„Anything is possible“ – Schwachsinn. Aber was andere können, kann auch ich. Und damit Sie.

Es schien unvorstellbar. Fast vier Kilometer Schwimmen – was ich bis zum Juli 2011 trotz zehn Jahre Mitgliedschaft im Schwimmverein nie am Stück getan hatte – dann noch 180 Kilometer Radfahren und überhaupt – Marathon!!! 42km!!! Wer ist so irre? Das ist nun alles etwa acht Jahre her, dass ich nach meiner ersten Olympischen Distanz den Entschluss fasste, herausfinden zu wollen. 2 Jahre später war es soweit. Seitdem sind zehn Langdistanzen vergangen. Aber ich kann mich noch daran erinnern, an diesen Unglauben, dass das geht. Dass das jemand schaffen kann. Dass ICH das schaffen kann.

Die inzwischen zu einem chinesischen Unternehmen gehörende Marke „Ironman“ hat den Langdistanztriathlon nicht nur kommerzialisiert, sondern damit auch die Möglichkeit geschaffen, dass jeder, der das mal probieren möchte, eine reelle Chance hat. Vor zehn, gar zwanzig Jahren hätte man schon lange suchen müssen.

Ähnliches gilt für lange Läufe wie zum Beispiel den Röntgenlauf in Remscheid, den es auch noch keine 20 Jahre gibt. Die Herausforderung einer extrem langen Distanz ist kein so altes Geschäft, Marathon war vor nicht allzu langer Zeit etwas für Sonderlinge. Heute ist es zwar kein Volkssport, denn im Gegenteil, die Gesamtzahl der Finisher sinkt, aber es versuchen sich daran doch viele Menschen.

Ironman hat einen Slogan, der an die Träume, Wünsche appelliert: „Anything is possible.“ Alles ist möglich.

Wie bei allen banalen Verknappungen von Motivationssprüchen steckt natürlich auch in diesem eine richtige, vernünftige Wahrheit. Wir können alle viel mehr, als wir uns zutrauen. Denn in der Regel ist nicht unser Körper die Limitierung, sondern der Wunsch, etwas wirklich konsequent zu verfolgen.

In den Motivations-Guru-Fibeln steht sinngemäß auch immer, dass alles möglich ist. „Anything is possible“. Das ist Schwachsinn. Es ist falsch, es ist gelogen, es stimmt einfach nicht. Aus mir wird kein Olympiasieger mehr, nicht mal einen kleinen Volkslauf würde ich gewinnen, es sind immer Sportler da, die mich auf einem Bein überholen würden. Der in der Jugend antrainierte Vorsprung ist kaum aufzuholen.

Für mich weckt dieses „Alles ist möglich“ allzu hohe Erwartungen. Und beim nächsten Schritt wird diese Haltung auch auf das normale Leben übertragen. Alles ist möglich – du musst es nur wollen. Grober Unfug – es gibt im Leben eines jeden Menschen vernünftige gute Gründe, warum eben nicht alles geht – außer man gibt alles auf für das eine Ziel.

Seit vielen Jahren schon setze ich dem mein eigenes kleines, hartnäckiges, störrisches Motto entgegen. Es klingt nicht so reißerisch, es ist auch zu lang, aber mir hilft es, mich neuen interessanten Herausforderungen zu stellen – und auch im echten Leben die ein oder andere Hürde zu nehmen. Mein Motto ist eine Frage: „Andere Menschen haben das geschafft. Warum soll ich das nicht können?“

Das beschränkt meine Unternehmungen natürlich sofort auf Dinge, die andere vor mir ausprobiert haben, Pionier wird man so nicht. Aber ganz schön weit kommen in dem ein oder anderen Thema kann man schon. Andere Menschen backen ihr Brot selbst – warum soll ich das nicht können? Andere Menschen sind 100 Kilometer gelaufen – warum soll ich das nicht können?

Mir nimmt das die Angst – ich gehe nur dorthin, wo andere schon lange waren. Und zurückkamen. Und ich wette, bei so gut wie keinem einzigen Menschen ging das mal flott so nebenbei, wenn es sich um eine etwas schwierigere Herausforderung handelte.

Es gibt Quallen mit Nesseln im schottischen Loch, wo ich gerne mal beim Celtman starten würde. Es gibt mit 2400 Metern Höhe einen anscheinend unbezwingbaren Pass beim Swissman, den ich gerne mal mitmachen würde. Es gab 100km beim Röntgenlauf, die mir selbst im Auto weit vorkommen – und mal auf dem Rad weit vorkamen. Aber es gibt Menschen, die das gemacht haben und ich sehe nicht ein, warum ich das nicht auch können sollte.

Was spricht dagegen, das man etwas schafft? Ich spreche nicht von ernsten körperlichen Einschränkungen – wir sind keine Fabelwesen. Aber im Rahmen der gewöhnlichen Gründe, die gegen etwas sprechen, sind wir alle in der Lage, das meiste zu überwinden – und andere haben das getan. Jeder von denen, die sich mit Hindernissen auseinandersetzen mussten, fand einen Weg sie zu umgehen. Auch ich habe die klassischen Hindernisse umgangen – Beruf, Familie: Zeit.

Vermutlich habe ich auf meinem eigenen Weg das meiste falsch gemacht aus rein sportlicher Sicht – aber jeder führt ein anderes Leben. Kein Weg ist der einzig richtige. Und die klassischen Motivationsgesetze gelten – es braucht eine Vision, dann ein Ziel, den Willen, die Disziplin – ohne wird es nicht gehen.

Wenn ich heute lese oder Menschen mich fragen, ob sie etwas scheinbar sportlich Unerreichbares versuchen sollen, dann rate ich immer, es zu tun. Was soll passieren? Was kann wirklich schief gehen? Was kannst du verlieren, wenn du dir denkst: Andere können das, was unterscheidet mich von der Menge an Menschen? Vermutlich wenig.

Es gibt große Träume, es gibt vermutlich unerreichbare Träume. Bis dahin ist aber mit einem störrischen „Wenn die das können, warum soll ich das nicht können?“ eine Menge Luft. Es muss nicht alles möglich sein – es reicht, wenn Außergewöhnliches möglich wird. Sie können das auch.

 

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Alle Kommentare [2]

  1. Ich finde Ihren Beitrag wirklich ermutigend, Dinge einfach zu tun und nicht einfach nur immer darüber nachzudenken. Es gibt einige sportliche Herausforderungen, denen ich mich gerne stellen würde und mich bislang einfach nicht überwinden konnte. Aber Ihr Beitrag macht Mut und dafür danke ich Ihnen!

  2. Zunächst einmal haben Sie meinen Respekt, dass sie die anfangs erwähnte sportliche Herausforderung tatsächlich geschafft haben. Ich kenne auch Momente aus meinem Leben, wo ich selbst über meine sportliche Ausdauer gestaunt habe. Aber vieles was man im Leben so angeboten bekommt, ist Betrug. So auch der Satz, dass „alles möglich“ sei. Da stimme ich Ihnen zu. Auch ich werde niemals in einer Sportart einen neuen Rekord aufstellen. Dennoch sollte sich Menschen mit zu vielen Kilos Ihren Artikel zum Vorbild nehmen, um über ihre mental selbst geschaffene sportliche Grenze hinaus zu gehen und sich ähnlich über die Erfolge zu freuen wie wir.