Test Kopfhörer Bowers & Wilkins PI3

Sie kennen sicher die Figur „Alfons, der Reporter“. Markenzeichen von Alfons ist unter anderem ein großes Puschelmikrofon. Wer sich nicht viel mit der Aufnahme von Sprache oder Musik beschäftigt, mag das übergroße Puschelding allein für einen Spaß halten. Tatsächlich aber erfüllt die Verhüllung eines Galgenmikrofons eine wichtige Funktion: Sie reduziert Windgeräusche.

Für Hobbysportler in Bewegung sind es zwei Dinge, die Musikgenuss via Kopfhörer unterwegs erschweren: Schwerkraft und Windgeräusche.

Die Windgeräusche auf dem Korpus des Kopfhörers werden ans Ohr weitergegeben – und das so laut, dass sie die Musik mindestens mal begleiten, leise Stellen übertönen, aber allemal Details ausradieren.

Die Schwerkraft mag auf Anhieb überraschen, aber wer in Bewegung ist, bewegt eben nicht nur sich selbst, sondern auch den Kopfhörer und seine notwendigen technischen Bestandteile.

Ganz rechts ein simpler, sehr kleiner und leichter Sony-Kabel-Hörer. Und damit der, der am wenigsten stört, gut fest sitzen bleibt und kaum Windgeräusche produziert. Der mittlere mit dem Karokabel macht ordentlich Wumms – aber ist auch ganz empfänglich für Wind. Der PI3 (2.v.r.) ragt ebenfalls aus dem Ohr raus. Die beiden linken noch zur Illustration. (Cambridge Audio SE1 und Jaybird Blue Buds)

Alle Sportler, die entweder keine Musik hören oder auf Bügelkopfhörer setzen, müssen auch nicht mehr weiterlesen.
Alle jene, die wie ich vor allem beim Sport Musik hören und lieber mit Kopfhörern hören, die mittels Silikonpöppeln im Ohr sitzen, jenes dabei recht ordentlich akustisch abdichten, werden die Probleme jedoch kennen. Bei Erschütterungen verrutschen die Silikonpöppel, sie dichten nicht mehr ab, der Klang verliert drastisch an Intensität, die Bässe sind als allererstes weg. Es gibt zig Varianten, den sicheren Sitz der Pöppel im Ohr zu gewährleisten, von Bügeln über die Ohren wie die Beats bis zu Silikonformen des Innenohrs.

Das Problem bei Bluetooth-Kopfhörern ist, dass sowohl Akku als auch Elektronik noch mitgeschleppt werden müssen. Kabelgebundene Kopfhörer haben das nicht, aber das ist eine aussterbende Gattung. Diese Technik wiederum baumelt und hüpft spätestens beim Laufen so sehr, dass man sich dafür was einfallen lassen muss, bei meinen Monster Victory iSport klemme ich das Kabel immer in den Buff oder die Mütze, damit es nicht so dengelt.

Bowers & Wilkins hat sich etwas auf den ersten Blick sehr sinnvolles einfallen lassen. Das Gewicht wurde auf zwei gleich große Kästchen verteilt, die dann noch wie eine Art Kette um den Hals hängen. Bevor ich das blumig umschreibe: Bilder gucken.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Die „schweren“ Teile des Systems ziehen mit ihrem Gewicht am Hals und nicht an den Ortstöpseln – die dann nicht so schnell rausrutschen.

Ein paar Worte zu Bowers & Wilkins, ein Unternehmen, das ich seit Jahrzehnten kenne. Ihre Lautsprecher wie Nautilus oder 801 darf man getrost als Ikonen der Hifi-Geschichte bezeichnen. Der PI3 hat nicht in erster Linie den Sportler im Sinn, sondern den Musikhörer, der auch mit einem tragbaren Kopfhörer sehr hochwertig hören möchte. Und genau das geht mit dem PI3. Auf dem Sofa, im Büro – überall wo es still ist, gibt es mehr Details, ein ausgewogeneres Klangbild als es bei Bluetooth-Hörern Standard ist. Der Hersteller spricht dann von „Hybrid Dual Driver“ – zwei Chassis, vulgo Membranen. Angetrieben von einem im Kopfhörer verbauten Verstärker. In der Hifisprache heißt das: Aktiv, im Gegensatz zu kabelgebundenen Kopfhörern, die mit den Verstärkern des Abspielgeräts auskommen müssen. Der PI3 ist ein Hifi-Gerät, kein Lifestyle-Produkt. Damit lässt sich wirklich gut Musik hören.

Auch wenn man sich bewegt. Im Fitnessstudio vielleicht. Aber nicht, wenn man läuft oder Rad fährt. Dann machen sich die nun hinreichend debattierten Aspekte bemerkbar. Die Stöpsel rutschen irgendwann beim Laufen doch raus, die noch immer recht großen Gehäuse entwickeln durch Fahrtwind so viel Geräusche, dass all die Finesse und Detailreichtum, zu dem der Kopfhörer in der Lage ist, übertönt wird und nicht wirklich zu genießen ist.

Ist das ein guter Kopfhörer für immerhin 200 Euro? Sehr sogar. Er klingt hervorragend, sitzt gut, hat eine sehr ästhetische Gestaltung. Auch die Verkabelung ist vertrauenerweckender und er scheint robust genug, um über viele Jahre ohne Bruch von Kabeln dienlich zu sein. Ist es ein Kopfhörer für Sportler – jein. Für diejenigen, die Kopfhörer für unterwegs in Bahn oder zu Fuß brauchen, die ihn auch mal daheim anschalten und die ihn dann auch zu ihrer wöchentlichen Laufrunde mitnehmen wollen, ist er ziemlich perfekt. Wer seine Kopfhörer fast ausschließlich für bewegungsintensive Sportarten im Freien nutzt, bekommt Alternativen – allerdings nicht die großartige Klangqualität des PI3 in ruhiger Umgebung.

 

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