Wie ich richtig auf dem Rad sitze. Professionelle Radanalyse

Weniger Gewicht gleich mehr Geschwindigkeit. Das ist das Mantra des Radsports. Gramm sparen, danach gieren alle. Windschnittigkeit folgt auf den Fuß. Aber wie sitzt man windschnittig? Ich sitze einfach so, wie es bequem ist, siehe Bild. Nur – effizient muss das nicht sein.

Hauptsache gemütlich

Hauptsache gemütlich. Gern auch mit Eis auf dem Hollandrad.

Um rauszufinden, ob ich nicht mit einer besseren Sitzposition dem Wind entgegenstellen kann, habe ich statt in leichtere Bremsen, Pedale oder Kurbelgarnitur das Geld in eine professionelle Analyse meiner Sitzposition investiert.

Es gibt ausreichend Bücher, die einem helfen, sich vernünftig einzustellen. Winkel des Knies, Lot des Knie, Fußballen über der Tretlagerachse – alles nachzulesen und mit Bindfaden, Gewicht und Zollstock auch irgendwie hinzubiegen.

Doch der Teufel steckt im Detail. In welchem, das habe ich bei einem Anbieter für die Einstellung von Radfahrern rausfinden lassen. Im Obergeschoss eines Industriegebäudes wartet auf mich ein Raum voll mit Computern,

Bitte Platz nehmen.

Bitte Platz nehmen.

Trainingsrollen, Lenkern, Schuhen und Laufrädern. Viel wichtiger als der ganze Vermessungstechnikpark aber ist das Auge von Britta Thomas. Sie kennt jeden Muskeln beim Namen, die Knochen und sieht, wo es krankt. Bein zu kurz, Füße pronieren, etc., etc.. Vor dem Sitzen ist das Stehen. Wie gerade kann ich das, was passiert, wenn ich die Arme über den Schultern kreuze? Es ist nicht hoffnungslos. Neue Schuhe werde ich wohl nicht brauchen. „Das dürfte auch mit deinen gehen“, sagt Thomas.

Mein Rad wird in eine Trainingsrolle eingespannt, meine Füße, Knie, Hüften verkabelt mit Sensoren, die es der Kamera ermöglichen, genau den Bewegungsablauf zu vermessen. Aber bevor es soweit ist, zählt erneut das Auge. Die Füße knicken ihr zu sehr nach innen. „Komm mal mit nach unten.“

Unten, das ist eine Werkstatt. Hier stehen die Fußabdrücke einiger bekannter Radsportler. Für mich tut’s Kork unter der bisherigen Sohle. Zusätzlich kommen unter die Haken, die sogenannten Cleats,

Schuster, arbeite an deinen Leisten

Schuster, arbeite an deinen Leisten

die meine Schuhe mit der Pedale in der Klickverbindung arretieren noch kleine Gummistücke. Das Gelenk kann so nun in einer geraden Achse bewegt werden. Richtig sitzen ist wohl nichts anderes, als die Haltungsschäden so lange auszugleichen, damit das Rad, das eben keine Haltungsschäden hat, nicht quält.

Danach geht es nun wirklich ans Sitzen, weiter nach vorne, weiter nach oben. Die Auflieger des Lenkers näher zusammen, der Winkel des Lenkers ein wenig nach oben.

Ich erwartete eines ganz sicher: Dass die neue Position nicht bequem wird. „Falsch, du wirst keinen Unterschied spüren, aber besser sitzen.“ Extremer geht immer, Thomas macht mir höflich aber unmissverständlich klar, dass mit meiner mangelnden Dehnungsfähigkeit das ein sehr langer Prozess wäre. Das ist auch das Vermessen. Gut zweieinhalb Stunden gehen ins Land, bevor jede Schraube stimmt, ich lerne, meinen Nacken in den Schultern fallen zu lassen, damit ich ohne Schmerzen dem Wind weniger Angriffsfläche biete.

Danach hat Thomas noch einige schmerzhafte Empfehlungen für mich: Dehnen, mit einer Massagerolle an den Muskeln arbeiten – Physiotherapie, wie sie im Buche steht.

Was es genau bringen wird, zeigt sich nun in den kommenden Monaten. Was aber mit ein wenig besserem Sitzen an besserer Aerodynamik rauszuholen ist, zeigt sich im Film:

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Mehr Informationen

Der Oberkörper ist paralleler zum Oberrohr, der Nacken muss weniger gekrümmt sein, zum nach vorne Schauen. Die Beine treten mehr von oben.

215 Euro kostet so eine Vermessung, damit hätte ich vielleicht am Radequipment 300 Gramm Gewicht sparen können. Eine halbe Trinkflasche. Ich weiß jetzt schon, was sinnvoller investiertes Geld war. Denn wenn meine Knochen weniger Leiden ist es immer sinnvoll. Schneller fahren muss ich schon selber.

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