Die da oder die da? Der schnelle Weihnachtsgeschenkevergleichsüberlick. Garmin forerunner 745 oder Polar Vantage V2?

Ob virtuell oder in Person – das Weihnachtsfest naht und mithin für viele Menschen die Frage nach Geschenken. Bei uns Ausdauersportlern und insbesondere den materialintensiven Triathleten ist das eine gute Gelegenheit sich mit einem Stück Equipment beschenken zu lassen oder selber zu beschenken.

Mehr als rechtzeitig zum Fest haben Polar und Garmin jeweils neue Modelle auf den Markt gebracht. Vantage V2 und forerunner 745. Und obgleich ich nicht vorhabe, einen amtlichen Vergleichstest hier zu verfassen, dennoch der Versuch, der Einordnung und Hilfestellung, wem vielleicht welche zusagen könnte. Ausführliche Einzelbetrachtungen folgen in zwei  getrennten Tests.

Zwei grundsätzliche Aussagen vorweg, die für die Interessierten die Frage „WELCHE?“ vielleicht sofort beantworten:

  • Keines der beiden Modelle ist dem anderen derart überlegen, dass ein Systemwechsel anzuraten ist. Daten – insbesondere bei dieser Generation Uhren – sind Gold. Eine Datenbank von Polar zu Garmin oder andersrum umzuziehen, ist möglich, aber nicht lustig. Sie besitzen ein älteres Modell und wollen gegebenenfalls aufrüsten – bleiben Sie ihrer Marke treu. Außer sie wollen den Mantels des Schweigens über bisherige Leistungen legen und nochmal neu anfangen. Warum nicht?
  • Mit keiner der beiden Uhren machen Sie etwas falsch. Jede hat ihre Vorzüge, welche Ihnen wichtig sind, ist entscheidend.

Kommen wir zu den Gemeinsamkeiten beider Modelle, die mir wichtig erscheinen. Stichwortartig die einst wichtigen Punkte, die heute kein Thema mehr sind: Präzision GPS beim Sport, Akkulaufzeiten für den Alltag (die 745 deutlich weniger als die 945, aber das liegt in der Natur der Sache bei den unterschiedlichen Gehäusegrößen. Exakt: Polar 40 Stunden Trainingsmodus, Garmin 16 Stunden im GPS-Modus), Solidität der Hardware – alles auf Augenhöhe. Bei Einheiten mit beiden Uhren lösten beide ziemlich exakt auf den Meter genau den Rundenkilometer aus. Etwas mehr sichtbare – wenn auch nicht relevante – Differenzen bei der Höhenmessung – die Polar ist da etwas „geiziger“. Es sind und werden nie Laborinstrumente. Beide können Musik spielen.

Und beide sind mehr als Vermesser – sie sind Beobachter, Analytiker, Ratgeber. Wer mag, kann sich bei beiden Uhren auf die Vorschläge der Uhren für Trainingseinheiten verlassen oder gar Pläne des Herstellers aufspielen (Garmin derzeit nur bis Halbmarathon, dafür nach mehreren Trainingskonzepten, Polar bis Marathon nach Vorgabe der persönlichen Präferenzen zu Umfang und Intensität.) Mehr dazu in den Einzeltests. Mein Eindruck nach einigen Wochen – da sind Einheiten bei, die Abwechslung bringen, die ich selber mir so nie verordnet hätte. Wer wie ich ohne Trainer trainiert, findet hier auf einmal Unterstützung basierend auf all den Werten, die ich so den Tag über produziere: Puls, Schlaf, Erholung.

Beide bieten umfassende Analysen der Einheiten von Laufeffizienz bis Watt.

Und: Beide haben den gleichen Preis. Rund 500 Euro unverbindliche Preisempfehlung – wie immer wird der Preis vermutlich rasch bei einzelnen Händlern sinken. So ist die Welt des Handels.

Nun zu den zentralen Unterschieden beider Modelle, die ich notierenswert finde. Ich weise stets darauf hin, dass die Uhr zum Träger oder zur Trägerin passen soll. Und dazu gehört wesentlich der Tragekomfort. Und das insbesondere bei Sportuhren, die Tag und Nacht getragen werden müssen, sollen sie das Maximum aus ihren Fähigkeiten der Datenanalyse herausholen. Wer nachts keine Uhr oder tags seine mechanische Uhr tragen will, braucht fairerweise so eine Uhr eigentlich kaum. Dafür tun es die „kleineren“ Modelle gut genug, um Einheiten aufzuzeichnen. Deswegen ein Blick auf:

Gewicht und Größe – Die Polar ist mit 52 Gramm nicht wirklich spürbar fünf Gramm schwerer als die forerunner 745 – aber mit 47 Millimeter Gehäusedurchmesser spürbar größer am Arm als die Garmin mit 43,8 Millimeter. Klingt nach wenig, macht je nach Arm eine Menge aus. Zumal, da beide möglichst eng getragen werden sollten, damit die rückseitigen Lichtorgeln auch anständig mir den Puls fühlen.

