Es gibt Funktionen an Geräten oder auch Programmen, da denke ich zunächst: Wozu? Um dann später kleinlaut festzustellen, dass sie nicht nur ganz praktisch ist, sondern, das ist in diesem Falle so, sogar die Extrafunktion ist, die ich im Alltag am meisten nutze.
Eine Taschenlampe an einer Sportuhr? Wer, wenn sie oder er nicht gerade in der Buttnik im Zelt in der Nacht auf einer Wandertour irgendwas sucht, braucht die nun wirklich? Ich zum Beispiel im Keller, wenn die Funzel an der Decke nicht reicht. Ich in der Nacht, wenn ich ins Bad tapse und nun mit zwei Fingertipps sehen kann, wo ich da langstolpere.
Die fenix 8 hat nicht nur eine ein wenig gelogene Taschenlampe wie meine private Garmin 965, die einfach im Display ganz viele weiße Streifen anzeigt, sondern im Gehäuse eine veritable Leuchte, die ernsthaft Licht produziert und recht große Flächen ausleuchtet.
Nun ist die Taschenlampe kaum das entscheidende Ausstattungsmerkmal, das Interessenten dazu bewegen würde, sich eine GPS-Uhr zu kaufen. Aber es steht für den Gedanken, der hinter der fenix 8 steckt: Der eines Schweizer Taschenmessers. Mehr Funktionen als irgendwer, bei Licht betrachtet, benötigt, aber hilfreich in dem Moment, wo man eine benötigt.
Dazu gehört auch die von mir im Alltag selten benötigte Navigationsfunktion der fenix 8. Das liegt natürlich schlicht daran, dass die meisten von uns normalerweise zu Fuß oder auf dem Rad Wege zurücklegen, die wir kennen.
Das war in zwei Wochen Urlaub in Devon und Pembrokeshire nicht der Fall. In den beiden Regionen im Süden Englands warten zahllose großartige Wanderungen und Spaziergänge. Die britische Eigenheit, dank des „Right of Way“ auch über Äcker latschen zu dürfen, führt zu Wegen, die sich nicht automatisch erschließen. Wanderer nutzen oft die Stufen, um über einen Zaun zu klettern und orientieren sich an den Schildern „Public Footpath“. Allein – nicht immer geht es so richtig klar weiter.
Da schlägt die Stunde der fenix 8, die die Richtung einer zuvor heruntergeladenen Tour vorgibt. Ja, auch dann habe ich bisweilen nicht sofort die richtige Entscheidung getroffen und bin den falschen der möglichen Pfade losgetrottet. Aber schon nach wenigen Metern realisiert die fenix 8, dass ihr Nutzer im wahrsten Sinne des Wortes vom Wege abgekommen ist und meldet sich. In aller Regel lässt sich das rasch ändern, nur wenige Male musste ich auf den in Summe gut 150 Kilometer Wanderung umkehren.
Das Amoled-Display ist selbst bei bestem britischen Wetter selbstbewusst hell und kontrastreich. Auch die Sorge, dass bei ständigem Prüfen des Pfades dem Akku angesichts der Dauer an Leuchtkraft, die Luft ausgeht – abwegig. Das reicht auch noch für die nächste Wanderung. Meinen Iroman Wales habe ich in kühner Selbstsicherheit mit einer gar nicht voll geladenen Uhr absolviert. Und hätte sogar noch länger als die eh schon ewig langen 15h brauchen können. Gut – navigieren musste ich an dem Tag nicht.
Was heißt das für Interessenten? Wer wirklich viel verschiedene Wege und neues Terrain nutzt und dabei sich auf die Anweisungen der Uhr verlassen will, kann das bedenkenlos tun. Wer lediglich seine Sportaktivitäten mit der fenix 8 aufzeichnen will, kauft im Ernstfall mehr als er wirklich braucht.
Das Testmodell war mit Titangehäuse und Saphirglas – sprich, das ist nahezu unzerstörbar und kratzfest. Das hat seinen Preis und ich persönlich, und letztlich ist das hier immer nur meine Einschätzung, hätte meine Schwierigkeiten, die nötige Summe zu rechtfertigen, wenn ich weiß, dass das Gehäuse eher Jahrzehnte intensiver Nutzung wegsteckt, Software, Ausstattung und Akku aber nur bedingt diese Lebenserwartung haben.
Wie alle Garminuhren, die ich über die Jahre getestet habe, ist die fenix 8 in der Bedienung und allem mit denen ihrer Vorgänge quasi identisch. Es ist stets Evolution statt Revolution. Die neuen technischen Möglichkeiten, wie zum Beispiel die Steuerung per Sprache und auch ein integrierter Lautsprecher für Telefonate, sind wie die Pinzette eines Schweizer Taschenmessers: Deswegen kaufen lohnt nicht, aber wenn man sie mal bräuchte, dann wäre eine da.
Gleiches gilt für sportspezifische Trainingspläne oder die Möglichkeit, die fenix 8 als Tauchuhr zu verwenden – wenngleich sich da für Kaltwassertaucher sofort die Frage nach längeren Armbändern stellt, die nötig sein können, wenn die Uhr über dem Neo getragen wird. (Beim Ironman hatte ich sie selbstverständlich unter dem Neo, konnte sie entsprechend auch nicht ablesen. Was bei Tauchuhren wiederum absurd wäre.)
Es ist fast müßig zu erwähnen, dass alle von mir im Alltag geschätzten Funktionen wie Intervalle programmieren, Gesundheitsdaten und Trainingsvorschläge und was nicht alles, vorhanden sind und mit der gleichen Zuverlässigkeit funktionieren, wie an den vorigen Modellen. Wer zu Weihnachten einen großen Wunschzettel schreiben darf, findet bei den verschiedenen Gehäusegrößen und -materialien sicher ein passendes Modell. Für Gelegenheitsoutdoor-Entdecker ist der finanzielle Aufwand nicht nötig.



