wird derzeit jedoch andernorts benötigt.
Bis die Lage etwas ruhiger ist, begnüge ich mich damit, nicht ganz einzurosten. Auch wenn die Uhr noch so sehr mahnt.