Die Bedienung der 745 erfolgt ausschließlich über Tasten. Die Vantage V2 kann auch über Touchdisplay gesteuert werden. Wer das schätzt, hat hier ein gutes Argument für die Polar.

Die 745 lässt sich mit einem oder mehreren WLAN koppeln – die Daten der Trainingseinheit sind also so gut wie hochgeladen, wenn man nach dem Training mit der Uhr die Wohnung betritt, Jacke auszieht und Duschen geht. Die Polar muss entweder über das Smartphone oder per Kabel am Computer ausgelesen werden. Kein Drama aber ein Unterschied.

Tests. Die Polar bietet ein umfangreiches Set an Leistungstests an, die die eigene Form genauer bestimmen sollen. Radleistungstest, Laufleistung und orthostatischer Test. (Und Atemübungen, falls es mal hektisch wird.)

Ablesbarkeit. Ohne Lesebrille dürfte ich da eh nix zu sagen – aber unterwegs sind dank der Kontraste des Displays der 745 die Daten für mich schneller abzulesen. Zudem erlaubt sie den Wechsel von Positiv auf Negativ.

Optik. Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Skandinavisches Design genießt allerdings nicht von ungefähr einen herausragenden Ruf.

Fazit – Sie sind so schlau wie vorher, oder? Und warum? Weil beide Uhren ihren Dienst sehr gut erledigen, an den wichtigen Faktoren nichts zu mäkeln ist. Es hängt sehr von den individuellen Anforderungen eines Athleten ab, was genau ihm wichtiger ist. Tragekomfort oder Optik? Wlananbindung oder doch das Touchdisplay. Wie immer: Lieber eine Frage zu viel in den Kommentaren als zu wenig.

Sehr guten Gewissens kann ich eines versichern: Sollten Sie sich mit einer von beiden Modellen beschenken oder beschenken lassen – Sie dürfen sich freuen.

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Alle Kommentare [3]

  1. Hallo Torsten,

    mir war es wichtig, dass nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden.

    Eine Uhr, die herstellerseitig mit einer Akku-Maximalausdauer von 16 Stunden (siehe unten) deklariert ist, für 24 Stunden Aktivitätsaufzeichnung einzusetzen, kann nur ein Rechenfehler sein.
    Hier die Original-Beschreibung von Garmin:
    „Bis zu 16 Stunden im GPS-Modus mit Herzfrequenzmessung am Handgelenk.“
    Naja, wenn man also mit so einer Uhr einen 24-Stunden-Triathlon mitmacht, hat man es sicher mehr auf die Optik der Uhr abgesehen, nicht auf ein normales GPS-Tracking. Oder man verzichtet großzügig auf eine exakte Streckenerfassung. Aber muss das sein? Ich sehe da keinen Sinn drin.

    Sportliche Grüße
    Frank

  2. @ Frank – korrekt. Das ist keine Ultraläufer-Uhr, wie zB eine Suunto. Innerhalb des Garminuniversums übernehmen diese Rolle idR die fenix-Modelle. Dies ist eine Ausdauersportuhr mit Triathlonfunktionen. Langdistanztriathlon endet bei Ironman nach 17 Stunden, Extremtriathlons idR etwas um die 24 Stunden. Würde ich eine 745 auf einem der genannten Triathlons nutzen? Ja.

    Die Bemerkung über das Trainingsverhalten nehme ich zur Kenntnis. Ich bewundere das, ganz toll! Guter Läufer.

  3. Der entscheidende Unterschied wurde hier nicht genannt, was andererseits auf das Trainingsverhalten schließen lässt: Die Garmin-Uhr hat explizit weniger Akku-Ausdauer zu bieten als die Polar-Uhr.
    Wer auf wirklich langen Strecken (15, 20, 24 … Stunden) unterwegs ist (viele Leute können sich das ja nicht mal im Traum vorstellen…), für den/die ist die 745 „unkaufbar“ (Genau deswegen auch für mich.).

    Was das WLAN angeht: An einer Polar-Uhr habe ich es nie vermisst. Aber wie es mit allen Dingen so ist – ich sage es mal mit einem Sinnbild: Fehlt am Toaster die Betriebsleuchte, ist das für manche Leute bereits ein Fall für verminderte Produktleistung. Oder wie es hier im Beitrag heißt: „Kein Drama, aber ein Unterschied.“
    Das Drama sehe ich doch eher darin, dass trainingsirrelevanten Dingen ein Gewicht beigemessen wird.

    Am Ende geht es immer um die Frage, wie weit man Sportler ist, denn so, wie man trainiert, entscheidet man auch über Produkte, die man sich kauft.

    „Zeige mir deine Uhr und ich sage dir, wie du trainierst.“

    Sportliche Grüße vom „Ultra“