
Ort des Geschehens. Föhr. Groß genug für einen Marathon, wenn man nicht drum rum läuft. Die Inselrunde sind nur 32 Kilometer.
Dieser Blog heißt im Untertitel „Notizen eines Hobbysportlers zwischen Sieg und Niederlage“. Und obwohl der Startschuss für den Marathon auf Föhr am 29. März 2015 noch gar nicht gefallen ist, ist meine Niederlage bereits besiegelt. Sie tut weh, sie ärgert mich und schön reden kann ich mir das auch nicht. Und ich habe nicht mal einen Trainer oder Sportdirektor, den ich dafür beschimpfen oder entlassen könnte.
Was meine ich mit Niederlage? Ich laufe bei Wettkämpfen mit, um meinen ärgsten Gegner zu besiegen: Mich selbst. Es ist sicher interessant, zu wissen, wo ich in meiner Altersklasse stehe, aber am Ende für mich völlig irrelevant, denn siegen werde ich bei keinem noch so kleinen Stadtlauf. Ich möchte besser werden.
Als Läufer und Triathlet denke – und HOFFE – ich, dass ich noch nicht an der Grenze bin, wo es nicht mehr besser werden kann. Mit Engagement und Training kann ich noch in allen Disziplinen schneller werden. Ich muss nicht schneller werden. Aber es motiviert mich. Ich kann nämlich sehr ausdauernd und freudvoll auch schlemmen und Wein genießen. Das bekommt mir nur unterm Strich nicht so gut. Aber ohne Ziel bewege ich mich nur von Sofa zum Esstisch. Da ist jeder anders. Ich brauche ein Ziel. Schneller werden ist meines. Besser werden. Bessere Blogtexte schreiben, bessere Ravioli machen, besser schwimmen/laufen/radfahren.
Vergangenes Jahr habe ich es wohl übertrieben. Zu viele Wettbewerbe (Kevelaer-Marathon, Rodgau50, 2. Ironman im Jahr, Pacemaker-Köln, Röntgenlauf), zu viele Anstrengungen. Am Ende war ich ziemlich platt. Das wollte ich dieses Jahr besser machen. Mit weniger Wettbewerben, keinen Chaos-Anmeldungen und absurden Läufen, die ich besser streichen sollte.
Folgerichtig wurde die Saisonplanung radikal verschlankt. Ein Frühjahrsmarathon (Föhr), als Hauptziel den Ironman Klagenfurt und im September der Berlin-Marathon mit dem großen Ziel, unter drei Stunden zu bleiben. Gut, eine Verrücktheit habe ich mir schon gegönnt, aber erst Ende Oktober, NACHDEM ich die anderen Dinge nicht gefährdet habe.
Diesen Sonntag ist nun der Marathon auf Föhr und Ende November vergangenen Jahres dachte ich, wenn ich den Kevelaer-Marathon im Januar und den Ultramarathon in Rodgau nicht mache, sondern alles aufs anständige Training konzentriere, sollte ich meine Marathonbestzeit aus dem April 2014 verbessern können, wenn an dem Tag alles stimmt. Wenn nun am Sonntag alles stimmt, bin ich mit Glück nur 15 Minuten langsamer als meine Bestzeit. Grund zum Jubeln ist das also nicht.
Was ist aber eigentlich nun passiert? Zu ehrgeizig? Offensichtlich, auch wenn ich bei gleicher Vorbereitung gedacht hätte, eher schneller als langsamer zu werden. Zu viel gegessen? Ganz sicher. Die Kilos aus der Winterpause wollen nicht verschwinden. Ich bin nicht zu dick, aber zu schwer. Ich muss den Kram ja mitnehmen über die 42 Kilometer und die Pfunde wollen mit Sauerstoff versorgt werden. Zu wenig Training? Vielleicht. Das falsche, schwant es mir. Schon nach wenigen Wochen des auf 16 Wochen angelegten Trainingsplan war klar: Den packe ich gar nicht. Keine der anstrengenden Einheiten konnte ich erfüllen. Zu viel andere Sorgen? Ja. Auch. Laufen ist eigentlich hervorragend zum Abschalten und freien Kopf bekommen. Aber ausgerechnet die Aua-Einheiten, die weh tun und schnell machen – da braucht man den Kopf, um den Körper zu überstimmen. Mein Kopf war aber woanders und sicher mehr als drei mal habe ich nicht die mentale Energie gehabt, zu beißen, wenn es muss.
Der Misserfolg am kommenden Sonntag trifft mich also nicht unvorbereitet.
Wie gehe ich damit um? Ich laufe selbstverständlich dennoch, so ambitioniert es eben geht an dem Tag. Die Gesamtzeit wird nur einfach für mich nicht toll sein. Muss ich mit leben, kann ich und werde ich.
Der Trainingsrückstand wird auch nicht mehr aufzuholen sein. Ist halt so. Nach Sonntag wird mit Freude und Spaß das nächste Projekt angegangen, die Verbesserung der Zeit beim Ironman in Klagenfurt und solange ich nicht im Ziel stehe, wird alles dafür getan, fixer zu sein als 2014. Hinfallen, Mund abputzen, weitermachen. Das gilt für so vieles im Leben.
Der Sport ist mein Hobby. Keine Verpflichtung. Und wenn ich aus den vergangenen Monaten etwas gelernt habe: Ich kann verlieren. Sogar im voraus. Aber ich lasse mich nicht klein kriegen.
Ab Montag wird mit Elan, Spaß und Freude das nächste Ziel angegangen.





@werner Das stimmt. Aber dennoch mag ich am Laufen auch das Lineare. In einem gewissen Umfang lässt sich anhand des Trainings vorhersagen, was rumkommt. Aber da lag ich diesmal nun wirklich deutlich hinter. Nochmal 25 Minuten langsamer war ich am Ende als das eh schon 20 Minuten nach hinten verschobene Ziel. Das ist dann auch mal doof.
Druck wirkt sich nicht immer gut auf gesetzte Ziele aus. Wie so oft, ist gerade beim Sport, der Weg das Ziel. Selbst wenn man denkt, man ist gescheitert, die kleinen Erfolge sind es, die zählen.
@peter ich würde schon wollen. aber: was nicht geht, geht eben nicht und dann laufe ich so gut es geht.
… man muss nun nicht immer Bestzeit laufen (wollen) Wäre das mein Ziel, wäre ich jetzt nach 54 Marathonläufen bei einer Zeit von 1.50 Std 🙂
Denk allein mal an den Medoc Marathon (2x gefinisht) Ein guter Medoc-Läufer ist sechs Stunden unterwegs – heißt es
Ich bin ein guter Medoc-Läufer 🙂
Glaub mir, du wirst den Lauf am Sonntag genießen können – und das ist doch auch mal was – sechs Stunden müssen es ja nicht werden