Krokers RAM: IBM sollte dem Vorbild von HP folgen – und sich selbst aufspalten

Mein Rant am Morgen: Statt wie bisher weitgehend folgenlos ein Unternehmen nach dem anderen zu übernehmen, sollte IBM einen radikalen Schritt zur Sanierung wagen – die Blaupause dafür liefert der Erzrivale Hewlett-Packard.

Am vergangenen Wochenende überraschte der amerikanische IT-Dino Freund & Feind mit der Ankündigung, den Linux-Spezialisten Red Hat für satte 34 Milliarden Dollar schlucken zu wollen. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass dies ein mehr als stolzer Preis für ein Unternehmen ist, das gerade mal knapp drei Milliarden Dollar Jahresumsatz einfährt.

Zudem bleibt die Frage, was IBM bei dieser Übernahme anders als bei den dutzenden Zukäufen der vergangenen Jahre machen will, um endlich wieder auf Wachstumskurs einschwenken zu können. Genau aus diesem Grund mutet der jüngste Schritt von IBM eher an wie eine Verzweifelungstat, wie ich in der aktuellen Ausgabe der „WirtschaftsWoche“ kommentiert habe.

Wenn aber Red Hat ebenso wie die vorangegangenen Akquisitionen weitgehend folgenlos bleibt: Wie sonst kann oder muss sich IBM umbauen, um fit für die Cloud- und KI-Zukunft zu werden?

Vermutlich ist die bisherige Sanierung deswegen erfolglos, weil die Beharrungskräfte in einer altehrwürdigen Organisation wie jener von „Big Blue“ schlicht zu groß sind. Folglich müsste ein CEO – sei die jetzige Chefin Ginni Rometty, sei es der sie vermutlich Mitte 2019 ersetzende Nachfolger – einen wirklich radikalen Schritt wagen.

Für den existiert sogar eine Blaupause – ausgerechnet in Form des langjährigen Erzrivalen Hewlett-Packard (HP) nämlich: Die Kalifornier haben sich Ende 2015 nach einer langen Leidenszeit in zwei Firmen aufgespaltet: Hewlett-Packard Enterprise (HPE) als Anbieter von Servercomputern, Software und Unternehmens-IT; HP Inc. als Hersteller für PCs und Drucker.

Die Trennlinie wäre bei IBM in Ermangelung eines Endkundengeschäfts natürlich eine andere – aber Rometty hat sie in der Kommunikation mit Investoren längst etabliert: Und zwar in Form der sogenannten „strategischen Imperative“, also den für IBM so wichtigen Zukunftsthemen wie Cloud Computing oder künstlicher Intelligenz.

Deren Anteil aber sank von zuvor 50 Prozent bei den Zahlen im dritten Quartal wieder unter jene Marke – keine guten Nachrichten für die gebeutelten IBM-Aktionäre, die bis Ende 2017 immerhin stolze 22 Quartale in Folge schrumpfende Umsätze verkraften mussten.

Eine selbstständige „Stragische IBM“ könnte dagegen viel freier ohne die „Mainframe IBM“ als Klotz am Bein agieren. Nimm Dir also ein Beispiel an Deinem Erzrivalen, Big Blue – und zerlege Dich selbst!

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Alle Kommentare [2]

  1. Moin Herr Kollege,

    kleine Ergänzung: „Nimm Dir also ein Beispiel an Deinem Erzrivalen, Big Blue – und zerlege Dich selbst!“ – und schaue dann darüber hinaus, wo es
    andere strategische Partner gibt, mit denen man dann eventuell gemeinsam wachsen kann.
    So finde ich ja die aus dem Merger von CSC und HPE entstandene DXC spannend. Nach heutigen Analystenstatements kein Erfolgsgarant, aber immerhin ein Eingang.

  2. Re: Moin der Kollege,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Stimme Dir natürlich zu – das wäre aber bereits der dritte Schritt… aber Big Blue muss ja überhaupt erst mal den allerersten gehen… daher hab ich da bewusst noch nicht weiter ausgeblickt. Aber sowas wäre gewiss eine Option.