Warum eine Bestzeit zu laufen leicht fällt. Was ist eigentlich ein erfolgreiches Rennen? Jahresauftakt beim 1. Hülsken Marathon in Wesel.

Zum Zauber des Laufsports gehört für mich die vergleichsweise einfache Formel: Was du reintust, bekommst du heraus. Es gibt kein glückliches Tor in der letzten Minute, kein kleiner Fehler, der dich auf den Ski ins Abseits fahren lässt, kein Wind, der aus deinem Birdie einen Bogey macht. Will heißen – wer viel trainiert (zielgerichtet) erntet in aller Regel auch ein gutes Ergebnis. Mein altes Credo lautet deswegen auch: Die leichtesten Rennen, sind die, in denen ich Bestzeit gelaufen bin. An dem Tag stimmte alles, das beflügelt, das gibt auch unterwegs schon Schwung, das macht Freude. Und sie sind in der Regel das Resultat einer guten Vorbereitung. Vom Himmel fallen die nicht.

Immer rum um den See.

Aber woran machen Menschen wie ich eigentlich ein gutes Ergebnis fest? In der Regel und ich mache da keine Ausnahme, an der absoluten Nettozeit. Wie lange habe ich gebraucht, wann war ich schneller? Auch wenn man wegen des Saisonverlaufs eh weit von der Höchstleistung weg ist, schaut man dann eben doch, wie ist man das vielleicht exakt 12 Monate vorher gelaufen.

Der Jagd nach der besseren Zeit kann auch ich mich nicht verwehren, sie ist die Zahl, die die Mühen belegt. Symptom einer Entwicklung, Indiz für die Richtung, in die sich die Form bewegt.

Dennoch gibt es einen Faktor, den ich schon seit vielen Jahren mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit widme: Der Entwicklung des Rennens, speziell der Herzfrequenz und das gerne gemischt mit der Schrittfrequenz. Im Idealfall bleibt letztere nahezu gleich, wenn überhaupt steigt sie an. Und die Herfzfrequenz macht eine schöne gerade Linie nach oben. Das wird relevanter, je länger der Lauf ist, bei 10km ist er meist rasch oben und steigt entsprechend wenig. Bei Halb- und Marathon aber muss man sich das Rennen eben gut einteilen.

Schneller werden, Herz höher schlagen lassen.

Und das ist mir am ersten Januarwoche gelungen. Ja, die 1:53,49 sind bei weitem nicht das, wo ich mich mal gesehen habe, als alles rund lief. Und der Blick zurück zeigt – im Dezember 2018, also knapp 12 Monate vorher, war am Ende der Norseman-Saison noch eine 1:49 drin. Die amtliche Bestzeit liegt bei 1:35, im Training waren mal die 1:29 drin. (Ich war jung und schnell und hatte die Schuhe.) Kein Grund zum Jubel also angesichts des Zahlenwerks.

Und doch – heidewitzka – ich war selten so zufrieden nach einem Lauf. (Auch, weil ich beim Venloop im Mai 2019 nur mit Hängen und Würgen die 2h unterboten habe). Denn dieser Lauf lief. Ich war mit meinem Freund Michael unterwegs, der derzeit die weit bessere Form hat. Da es vor allem um ein Laufvergnügen ging (wir waren Anfang 2019 auch gemeinsam in Kevelaer losgelaufen, wo er mich deutlich stehen ließ) bat ich um Rücksicht und um ein Anfangstempo, das ICH hoffentlich überleben würde.

Der 1. Hülsken-Marathon am Auesee in Wesel ging bei im Grunde idealen Bedingungen drei Mal um den See. Wenn man die zweite Runde gelaufen hat, ist man doch schon weit gekommen, mental fand ich das ganz schön. Ich war nach der zweiten Runde noch gefühlt ganz gut unterwegs, die gefühlte Zurückhaltung zahlte sich aus, ein sieben Kilometer langes dahinschleppen, ausgelaugt und zermartert, befürchtete ich nicht mehr. Und nahm mir vier Kilometer vorm Ziel noch mal ein Herz. Denn wenn es läuft, dann läuft’s. Das fühlte sich gut, schnell und richtig an. Natürlich anstrengender als zuvor, aber eben auch besser.

HF hoch, Leistung runter – alles richtig gemacht.

Ich war dann überrascht, dass Michael nicht mitging, schaute mich auch zwei mal um, aber er war mit dem konstanten Tempo zufrieden und so zog ich weiter. Meter für Meter etwas schneller, so dass der letzte Kilometer der schnellste war. Im Ergebnis ergab das den negativen Split, der gute Läufe ebenfalls auszeichnet. Die zweite Hälfte schneller als die erste zu laufen, ist nichts, worauf man pokern kann. Aber wenn es klappt, beflügelt das. Man merkt es ja.

Und da war ich dann trotz der absoluten Zeit, die nicht so berauschend ist, sehr sehr zufrieden. Unerwartet für mich, konnte ich gestiegene Zahl an Trainingskilometern gen Ende des Jahres ummünzen in einen progressiven Lauf, in dem ich aus der an diesem Tag möglichen Leistung vermutlich alles rausgeholt habe. Vielleicht hätten wir einen winzigen Tacken schneller loslaufen können – geschenkt.

Und dieser Erfolg zeigt sich dann eben auch nicht in der Platzierung (162. von 354 – 420 Starter – und 23. von 35 in meiner AK – das ging schon deutlich besser), sondern in der Auswertung meiner Laufdaten. Was sich gut angefühlt hatte, wurde bestätigt. Kontinuität, Konstanz – und Kraft für einen längeren Endspurt – die Herzfrequenz zeigt eine nahezu perfekte Linie aufwärts. Und darin unterscheidet sie sich nicht von den Halbmarathons, in denen ich deutlich schneller unterwegs war.

Wir sind Hobbysportler, keine Profis – man muss sich das immer wieder selbst sagen. Es KANN für mich nur darum gehen, in der jeweiligen Situation das Beste zu erreichen. Egal, wo ich gerade stehe. Das ist mir gelungen und ich sage es, wie ich es empfand: Das hat mir sehr gut getan.

Und mit mehr Training, kann ich dann ja auch wieder schneller laufen.


Danke nochmal an Michael fürs Fragen, ob ich mitkomme, zusammenlaufen und viel Spaß dabei haben!

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