Warten aufs Microsoft-Handy

Ich bin ja erst das zweite Mal dabei, aber eins fällt einem dennoch schnell auf: Bei der weltweiten Partnerkonferenz (WPC) von Microsoft geht’s weniger um konkrete Ankündigen (wobei’s die natürlich auch gab, etwa bezüglich Tablet-PCs oder in Sachen Cloud Computing). Vielmehr ist das Hauptanliegen des Redmonder Softwarekonzerns, mit dieser Großveranstaltung – immerhin sind in diesem Jahr in der US-Hauptstadt Washington fast 10.000 Besucher dabei – seine riesige Partner- und Entwickler-Gemeinschaft auf künftige Ziele einzuschwören. Reden und Vorträge sollen für gute Stimmung sorgen, daher dominieren allenthalben gegenseitige Lobpreisungen als eine Art verbales Schulterklopfen. Umso interessanter ist es, auf die leiseren Zwischentöne zu achten, vermitteln sie doch oftmals ein genaueres Bild, wie es wirklich um die Stimmung bestellt ist.

Und die schwankt irgendwo zwischen Hoffen und Bangen. Grund ist, dass Microsoft trotz vieler Erfolge auf anderen Geschäftsfeldern bis heute im wachstums- und vor allem öffentlichkeits-wirksamen Handy-Segment bis heute keine Antwort auf die Erfolge von Apple und Google gefunden hat. Offiziell gibt das zwar keiner der vielen Microsoft-Leute zu, mit denen ich in den vergangenen drei Tagen während der WPC gesprochen habe – aber die Redmonder sind regelrecht frustriert.

Keine Details zu Smartphone-Plänen

Und dies aus zwei Gründen: Zum einen hat Microsoft erst Anfang Juli völlig überraschend alle weiteren Arbeiten an eigenen Smartphones Kin gestoppt – gerade einmal zwei Monate nach Marktstart. Die genauen Hintergründe jener Entscheidung liegen im Dunkeln, sie werfen freilich ein düsteres Schlaglicht auf alle weiteren Ambitionen von Microsoft im Mobilfunkgeschäft. „Die ganze Geschichte ist eine einzige Katastrophe“, sagt ein Microsoft-Manager, der ungenannt bleiben will. „Wir wissen auch intern nicht, was da passiert ist.“

Zum anderen fehlen bis heute aber auch ausreichend weitergehende Informationen über den Marktstart von Windows Phone 7 – dem einzigen noch verbliebenen Hoffnungsträger von Microsoft im Handygeschäft. Das Mobil-Betriebssystem ist eine komplette Neuentwicklung und soll irgendwann im Oktober auf den Markt kommen. Bekannt ist bisher, dass in kommende Windows-Phone-7-Handys beispielsweise ein Zugang zum Microsoft-Spieleportal Xbox Live eingebaut sein soll – ein spannendes Feature, das gerade im Consumermarkt viele Kunden ansprechen könnte.

Doch funktionsfähige Geräte sind auch auf der WPC Fehlanzeige – dabei sind’s bis zum avisierten Marktstart nur noch knapp drei Monate. Die wenigen Windows-Phone-7-Prototypen im Congress Centrum von Washington sind durch Plexiglashauben abgeschirmt – man kann sie nicht einmal in die Hand nehmen, geschweige denn mit ihnen herumspielen.

Dell Lightning

Smartphone-Designstudie Dell Lightning (Quelle: www.engadget.com)

Das können bis heute nicht einmal Microsoft-Mitarbeiter. „Wir wissen nichts, weder über den Marktstart noch ob und wann es Testgeräte in Deutschland gibt“, heißt es aus der deutschen Pressestelle. Dabei sahen erste im April beim US-Technologieblog Engadget durchgesickerten Entwürfe für ein Windows-basiertes Smartphone von Dell durchaus vielversprechend aus. Umso wichtiger ist es nun – das wissen auch die Microsoft-PRler – frühzeitig die Marketingmaschinerie anzuwerfen, um die Aufmerksamkeit in die eigene Richtung zu lenken. Soweit zur Theorie. In der Praxis: Alles Fehlanzeige.

Dass Microsoft das Endkundengeschäft noch nicht völlig verlernt hat, konnte der Konzern übrigens ebenfalls auf der WPC beweisen: Im Rahmen einer Live-Demo hat Microsoft seine neue Steuerung für die Spielkonsole Xbox 360 namens Kinect vorgeführt. Kinect ermöglicht es erstmals, ein Computerspiel komplett ohne Kabel und Controller einzig und allein über Körperbewegung und Stimme zu steuern. Viele der rund 3000 Anwesenden waren davon so begeistert, dass sie via Twitter-Kurznachricht verkündeten, dies sei wohl ein Pflichtkauf bei den nächsten Weihnachtsgeschenken für die eigenen Kids. Und in der Tat, die Demo war beeindruckend. Gut möglich, dass der kleine, rund 150 Dollar teuere Kasten, der im Oktober in die Läden kommen soll, der erste große Erfolg im Endkundengeschäft für Microsoft seit langer Zeit sein wird.

Fragt sich nur, ob der Software-Riese eine derartige Begeisterung auch für seine neuen Handys auslösen kann. In knapp drei Monaten wissen wir mehr.

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Alle Kommentare [1]

  1. Fairer Beitrag. Natürlich ist der Smart-Phone Markt für Microsoft essentiell und Windows Phones werden mit Spannung erwartet. Wieso wird eigentlich bei Apple klaglos hin genommen, dass Geräte selbstverständlich erst nach der Ankündigung verfügbar sind, während man von Microsoft erwartet, Journalisten unfertige Prototypen in die Hand zu geben. Lieber Herr Kroker, warten Sie noch ein kleines Weilchen, dann bekommen Sie von mir ein Testgerät und ich freue mich auf Ihren Bericht.