Krokers RAM: Die deutsche Tech-Industrie droht den Anschluss zu verlieren

Mein Rant am Morgen: Die US-Tech-Giganten investieren massiv in Forschung & Entwicklung. Wie wollen hiesige Unternehmen bei forschungsintensiven Themen wie KI oder IoT da mithalten? 

Am Mittwoch habe ich hier im Blog die aktuellen Forschungsausgaben großer Konzerne näher beleuchtet: Demnach investieren allein die Top-5-Unternehmen – mit Amazon, Alphabet, Intel, Microsoft und Apple allesamt Tech-Konzerne – gemeinsam satte 76 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung.

Auf den weiteren Plätzen folgen, allerdings mit „nur“ noch einstelligen Milliardenbeträgen, weitere Internet- und Technologie-Giganten wie Facebook, Oracle, Cisco und IBM.

Allesamt Zahlen, die mich ziemlich ernüchtert haben – denn sie belegen relativ eindeutig: Die deutsche und europäische Tech-Industrie droht den Anschluss zu verlieren, und zwar dramatisch.

Denn im Vergleich zu ihren US-Rivalen investieren hiesige Unternehmen nachgerade Kleckerbeträge in F&E: Selbst Europas Tech-Konzern Nummer 1, der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware aus Walldorf – nämlich SAP – kam zuletzt gerade mal auf 3,35 Milliarden Euro. Noch weiter abgeschlagen liegt die Nummer 2, die Software AG aus Darmstadt: Hier addierten sich die F&E-Investitionen im vergangenen Jahr auf schlappe 121 Millionen Euro.

Da die heutigen Ausgaben für F&E die Produkte und Umsätze von morgen liefern sollen, bleibt die Frage: Wie wollen die Unternehmen aus Deutschland und Europa bei forschungsintensiven Themen wie Künstliche Intelligenz, dem Internet of Things (IoT) oder Digitalisierung ganzer Industrien bloß mithalten?

Die nackten Zahlen stimmen mich jedenfalls pessimistisch.

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Alle Kommentare [1]

  1. Als Twitter vor einigen Jahren scheinbar hoffnungslos in den Miesen hing, fiel mir bei den Zahlen der Betrag für „Research Development“ in die Augen, der z.B. 2015 bei $806 Mio. lag und inzwischen auf rund eine halbe Mrd. $ heruntergeschleust wurde (2017). Ich fragte mich: Twitter ist funktional so schlicht – wie zum Teufel kann man da 800 Millionen für F&E ausgeben? Die Antwort ist: Top-Entwickler kosten im Silicon Valley richtig viel Geld. In Berlin würde man fürs gleiche Geld möglicherweise das 3- bis 4-fache an Leuten fest anstellen können. Man müsste eher Developer-Zahlen vergleichen als Geldsummen. (Übrigens entdecken US-Firmen gerade, wie preiswert Developer in Afrika sind.)
    Auf der anderen Seite läuft die Innovationsstrategie der Techgiganten seit einiger Zeit nach der Devise „Lasst die ganze Welt entwickeln – die Besten kaufen wir uns dann einfach“. Die eigene Grundlagenforschung wird dafür Open Source gestellt, junge Developer schwärmen aus, entwickeln damit Anwendungen und was gut und marktfähig ist, womöglich kompetitiv werden könnte, wird für vermeintlich viel Geld gekauft. Vermeintlich, weil man in Wahrheit viel mehr Geld aufwenden würde, wenn man hunderte Ansätze parallel verfolgen wollte. Die Schwäche der europäischen (IT)-Industrie liegt eher darin begründet, nicht solche Summe frei verfügbares Kapital herumliegen zu haben wie die globalen Tech-Marktführer, so dass für Akquisitionen eher die „Krumen“ übrig bleiben. („Venture capitalists, such as Albert Wenger of Union Square Ventures, … now talks of a “kill-zone” around the giants.“ https://medium.com/@the_economist/american-tech-giants-are-making-life-tough-for-startups-11415a81ed23 )