Test Garmin forerunner 745 – der intelligente Trainingspartner

Ursprünglich wollte ich diesen Test im wesentlichen den Themen und Komfort und Größe widmen, da das der sichtbarste Unterschied zwischen der 745 und ihrer großen Schwester 945 ist – die über einige Funktionen und deutlich größeren Akku verfügt.

Mit der 745 ist aber – und damit auch inklusive der großen Schwester 945 – aber ein weiteres Feature in der Software relevant geworden, das meines Erachtens viel wichtiger ist. Trainingssteuerung.

Kurzer Ausflug in meine Sportvergangenheit – ich habe meine Einheiten begonnen aufzuzeichnen mit einem Blackberry in der Tasche und der App roadrunnergps (gibt’s die noch???) – von Herzfrequenz natürlich keine Spur. Meine erste GPS-Sportuhr war die Garmin 910xt, ein hässlicher grober Klotz, der aber sehr zuverlässig die wichtigsten Daten erfasste und mir half, meinen Fortschritt zu verfolgen.

Trainiert habe ich wie Generationen von Hobbysportlern vor mir nach fixen Trainingsplänen und durchaus erfolgreich meine Marathonstrategie mit https://feelrace.com/ zurechtgelegt.

Das ist natürlich recht statisch, denn weder bin ich vielleicht exakt auf dem Stand für einen Marathon in 3:30 oder 4:15 – sondern 3:25 oder 4:20. Und natürlich können die von mir bevorzugten Pläne von Herbert Steffny nicht wissen, ob ich 20 oder 50 bin, wie viel ich wiege, wie meine physischen Daten sind.

Ein eigener Trainer ist sicher in der Lage, diese Daten, so sie vorliegen, alle mit einzubeziehen, wenn er den Trainingsplan entwirft. Ich hatte nie einen Trainer und wollte auch nie einen. Aber natürlich ist mir klar, dass systematisches Training, das Formentwicklung einbezieht, sinnvoller ist, als stur irgendwas abzuhaken.

Fassen wir mal zusammen. Herzfrequenz, Bewegungsmuster, Blutsauerstoff, Nachtschlaf, gegebenenfalls Herzfrequenzvariabilität – auch wenn Sportuhren keine medizinischen Messgeräte sind und ich niemandem empfehlen kann, auf Basis dieser Daten etwaige Krankheitssymptome deuten zu wollen, habe ich über die Monate gelernt, dass sie schon ganz gut widerspiegeln, wie ich mich fühle – auch das gehört für mich zur Form.

Die Software der 745 macht sich das zunutze, um Trainingsvorschläge anzubieten. Also nichts anderes als einen individualisierten Trainingsplan, wie ihn ein Trainer schreiben würde. Tagesaktuell und stets mit frischesten Daten versorgt – so ich die Uhr rund um die Uhr trage, natürlich.

Mit der 745 habe ich zwei der Möglichkeiten für eine kurze Zeit verfolgt – leider nicht über 10 oder gar 16 Wochen, um einen Turnus für einen Marathon oder ähnliches vorzubereiten und zu schauen, wie sich die Einheiten auf meine Leistung auswirken.

Der eine Weg war, einfach auf Training zu drücken und zu schauen, was sie mir vorschlägt. Ohne, dass ich ein Ziel eingegeben hätte. Der andere – nur kurz eingeschlagene – Weg war, in der App eines der Trainingsprogramme zu wählen, die dort von Trainern vorgeschlagen werden und die ebenfalls die Leistungsfortschritte aufzeichnen und das Training anpassen. In Videos stellen sich drei – US-Amerikanische – Trainer mit ihrem Ansatz vor. Die Programme reichen derzeit lediglich bis zum Halbmarathon, von Triathlon ganz zu schweigen. Und die 745 ist in erster Linie sinnvoll für Triathleten, Läufer kommen mit anderen Modellen gut aus. Trailläufer sollten eine der dafür prädestinierten Uhren mit mehr Akku und robusterem Gehäuse wählen.

Während der eine Ansatz keinen Lauf über mehr als 16 Kilometer vorsieht, geht ein anderer bis zu 26 Kilometer hoch. Es gibt sehr viele Methoden, jeder, der mal einen Greif-Plan gegen einen von Steffny gelegt hat, weiß, was ich meine. Alle Wege sind möglich, was zu einem selber passt, sollte man auch selber herausfinden.

Was aber nun macht die Software aus den Daten, was schlägt sie vor im einfachen Modus ohne hinterlegten Trainingsplan? Grundsätzlich nichts, was nicht auch andere Trainingspläne vorschlagen. Eine Mischung aus intensiven und regenerativen Einheiten. Aber – darunter einige, die ich so nie gemacht hätte. Kürzere Intervalle, schnellere Intervalle – nicht so lange Einheiten. Dabei gibt es auch immer eine kurze Begründung, warum ich das tun soll. Ich erhielt in den vergangenen Wochen öfter den Hinweis, dass ich zu wenig anaerobes Training absolviere und das ändern solle mit der der dann vorgeschlagenen Einheit. Manchmal stand da auch nur „Müder Lauf“ – sie hatte nicht ganz zu unrecht erkannt, dass ich an dem Tag nicht so fit war.

Oft habe ich die Uhr überstimmt, nicht zuletzt, weil ich bei einigen Virtuellen Wettbewerben gemeldet war, die einfach andere Einheiten erforderten, vor allem Höhenmeter sammeln.

Es war nun nicht möglich, mich einem vollen Turnus eines programmierten Trainingsplans aus dem Garmin-Reich anzuvertrauen, aber ich würde das sicher tun und selbstverständlich immer überprüfen, ob mir das auch sinnvoll erscheint. Als mündiger Athlet nimmt man die Vorschläge an und gleicht das mit den eigenen Erfahrungen ab. Im Ernstfall allerdings bremst einen die Uhr mehr als dass sie einen scheucht und vermutlich ist das gar nicht so dumm.

Schnitt – kommen wir zu anderen wichtigen Fragen rund um die 745. Sie ist eine kleine Version der 945 und angesichts meiner Handgelenkchen geradezu ideal. Die geringere Größe bringt als größten Nachteil eine kürzere Akkudauer mit sich. Sie ist nicht mehr aus der Kategorie „sorglos“, in der man im Grunde sich über Tage nicht kümmern muss, wie der Akkustand ist. Ich würde sie in die Kategorie „beobachtend“ stecken, am Morgen ist ein Blick auf den Akkustand nicht schlecht, wenn eine Einheit ansteht und man zum Beispiel die Musikfunktion nutzt, was ich getan habe.

Auf dem Papier stehen 16 Stunden GPS-Aufzeichnung. Das könnte bei manchen Wettbewerben knapp werden. Das Gros der Athleten aber startet nicht bei Extrem-Triathlons oder peilt einen sehr knappen Verlauf eines Ironman an. Für Trailläufer mit epischen Touren eignen sich andere Modelle eh besser.

Es fehlt ferner die Kartenfunktion, wer die gerne nutzt, ist ebenfalls mit anderen Modellen besser bedient. Dabei sind die inzwischen bei Smartwatches gängigsten Funktionen von Anbindung an Musikstreaminganbieter bis Bezahlfunktion und natürlich die eigene Datenbank Connect, und Uploadfunktionen für Strava und selbstständlich Schlaftracking und Blutsauerstoffgehaltmessung. Für die überwiegende Mehrheit der Hobbytriathleten, allemal denen mit nicht so großen Handgelenken ist die 745 ein idealer Trainingspartner.

 

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