Krokers RAM: Netflix für News von Apple – vom Regen unter Umgehung der Traufe direkt in die…

Mein Rant am Morgen: Angeblich fordert Apple die Hälfte vom Umsatz für die Teilnahme an einem Abo-Modell für Nachrichten. Die Medienhäuser begäben sich also in eine noch größere Abhängigkeit von den Tech-Giganten, als sie es bei Google mit der Internet-Suche und Google News ohnehin bereits sind. 

Mitte dieser Woche machten Meldungen die Runde, der iPhone-Gigant Apple arbeite an einem Abo-Angebot für verschiedene Nachrichtenangebote gegen eine Monatsgebühr. Die Berichte basieren auf einer Story des „Wall Street Journal“, das sich bei den Plänen für ein „Netflix für News“ auf informierte Kreise beruft.

Dem Vernehmen nach verhandeln die Manager um Apple-Boss Tim Cook bereits mit diversen amerikanischen Verlagshäusern über eine Teilname an dem Dienst; „New York Times“ und „Washington Post“ wollen angeblich nicht mit dabei sein.

Für die Skepsis der beiden größten amerikanischen Tageszeitungen gibt es einen guten Grund: Beide Verlage haben in den vergangenen Jahren massiv in den Umbau ihres Geschäfts weg vom klassischen Print-Produkt hin zu vielfältigen Formen des digitalen Journalismus investiert.

Die „New York Times“ konnte erst Anfang dieser Woche einen regelrechten Triumpfzug vermelden: So hat sich die Zahl der Digital-Abonnenten innerhalb von zwei Jahren auf jetzt 3,4 Millionen verdoppelt. Zugleich hat der Verlag 120 neue Redakteure eingestellt. „Klingt wie eine Märchenstunde aus Tausendundeiner Mediennacht“, so der Ex-Spiegel-Chefredakteur Mathias von Blumencron auf Twitter. Das gilt umso mehr in Zeiten, in denen hiesige Verlage mit dem Spar-Hammer durch ihre Redaktionen kreisen.

Wenig verwunderlich also, dass man an der Ostküste offenbar wenig geneigt ist, diese in jahrelangem Umbau erarbeiteten Früchte der digitalen Transformation jetzt mit einem Dritten zu teilen. Zumal Apple laut „WSJ“-Meldung bei den Medien noch mehr die Hand aufhalten will als bei App-Anbietern und Musikverlagen, die im App Store respektive bei iTunes jeweils einen Anteil von 30 Prozent abdrücken müssen. Angeblich fordert Apple von den Verlagen sogar glatt die Hälfte der Erlöse.

Anders ausgedrückt: Mit der Teilnahme an jenem ominösen Netflix für News begäben sich die Medienhäuser in eine noch größere Abhängigkeit von den Tech-Giganten, als sie es etwa bei Google mit der Internet-Suche und Google News ohnehin bereits sind. Oder anders ausgedrückt: Sie kämen vom Regen unter Umgehung der Traufe direkt in die sprichwörtliche… Keine schöne Aussichten, also.

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