Klingt blöd, die Frage, oder? Ist sie aber nicht. Mir wurde sie heute gestellt, weil ich schrieb, dass mich die erste Fahrt auf dem Triathlonrad arg strapaziert hätte wegen der sehr gewöhnungsbedürftigen Sitzposition.
Ein Triathlonrad oder auch Zeitfahrad ist ein „Rennrad“ das möglichst wenig Windwiderstand leistet. Warum? Weil man im Triathlon und im Zeitfahren allein ist und nicht wie die Rennradfahrer bei Rundfahrten oder auch bei Jedermannrennen wie den Cyclassics in Hamburg im Windschatten fahren darf. Für all jene, die noch nie in einem Jedermannradrennen gefahren sind: Im Pulk fahren ist in etwa wie hinter einem Trecker oder einem Bus – ohne Wind ist jeder erheblich schneller.
Ohne diesen Windschatten muss man eben selber durch. Und je windschnittiger man sitzt, desto weniger Widerstand bieten Kopf, Beine, Füße. Wie immer in einer kommerzialisierten Gesellschaft – da versucht einer etwas an einem zu verdienen. Ausgerechnet Triathlon ist ein Equipmentsport – in großer Zahl betrieben von Männern im mittleren Alter, gern in oder nach den ersten Karriereschritten, Leistungsansprüchen und dem nötigen Kleingeld, bereit etwa 63 Euro für einen neuen neuen Vorderreifenmantel auszugeben, weil der verspricht, bei den 180 Kilometern einer Langdistanz bei einer DURCHSCHNITTSgeschwindigkeit von 40km/h am Ende drei Minuten Zeitgewinn herauszufahren. So lang wie der vorige Satz, so gering die Zahl der Menschen, die das hinbekommen. Der Fuhrpark bei einem Triathlon wie dem in Hamburg ist nicht umsonst gut umzäunt und abgesichert. Mit rund 3000 Euro ist der Interessent heutzutage für ein „Einsteiger“-Modell dabei, 10.000 Euro oder mehr auszugeben ist aber überhaupt kein Problem und viele tun das wohl auch.
Wir Normalsterblichen kommen ohne diese drei Minuten Zeitgewinn klar. Aber – bei gut sechs Stunden auf dem Rad bei einer Langdistanz oder auch länger zahlt sich eine gute Windposition aus. Nicht ein mal, weil ich so viele Minuten Zeit gewinne, sondern, weil ich Energien sparen kann, die ich beim abschließenden Marathon noch gebrauchen kann.
Triathlon ist immer mehr Volkssport und die Frage nach der richtigen Ausrüstung treibt viele um. Da ich gefragt wurde: Nein, ein Triathlonrad ist nicht nötig. Für alle, die das als Hobby betreiben und vielleicht die Teilnahme an einer Olympischen Distanz (1,5km Schwimmen / 40km Rad fahren / 10km Laufen) planen, reicht es völlig aus, ein Rennrad zu fahren. So wie das silberne im Bild. Mein Rennrad.
Die fürs Rennrad nachrüstbaren Auflieger, die es ermöglichen, die Ellenbogen nah beieinander zu haben und sich tief zu ducken – sie sind in meinen Augen ein Kompromiss. Wer eine Mitteldistanz ins Auge fasst (1,9/90/21), der kommt auch da locker mit zu Rande.
Dazu muss man wissen, dass die richtige Sitzposition zu finden und dann auch zu halten anstrengend genug ist. Für mich zumindest, wie ich heute früh wieder schmerzlich bemerkte. Hier stehen meine Erfahrungen zum vermessen werden.
Um also die Frage zu beantworten: Nein. Bis zu gewissen Vorhaben tut es das Rennrad völlig, das nebenbei viel besser geeignet ist für schöne Ausfahrten. Denn geduckt in Aeroposition auf dem Triathlonrad sehen Sie vor allem eines. Asphalt und ihren Vorderreifen.


