Test Suunto 9 Baro

Sportarten, die auf den ersten Blick viele Ähnlichkeiten haben, zeichnen sich bisweilen dennoch dadurch aus, dass deren Ausübende bei der Ausrüstung Vorlieben haben. Laufen macht da keine Ausnahme. An den Startlinien eines Stadtmarathons sieht man den Füßen der Teilnehmer andere Modelle als bei dem – sagen wir – eines Zugspitzmarathons. Die Welt des Traillaufens und der des Asphaltlaufens, zu denen sich viele Läufer gleichzeitig zählen, bringen dennoch Eigenheiten hervor.

Da macht das Equipment am Arm keinen großen Unterschied. Beim Triathlon – immerhin zu einem Drittel – spielen bestimmte Marken nur eine untergeordnete Rolle. Bei allem, was über Stock und Stein geht oder gerne auch über Stunden oder gar Tage dauert, ist bei den Sportuhren die finnische Marke Suunto beliebt – die im übrigen auch im Tauchsport aktiv ist, wo wiederum beispielsweise der Wettbewerber Polar nicht zu finden ist. Bei wie vielen der Sportarten der 80 Modi der Suunto 9 Baro gehört, vermag ich nicht zu sagen. Aber mit den 80 zur Verfügung stehenden Sportmodi dürfte so gut wie alles abgedeckt sein bis auf Rhönrad.

Ganz oben und ganz unten – in Bezug auf das Terrain – da ist Suunto erfolgreich zuhause und genießt einen hervorragenden Ruf. Für diejenigen, die ganz oben laufen, klettern, trailen, ist nun die Suunto 9 Baro erschienen, die einige der wichtigsten Anforderungen von Trailläufern in bergigen Regionen aufgreift. Höhenmessung und Akku. Und selbst wenn der Akku der Suunto 9 im unmittelbaren Vergleich nicht mit dem der hier getesteten Enduro von Garmin mithalten kann – der Akku der Suunto reicht laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaang. Er reicht in einem Maße aus, die für den Athleten entscheidend ist und nicht für die Datenfreaks. Bis zu sieben Tage ununterbrochener Trainingsaufzeichung. Ich kenne Athleten, die wilde Dinge tun, doch selbst die turnen nicht mehrmals im Jahr für fast eine Woche durch die Berge ohne jeden Kontakt zur Zivilisation – vulgo Steckdose.

Alles geschützt, gut gepanzert – eine Uhr für ein langes MIteinander

Wer unterwegs ist auf Pfaden, die schlechter beschildert sind als der gerade Weg zur ersten Million, muss sich auf GPS-Funktion, Navigationsangaben und Widerstandsfähigkeit des Materials verlassen können. Es hängt unter Umständen mehr davon ab als nur ein erreichtes Ziel.

Nun konnte ich in den vergangenen Wochen logischerweise keine auch nur  annähernd so komplexe Situation simulieren oder in echt erleben, die dem Anspruch gerecht werden würde. Es blieben die üblichen Wege und Einheiten. Den Batteriemodus Tour, der eben die bis zu sieben Tage Aufzeichnung erlaubt, musste ich also nicht wählen. Doch selbst mit dem Modus Performance ist in einem normalen Leben der Akku nie ein echtes Problem. Der Custom-Modus erlaubt eine Einstellung der eigenen Prioritäten – ein Maximum an Flexibilität in extremen Situationen.

Für die ist das Gehäuse samt Band und Schließe definitiv ebenfalls gerüstet. Die Titaniumlünette und das Saphirglas würde eine Reihe von Misshandlungen wegstecken, die ich hätte anwenden können, um ein Tag in bergigem Terrain mit Kletterpartien zu simulieren. Das Material ist in der Uhrenindustrie ein alter Bekannter und hat seine Kratzfestigkeit millionenfach unter Beweis gestellt. Das Armband selber ist ebenfalls robust und soll Standards des US-Militärs genügen. Auch die zwei Ringe der Schließe sind mehr als kräftig – und damit leider arg unbequem, wenn man die Uhr nicht nur in Gletscherspalten sondern auch am Schreibtisch trägt.

