Instagram gegen EyeEm: Das Wettrennen der Foto-Apps

Die Facebook-Tochter ist jüngst bei der Tagesnutzung abgesackt, konnte auf Monatssicht aber dennoch zulegen. Der kleiner deutsche Rivale EyeEm rangiert im US-App-Store aber völlig überraschend vor Instagram.

Aktuell sorgt das ohnehin bereits sehr populäre Thema Foto-Apps für Smartphones für allerlei Aufregung in der Internet-Szene: So hat das von mir ansonsten sehr geschätzte Technologie-Magazin „t3n“ vorgestern auf seiner Webseite gemeldet, das zum Facebook-Imperium gehörende Foto-Netzwerk Instagram habe binnen eines Monats gut die Hälfte seiner Nutzer verloren. Hintergrund sei die überraschende Änderung der Nutzungsbedingungen im Dezember gewesen, die im Web für allerlei Wirbel gesorgt hatte.

Bei Lichte betrachtet bezieht sich der Einbruch aber nur auf die durchschnittliche Tagesnutzung. Blickt man dagegen auf die durchschnittlichen User pro Monat, ist die Zahl gar gestiegen: Zwischen Mitte Dezember und Mitte Januar immerhin um gut fünf Millionen Nutzer auf knapp 46 Millionen, wie der Blogger Daniel Rehn unter der lakonischen Überschrift „Nicht hyperventilieren“ bemerkt hat:

Quelle: Daniel Rehn/AppStats

Alles Eitel Sonnenschein also für Instagram? Vielleicht doch nicht. Denn wie das auf die deutsche Internetszene spezialisierte Portal Netzwertig.com gestern festgestellt hat, ist jüngst dem Berliner Startup EyeEm ein regelrechter Paukenschlag gelungen. Demnach rangiert die gleichnamige Foto-Sharing-App im amerikanischen App Store von Apple auf Rang 11 der am meisten heruntergeladenen Gratis-Programme. Im Segment Foto & Video rangiert EyeEm gar auf Platz 2 – drei Plätze vor dem großen Rivalen Instagram.

Eine plausible Begründung für den plötzlichen Aufstieg der Berliner hat Netzwertig auch nicht parat. Laut Chart des App-Dienstleisters AppAnnie sei der Aufstieg von EyeEm jedenfalls sehr plötzlich erfolgt. Noch am 12. Januar rangierte die App demnach unterhalb von Rang 200 – nur um einen Tag später auf Platz 9 hochzuhüpfen. 

Quelle: Netzwertig/AppAnnie

Ob der überraschende Aufstieg mit der Änderung der Nutzungsbedinungen von Instagram zusammenhängt, die in den kommenden Tagen in Kraft treten? Offenbar hat die Facebook-Tochter ihre User erst jüngst noch einmal per E-Mail über diesen Umstand informiert. Und laut Netzwertig ist es Ewigkeiten her, dass Instagram in der Foto&Video-Sektion des App Stores auf Rang fünf zurückgefallen sei.

Der Abstieg verlief parallel zum unerwarteten Aufstieg von EyeEm. Egal was letztlich der Auslöser ist: Der Markt für Foto-Apps ist durch den selbstverschuldeten Fehler von Instagram – die schlecht kommunizierte AGB-Änderung – wieder spannend geworden.

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Alle Kommentare [6]

  1. Wenn ich das richtig sehe, ist AppStats einfach keine Referenz. Die Zahlen und Angaben dort hat keiner richtig verstanden – und ich sehe auch keinen Blogger/Journalisten, der das mal kritisch hinterfragt, mit welchen Statistiken hier hantiert wird. Kroker, übernehmen Sie!

  2. Hallo Jakob, danke für den Hinweis, da ist in der Tat was dran. Finde auf deren Homepage auch keinerlei Hinweis darüber, wie genau die an ihre Daten kommen… Ich übernehme also 😉

  3. Hallo Jakob, danke für die Rückfrage. Als einer der Gründer von AppStats kann ich hier übernehmen:

    Bis zum 16. Januar bekamen wir für alle Apps Daten direkt aus der Facebook API.

    Am 8. Januar hat Facebook das reporting für Ihre eigenen Apps gestoppt:

    http://techcrunch.com/2013/01/08/facebook-removes-instagram-user-counts-from-developer-api-after-holiday-traffic-confusion/

    und einen Tag später ein neues reporting für alle Apps angekündigt, das am 16.01. in Kraft trat.:

    https://developers.facebook.com/blog/post/2013/01/09/platform-updates–operation-developer-love/

    Seit dem 9. Januar sind unsere Daten für Instagram also Schätzungen. Wie seit dem 16.01. nun auch für alle anderen Facebook Apps, sind dies nun die genauesten öffentlich verfügbaren Daten auf dem Markt.

  4. AppStats misst lediglich Zugriffe von Nutzern, die ihren Facebook-Account mit Instagram verbunden haben. Daher sind die Zahlen wohl eher mit Vorsicht zu genießen. Dennoch dürfte sich der ein oder andere nach einer Alternative umgeschaut haben.

  5. Ich habe mich schon auf mein Leben als Millionär gefreut. Ein Foto von mir, ungefragt von einem Nutzer veröffentlicht, ungefragt von Instagram kommerziell verwendet… Für so etwas bekommt man schon in Deutschland einen fünfstelligen Betrag. Instagram hätte man bestimmt auch in den USA verklagen können, dann rollt der Rubel.