Jeder kennt die Unterschiede eines Orgasmus. Mancher ist euphorisch, ein anderer bemüht, der nächste angenehm, dann wieder erfüllend. Nicht alle sind so, dass man in diesem Moment am liebsten sterben möchte, wie es die französische Sprache mit dem „La Petite Mort“ – der kleine Tod – so hübsch umschreibt.

Viel zu schön, um es nicht wahrzunehmen. Hochgefühle ohne Runners High auf Trails in der Bretagne. Pures Glück in der Natur.
Der kleine Tod des Läufers ist das Runner’s High. Es ist allein seines Namens wegens etwas, das viele Läufer sich ersehnen, vielleicht etwas erwarten, es herbeisehnen und ganz viele kennen. Andere nicht, oder nicht bemerken. Denn mancher Mensch mag dran vorbeigelaufen sein, achtlos, wie an Blüten des Klatschmohns im Frühsommer. Ich habe meine Idee davon, andere werden es anders erleben.
Lohnt es sich denn, dem Runner’s High – also dem Läuferhoch – wie ich es wahrnehme, überhaupt hinterherzulaufen? Ich denke ja, bin aber sicher, dass das nicht funktioniert, wenn man es anstrebt, denn um es mit dem Musik-Kabarettisten Tim Minchin zu sagen, der die Suche nach Happiness für irreführend hält in seiner Rede „9 Life Lessons“ an seiner alten Uni: „Don’t seek happiness. Happiness is like an orgasm. If you think about it too much it goes away.“ Das Runner’s High ist wie Glück oder ein Orgasmus. Denken Sie darüber nach, dann entfernen sich beide.

Gleiches gilt für Strandläufe – Wellen und Sonne brauchen alle Sinne. Da ist keine Gelegenheit für wandernde Gedanken.
Nicht denken. Das ist es, wie ich persönlich mein Runners High definiere. Loslassen. Vergessen, was man tut. Dann kommen die Gedanken, die Leichtigkeit, das Unbeschwerte. Wenn ich ihnen nicht im Wege stehe mit Ärger über andere Verkehrsteilnehmer oder Bestaunen von Landschaft und Städten. Langeweile, Wiederholung, Ereignislosigkeit sind mein Weg zu einer stets überraschenden Zufriedenheit und Ausgeglichenheit.
Woran erkenne ich, dass ich denke, ich bin gerade in einem Runner’s High?
- Ich vergesse, dass ich gerade laufe. Ich bin gerade ausreichend genug angestrengt, um zu laufen, aber noch so fit, dass mir die körperliche Anstrengung nicht auffällt. Das ist bei mir auf dem Rad nie der Fall wegen der nötigen Aufmerksamkeit für den Verkehr oder beim Schwimmen, das mich nach wie vor langweilt. Es setzt – wenn überhaupt – eher nach 30-40 Minuten ein, keinesfalls früher, selten später, es hat natürlich etwas mit dem Tempo und der wirklichen körperlichen Belastung zu tun.
- Mein Hirn schubst Ideen und Lösungen nach vorne zu Dingen, die mich wohl beschäftigen, an die ich aber nicht zwingend unmittelbar davor gedacht habe. Die Zahl der Artikelideen oder wie ich sie umsetze, die mir beim Laufen gekommen sind, liegt hoch. Besonders die komplexen Themen, wo der Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen war, lichten sich, ordnen sich, strukturieren sich, fast wie von allein. Ich habe ernste, weitreichende, ernsthafte Entscheidungen getroffen, weil ich in diesem Zustand für mich klar sah, wie ich es eigentlich für richtig halte. Keine davon habe ich je bereut
- Es ist irgendwann vorbei. Die Mühe setzt ein, die Gedanken kreisen wieder um die Schmerzen in den Knochen oder etwas anderes. Ich mache wieder Sport.
In meiner Erfahrung ist mein Runner’s High etwas, das ich eher erlebe, wenn ich bekannte Strecken laufe, Routinen abspule und vor allem nicht zu schnell bin. Echte Tempoläufe beschäftigen alles an mir, da gehen keine Gedanken spazieren.
Habe ich nun Tipps, wenn jemand sich nicht sicher ist, ob er das Phänomen kennt oder es dann eben doch erleben will? Ja, schon ungeachtet der obigen Hinweise, dass sich nichts erzwingen lässt. Läufe planen mit einer gewissen Länge, aber nicht mehr als normalem Trabtempo in einer gewohnten Umgebung. Und sich treiben lassen. Und wenn es nicht passiert, bin ich hinterher noch immer froh gewesen, draußen laufen gewesen zu sein – das kleine High. Mein Runner’s High. Was ist Ihres?


Ich nenne dies eher ein Renners High-Light, denn ein Renners High. Aber den Zustand nach den ersten Kilometern wo man dann einfach läuft, einfach so das ist einfach wunderbar. Dafür auf jeden Fall die bekannten Strecken nehmen und nichts besonderes machen.
Dann nach einigen Kilometern merken, dass man gelaufen ist ohne mitzubekommen das man gelaufen ist und sich fragt wie bin ich hier hin gekommen. Auch dafür gehe ich laufen, für genau dieses Gefühl.