Das ist nicht ihr Einsatzgebiet, klar – aber da die Suunto wie die Wettbewerber ebenfalls die Überwachung und Auswertung der Herzfrequenz in Einheiten wie Ruhephasen anbietet, lohnt es sich eben doch, sie rund um die Uhr zu tragen. Leider ist die Messung der Herzfrequenz am Arm mit der Suunto bei mir nicht sehr genau gewesen – ich betone „bei mir“, denn die Präzision dieser Werte ist von Mensch zu Mensch verschieden. Abgleiche mit anderen Modellen und Nutzung eines Gurtes, der immer noch verlässlicher misst, lässt aber keinen Zweifel zu. Bei mir war das teils nicht nur knapp, sonder gründlich daneben. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass Suunto recht präzise Angaben macht, wo genau die Uhr zu tragen sei im Ruhezustand – das ist nämlich eine andere Stelle als bei einer Einheit, wo sie einige Zentimeter weiter oben sitzen soll für mehr Genauigkeit. Und damit kommen wir zum nächsten Problem, dem ich begegnet bin. Soll die Uhr gut zwei Finger breit oberhalb des Handgelenks in einer Einheit bleiben, musste ich das Armban schon ziemlich fest ziehen. Mit den erwartbaren deutlichen anschließenden Spuren.

Und, ich mecker ja ungern so viel, selbst wenn alle Daten stimmen würden – unterwegs ablesen ist nicht einfach. Der Kontrast des Displays ist schlicht zu gering. Die Beleuchtung muss mindestens aktiviert werden.

Die Funktion Touchdisplay hingegen funktioniert tadellos. Umherspringen im Menü mit einer Berührung des Displays ist präzise und komfortabel. Dafür kann die Uhr auf Knöpfe auf der linken Seite verzichten, was je nach Situation ein Gewinn an Komfort bedeutet.

Ich habe keine Möglichkeit, die Genauigkeit des barometrischen Höhenmeters genau zu überprüfen. Die Angabe der Höhe, in der mich befand, schwankte jedoch um einige Meter. Gemessen habe ich das an einem fixen Punkt an meiner Strecke. Selbst wenn es nicht so relevant sein sollte, ob dieser Punkt nun 54 oder 63 Meter üNN liegt – im Rennen sind die Differenzen zwischen zwei Punkten für den ein oderen Läufer sicher relevant. Sehr geschätzt habe ich in der Zeit die stets verfügbare Messung des Luftdrucks. In den Bergen ist diese Information für den Träger teils sicher von großer Bedeutung.

Einige der damit verbundenen Funktionen – wie Wetter oder Climb – sind abrufbar über die Funktion SuuntoPlus, das der Nutzer gesondert auswählen muss. Bei einer Laufeinheit werden mit SuuntoPlus beispielsweise Sprints automatisch erkannt und als Intervall anschließend in der App ausgewiesen. Suunto hat angekündigt, weitere Funktionen dazuzustellen.

So hinterlässt die Suunto 9 Baro Titanium einen gemischten Eindruck bei mir. Vorbildlich das Angebot an Navigationsfeatures und den SuuntoPlus-Funktionen. Verarbeitung und Akkudauer sind beeindruckend und versprechen eine insgesamt lange Lebensdauer der Uhr. Das ist bei einem UVP von 600 Euro (wenngleich sie selbst auf der Webseite von Suunto bereits mit 20 Prozent Rabatt für 479 Euro angeboten wird…) sicher nicht völlig uninteressant vor allem für jene, die sie wirklich durchgängig tragen. Andere Modelle verleben sich durchaus binnen zwei bis drei Jahren – hier scheint alles auf Ausdauer ausgelegt.

 

 

 

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