Test Garmin fenix3HR – Alles in einem.

Eine Reihe von Hobbysportlern, die ihr Tun mit einer gewissen Offenheit betrachten, gestehen oft ein: Wenn die Trainingseinheit nicht aufgezeichnet werden kann, dann findet sie nicht statt. Ohne Fleißhäkchen im Trainingstagebuch aka Datenbank keine Anstrengung. Man darf mich da ruhig Datensklave oder Lob-Süchtig nennen, aber ich tue es nun mal nicht.

Nie wieder ohne Werte Stand Up Paddling!

Nie wieder ohne Werte Stand Up Paddling!

Was passiert also regelmäßig, wenn ich meine eigene Sportuhr nicht dabei habe oder der Akku alle ist: Ich streiche das Training. Bitte – ich bin nicht stolz darauf, aber ehrlich.

Die jüngste Generation von Activity Trackern ist nun wiederum dafür entwickelt worden, den ganzen Tag am Arm des Nutzers zu verharren. Pedantisch wird jeder Schritt mitgezählt, in festen Abständen Bewegung angemahnt.

Bis vergangenem Jahr waren Activity Tracker und GPS-Sportuhren mit der Möglichkeit die Herzfrequenz aufzuzeichnen eigentlich getrennte Welten. Nun verschwimmen die Grenzen, die kleinen Activity Tracker messen in ihren jüngsten Reinkarnationen auch den Puls und zeichnen auch mal eine Sportaktivität auf und in Zusammenarbeit mit dem Smartphone auch den Weg. Die Sportuhren wiederum sind nicht mehr Werkzeuge der Datenmessung für Leibesertüchtigungen, sondern zugleich Alltagsuhren, denen man ihre technischen Fähigkeiten nicht unbedingt ansieht.

Auftritt fenix3HR. HR für Heart Rate für Herzfrequenz. Das ist dann nun einigermaßen die eierlegende Wollmilchsau, die ich schon bei der fenix2 erahnt hatte. Wer die fenix3HR am Arm trägt, weiß immer wie spät es ist, bekommt gegebenenfalls seine Smart Notifications, kann jederzeit ein Training starten, kann nachschauen, wie in den vergangenen vier Stunden sein Herzschlag war und sie auch einfach nur gut am Arm aussehen lassen. Die Optik erinnert sich nicht ganz zufällig an Modelle aus der Luxusuhrenbranche.

Sie vereint alles soweit in einem Gehäuse, dass man kein zweites Gerät mehr braucht, um irgendetwas aufzuzeichnen. Nachteil: Es ist ein SEHR großes Gehäuse geworden. Frauen, die sich dafür interessieren, sollten den Trend zu maskulinen Uhren am Arm von Handgelenken von Frauen schon sehr mögen.

Das Gewicht ist noch nicht einmal das große Problem. Auch wenn die fenix3HR als Sportuhr schwerer ist als andere Modelle – im Reigen der gängigen Trageuhren ist sie fast ein Leichtgewicht. Vor allem, wenn man noch Modelle mit Stahlarmband in Betracht zieht.

Der Tragekomfort ist gut für eine Uhr in dieser Größe, aber auch nicht sensationell in der Gesamtwertung. Die Besonderheit der fenix3HR gegenüber ihrem Schwestermodell fenix3 ist die Rückseite. Dort sind drei Leuchtdioden, die die Herzfrequenzmessung am Arm erledigen. Standard in der Industrie sind derzeit zwei – die Zahl ist dabei vielleicht nicht mal so entscheidend für den Moment. Der wesentlich Aspekt: Es ist eine Eigenentwicklung im Gegensatz zu anderen Modellen am Markt, die sich des Bauteils eines Zulieferers bedienen und mithin auch dessen Einschränkungen in Kauf nehmen müssen.

Mohn in Blau. Starke Farbe, schwacher Lauf.

Hat nichts mit dem Test zu tun, aber wenigstens ein hübsches Bild muss schon sein.

Das Messelement wird auch in dem Laufuhr-Modell 235 von Garmin verwendet, wo mir die Genauigkeit der Herzfrequenzmessung völlig ausreichte.

Die fenix3HR kann ja nun eigentlich kaum anders sein. Ist sie aber dann doch. Und das fällt nicht so sehr beim Laufen auf, wo der Arm zwar bewegt, aber kaum geschüttelt wird, sondern eher auf dem Rad. Dort versetzen die Schläge des Asphalts der Uhr einen Haufen Erschütterungen. Um die Uhr so gut es geht, davor zu schützen, dass das Wackeln am Handgelenk die Messung beeinträchtigt, muss man sie ordentlich stramm tragen. Das ist über Stunden dann eben doch unangenehm. (Die 235 hat einen Gummiring auf der Unterseite, die das Tragen deutlich bequemer macht und zusätzlich Lichteinfall verhindern soll, der die Messung beeinträchtigen könnte.)

