Ironman Klagenfurt. Der Wettbewerb, mit dem ich nicht mehr gerechnet hatte. Mehr geht nicht.

Es war alles besser früher. Mehr. Mehr weniger Athlet. Mehr Distanz Oberrohr/Bauchdecke.

Die Sportgels sind schon ein Jahr abgelaufen. Das Lauftraining ist wegen einer Verletzung seit April quasi ausgefallen. Dann war ich mit einem entzündeten Gleichgewichtsnerv im Mai auch so ganz gut ausgeschaltet. Die jüngsten Schwimmergebnisse haben den Abstieg zur Bleiente belegt. Gut, Rad bin ich viel gefahren, was soll man auch tun in einer Pandemie, in der eigentlich zuverlässig noch jeder Wettbewerb ausgefallen ist.

Ich werde meine kühne Spekulation, dass das eh noch geschieht, sehr verfluchen am kommenden Sonntag. Vermutlich noch nicht im Wasser, da merke ich ja erst an Land, wie langsam ich war. Sicher nicht auf dem Rad, das wird schon werden. Hoffentlich schnell genug, damit ich die verbleibenden Stunden bis zum Zielschluss um Mitternacht diese vermaledeiten 42 Kilometer irgendwie durch die Straßen von Klagenfurt beim Ironman Austria hinkriechen kann.

Mehr Käsekrainer. Mehr Estragon. Alles mehr.

Was habe ich mir mal wieder dabei gedacht? Nix. Wo Irsinn, da meine Anmeldung. Wo Unvernunft, da meine Zuversicht. Wo Aussichtslosigkeit, da meine Sturheit. Ich geh‘ den Scheiß (Verzeihung) ins Ziel, komme, was wolle. Wenn man mich lässt. Ein von @triathlondog und auch mir praktiziertes Motto lautet: Erst melden, dann denken. Ich habe das Motto pandemiegerecht variiert in „Nicht ummelden, dann denken.“ Alle Gelegenheiten in den Wind geschlagen, erst 2022 unter besseren Vorzeichen an den Start zu gehen. Lachhaft. Sage ich jetzt.

Es wird mein 7. Start beim Ironman Austria, meine 14. Langdistanz. Und zur Sturheit gesellt sich selbstverständlich Größenwahn, dass man mit so viel Erfahrung in den immer lauter knackenden Knochen das Ding schon irgendwie nach Hause schaukeln wird.

Mehr Verbote. Mehr Nashornreiten. Mehr. Einfach mehr.

Apropos Schaukeln – es ist natürlich überhaupt nicht hilfreich, dass ich trotz eingebildeter Zurückhaltung und damit krasser Fehleinschätzung über die Realität, nochmal fünf Kilo Körpergewicht an den Bauch gefressen und gesoffen habe in der Pandemie.

Ein Vierwochen-Sofortprogramm inklusive AlkoholVERBOT, mehr Bewegung, WENIGER essen, KAUM Chips, auf das noch jede Partei vor einer wichtigen Wahl neidisch wäre, hat hoffentlich bewirkt, dass die allerpeinlichsten Fotos eines Bombers im Trisuit verhindert werden können.

Mehr bunt. Mehr Deko. Mehr Blumen. Mehr Rahmentaschen.

Dahin ist anschließend mit Sicherheit auch mein AWA-Status. Das ist das Kundenbindungsprogramm von Ironman. Angeblich gehöre ich zu den besten 10 Prozent meiner Altersklasse. Bin ich nicht, aber ich mache sonst mehr Rennen als die anderen und habe mehr Punkte. Diesmal nur ein Rennen, das ich schön weit hinten im Klassement beenden werde (beendet wird das, sagte ich ja) – ergo, Sie finden mich im Klassement im mindestens unteren Drittel. Dieses Mal noch bringt mir das die niedrige Startnummer #332, einen besseren Platz in T1 und ein hübsches goldenes Badekapperl. Das ich natürlich keinesfalls tragen werde. Fehlt mir noch, dass ich im Starterfeld irgendwie als schnell gelten könnte und verwunderte Blicke um meine Hüftregion streifen.

Ich nehme auch den dicken Neo mit, den ich mal für das kalte Wasser im Fjord gekauft hatte. Der gibt massig Auftrieb. Leider ist er auch sehr warm. Mit Pech komme ich total verschwitzt aus dem noch immer zu warmen Wörthersee. Positiv: Neoverbot wird es nicht geben, die Fotos vom Bomber in Badehose bleiben uns also allen erspart.

Und mehr Einhörner. Einfach mehr. Früher war alles mehr.

Weil es auch eine Hauruckaktion ist, werde ich kurz vor dem Rennen anreisen, allein, danach sofort zurück. Ich mache also im Grund alles falsch, was man falsch machen kann in der Vorbereitung auf einen Ironman.

Ich bin sicher, es wird großartig, denn aus Chaos erwachsen Geschichten. Welche ich dann am Sonntag spät abends in Klagenfurt nach dem Rennen zu erzählen habe – bleiben Sie dran! Falls Sie so lange wach sind.

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Alle Kommentare [1]

  1. Wir sind gespannt auf Deine sicher tolle Story 🙂
    Und drücken die Tatzen/Daumen, dass Du gut und besser als erwartet durchkommt. Hauptsache, Du hast Spaß! Bewahr Dir den Galgenhumor bis ins Ziel 😉
    Iwan & sein Frauchen