Ein Klotz am Arm. Eine Männeruhr. Seit dem Jahr 2000 besuche ich die Uhrenmessen in Genf und Basel. Der wichtigste Trend: Die Uhren werden größer. Und größer. Und immer größer. Bis sie keiner mehr tragen kann. Ich zumindest nicht. 44 Millimeter Durchmesser, 46, 48, irgendwann riss die 50er-Grenze. Nun denn. Noch hält sich der Trend, was früher eine Herrenuhr war, ist heute bei Damen Standard.
Die Suunto Ambit ist so ein Klotz. Ein echtes Gerät. Es wiegt mehr als jede andere Uhr im Vergleich der fünf von mir ausprobierten. Das bedeutet im Alltag, dass das Armband straff sitzen muss, denn das Gebaumele einer solchen Uhr nervt. Das gute: Die Ambit ist ein Klotz. Kräftig, metallisch, sie fühlt sich an, als ob ein Sturz ihr auch noch Vergnügen bereiten würde. Das Gehäuse ist aus Metall, die Knöpfe sind sehr solide. Verschraubt ist sie mit vier Torx-Schrauben. Torx-Schrauben sind
welche, für die nicht jeder gleich ein Werkzeug daheim hat. Sie mögen sich fragen, wieso ich so auf den Torx-Schrauben rumreite – weil es ein geschickter Schachzug von Suunto ist, die Uhr nach Spezialwerkzeug aussehen zu lassen. Eine Panzer-Anmutung mit Spezial-Schlüssel. Jungenherzen schlagen höher – die Suunto misst, wie hoch.
Sie ist im Kern wie alle anderen Uhren eine Herzfrequenz-Uhr mit eingebautem GPS. Ihre Stärke, das wird rasch klar, ist die Navigation. In der Vielfalt der Möglichkeiten seinen Weg zu finden (und vor allem wieder zurück) ist sie eindeutig die am besten geeignete Uhr für jeden, der auch mal aufs Geratewohl einen Weg in den Wald einschlägt. Es gibt für Wanderer und Läufer zwei Modi, die es erlauben, die GPS-Daten unterschiedlich oft abzurufen. Im Wandermodus hält die Batterie dann 50 Stunden durch. Wer durch Berge wandert, kann vielleicht nicht immer die nächste Steckdose als wichtigstes Ziel anpeilen.
Anwendung:
Die Ambit lässt sich gut als ganz normale große Armbanduhr im Alltag tragen. Sie zeigt Uhrzeit und Datum und Wochentag. So lange das GPS ausgeschaltet ist, verbraucht sie kaum Strom. Ohne Betriebsanleitung ist auch die Ambit nicht zu überschauen, aber die Menüstruktur ist simpel und logisch. Auch die Anzeigen für die Suche des Brustgurts und den Satelliten ist vorbildlich. Die Satelliten sucht die Ambit kaum schneller oder langsamer als die Konkurrenten. In der Anleitung gibt es jedoch den hilfreichen Hinweis, wie die Uhr am besten zu halten sei, bis zu dem Punkt, wo sie genug beisammen hat. Danach ist die Haltung egal, doch das „einloggen“ wird so beschleunigt.
Ihre Stärke spielt die Ambit zweifelsfrei im Gelände aus. Genaueste Höhenmeterangaben, Kompass und und und. Die Uhr führt einen zurück, wo man her kam, bis zu 100 POI (Point of Interest) lassen sich speichern. Das Trailrunning, was sich wohl für uns Nicht-So-Hippe-Altersläufer am besten mit Wald-und-Wiesenlauf übersetzen lässt, wird immer beliebter, nicht wenige Sportler verlaufen sich da auch schon mal. Das kann mit der Ambit im Prinzip nicht passieren, der Weg zurück ist garantiert.
Im Wald, wo es nun mal nicht so schön aufgeräumt ist oder beim Bergwandern kommt die robuste Verarbeitung des Ambit zum Zuge, da wo ich laufe, war es etwas weniger nötig. Asphaltierte Rad- und Wanderwege sind nun mal nicht das Karwendelgebirge.
Skifahren, Indoor-Laufen, Trailrunning, Running, Cycling – die Sprache lässt sich nicht ändern (zumindest habe ich keinen Weg gefunden) – alles ist möglich. Schwimmen ist leider nicht verzeichnet, wasserdicht ist die in Finnland montierte Uhr aber bis 100 Meter. Das sollte reichen.
Der Brustgurt ist der einzige von den fünf Uhren, die ich in der Hand hatte, der anders ist, die Steckverbindung ist etwas hakeliger zu öffnen als die anderen Gurten, der Tragekomfort ist identisch.
Die Aufzeichnung zu starten ist denkbar einfach, sie zu stoppen und zu speichern ebenso. Das ist alles mit dem gleichen Knopf zu erledigen. Eine Sperre lässt sich einrichten, damit nicht aus Versehen so ein Knopf gedrückt wird.
Eine Besonderheit ist sicher die Funktion, die es erlaubt, selbst die Bewegung des Armes mit einzuberechnen in die aktuelle Geschwindigkeit.
Auswertung
Die Suunto bietet reichlich Material zum studieren. Ausgelesen wird es per USB-Kabel und einer Klammer – die bester aller Wege, so wie sie auch die Magellan Switch anbietet. Da geht im Funknirvana wie bei der Garmin nichts unter, die Schnittstelle der Polar mit Micro-USB ist anfällig für Sand und Wasser. Die Ambit und die Switch haben das am besten gelöst.
Neben den Klassikern wie Puls, Dauer, Entfernung und Geschwindigkeit auch natürlich Streckenverlauf und spezielle Auswertungen für die aerobe Schwelle, wo man rasch den
Bereich des Hobbysports verlässt und schon in Abteilung sehr ambitionierter Sportler gerät. Temperatur, Luftdruck – alles da. Auch movescount erlaubt es, die ganze Welt teil haben zu lassen an den eigenen Ergebnissen.
Die eigene Suunto-Community oder auch facebook oder twitter.
In drei Formaten lässt sich, wie bei den anderen Portalen meist auch, die Einheit in ein Format für Excel exportieren. Datensport. Meine Welt ist das nicht – aber die Ambit beherrscht sie. Profis werden so etwas brauchen. Und Menschen, die vielleicht bislang alle Trainingseinheiten in Excel pflegten und das weiterhin tun wollen.
Ansicht
Die Polar RC3 GPS hatte ich wegen seiner Farbigkeit, seiner Leichtigkeit ins Herz geschlossen, die Suunto Ambit für ihre robuste nahezu unzerstörbare Erscheinung. Ein Wegbegleiter, wenn es mal abseits gehen sollte. Die Funktionen sind mit die umfangreichsten, die die Uhren zu bieten haben – mein Wunsch wäre noch ein Bahnenzähler fürs Schwimmbad, so wie es meine Garmin 910 xt kann. Sie ist teuer, teurer als alle anderen. Aber gerade dadurch, dass sie sich im Alltag ganz normale Uhr tragen lässt, die dank der Größe im Trend liegt, kann man sie vielleicht verrechnen mit einer anderen normalen Uhr, die man sich sonst gegönnt hätte. Läufer und Radler benötigen sie nicht, denen reicht die Polar, wer aber auch nur mit dem Gedanken spielt, eines Tages ausgetrampelte Pfade zu verlassen, der sollte von Anfang an die Ambit wählen.
Suunto Ambit
Ab 380 Euro inklusive Brustgurt
https://www.suunto.com/de/de/produkte/Outdoor/suunto-ambit/suunto-ambit-black-hr
In der nächsten und abschließenden Folge: Die Timex Ironman