Dennoch zeigen alle Verläufe, dass die Herzfrequenz plausibel parallel zur Geschwindigkeit und damit Anstrengung verläuft. Die Linie der Herzfrequenz ist in den Einzelheiten etwas unruhiger als bei der Messung mit dem Brustgurt. Für den Test „Belastungswert“ ist ohnehin ein Brustgurt erforderlich. Aber die Messungen sind immer noch präzise genug, um die nötigen Informationen auszulesen. Beim Laufen ist der Effekt geringer, in meinen Augen durchaus zu vernachlässigen. Wer partout möchte, kann eh einen Brustgurt anlegen, um es genau zu wissen. Nimmt man den HRM-Gurt von Garmin kommen auch die Laufparameter des Spitzenmodells der Laufuhren, der 630, mit. Ich brauche die nicht wirklich, aber schaden tut es auch nicht.

Ein wenig wollte ich anfangs noch schimpfen über das Display, das mir deutlich schlechter abzulesen vorkam, als es nötig ist. Und ohne Beleuchtung ist es in bestimmten Situationen auch unmöglich. Dann kam es mir selbst mit Beleuchtung schlecht vor – bis ich entdeckte, dass die Intensität in den Werkseinstellungen nur bei 20% lag. Licht an – Leuchtdauer verlängert, Auslöser auf „Handgeste“ gestellt – alles ok. Geht noch besser – aber vermutlich nur zum Preis von weniger Akkudauer.

Und das dicke Gehäuse enthält wohl einen ebensolchen Akku. Die Lebensdauer einer Akkuladung ist je nach Anwendung drei, vielleicht auch fünf Tage. Aber eigentlich immer so, dass man im Ablauf mehrerer Tage rechtzeitig sieht, dass es nun Zeit ist, die Uhr mal abzulegen, um sie zu laden. Was man ja kaum noch tut, damit man sie nicht vergisst, nicht wahr?

Schöne Bilder zur Uhr habe ich nicht mehr. Also Catcontent. Ist doch das Internet.

Schöne Bilder zur Uhr habe ich nicht mehr. Also Catcontent. Ist doch das Internet.

Der Umstand im Zusammenhang mit der fenix3HR ist eigentlich, wie das Mehr an Funktionen dazu führt, dass sich auch Menschen dafür interessieren, die diese am wenigsten benötigen. Die Strategie von Garmin, selbst solche Uhren, die Funktionen für ernsthafte Triathleten und Trailrunner bieten, denen schmackhaft zu machen, die eigentlich nur eine schöne Uhr tragen wollen und ab und zu mal im Studio ein bisserl aufs Laufband gehen, scheint aufzugehen. Das kann ich auf Basis einiger Gespräche sagen mit Menschen, die für ihren Partner als Geschenk eine Sportuhr suchten. Statt bei einem einfachen Modell landeten wir dank der Optik, dem Fehlen des Brustgurts und den zur Verfügung stehenden Metallarmbändern bei der fenix3HR.

Und ein weiterer bemerkenswerter Effekt trat auf: Die 600 Euro, die die fenix3HR in voller Montur mit Saphirglas kostet, ist eine sehr hohe Summe im Vergleich mit anderen Sportuhren. Menschen, die sich sonst eher um Uhren mit Mechanik interessieren oder mit einer besser ausgestatteten Applewatch liebäugeln empfinden diese Summe im Vergleich als akzeptabel. Das mag mich als Sportler verwundern – aber es scheint solche Wege zur fenix3HR zu geben.

Für mich ist es eh die perfekte Uhr, denn zum einen bin ich vergesslich und drücke mich vorm Training, wenn keine Uhr zum Aufzeichnen da ist. Diese Ausrede gibt es mit der fenix3HR nicht mehr. Mein Pech.

Fragen zur fenix3HR? Immer zu. Hier bitte in den Kommentaren.

 

 

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Alle Kommentare [4]

  1. Fragen – aber immer:

    Braucht man Saphirglas?
    Und was ist in der Standard-Ausführung für ein Armband dabei? Passt das zum Luxus-Anspruch?

  2. Ein schöner Bericht zur Garmin Fenix 3 HR. Und auch bei mir war der bereits erwähnte Grund der ausschlaggebende: Ich bin absoluter Anfänger was das Laufen betrifft, wollte aber meine Erfolge aufzeichnen und gleichzeitig eine Uhr haben, die sich hochwertig anfühlt. Das alles und noch vieeeel mehr bietet die Fenix 3 HR. Super!