Der lange harte Weg nach Hawaii. Führt über Klagenfurt.

Um all die Witzchen rund um Hawaii gleich zu Beginn abzuhaken. Bier kann ich zuhause trinken. Und ich habe mit Paul Kuhn auf der Bühne musiziert – das Stück haben wir nicht gespielt.

Ironman ist kein Bällebad? In Klagenfurt gibt’s eins. Und Bier.

Ich will nach Hawaii. Nicht für Urlaub – zu weit weg. Ich will da hin, weil Hawaii das Wimbledon des Triathlons ist. Hier wurde der Ironman geboren, eine Schnapsidee. Es ist gerade mal knapp 40 Jahre her, dass ein paar Verrückte rausfinden wollten, wer eigentlich sportlicher sei, der Schwimmer, der Radler oder der Läufer und dafür drei örtliche Rennen in einer privaten Aktion aneinanderreihten. So weit die Historie.

Ich habe 2011 mit einer der Abwandlungen, der sogenannten Olympischen Distanz, meine ersten vollständigen Triathlonschritte gemacht (ein sehr sehr kurzes Intermezzo gab es schon in der Schulzeit, ich schrieb darüber schon, finde es aber gerade nicht…). Und klar – ich wusste, dass Triathlon eigentlich Ironman ist. Ironman, die lange Distanz. Die Verwirrungen rund um Ironman und Marke und Langdistanz als Oberbegriff für 226 Meilen oder 3,8/180/42 erspare ich uns allen mal für den Moment. Fakt ist: Triathlon ist Ironman ist Hawaii ist Kona.

In den Ironman hineinfeiern. Fällt flach oder besser: Wird aufs Frühstück verschoben.

Jährlich im Oktober trifft sich dort die Weltelite der Profis und – das darf man so sagen – auch ein guter Teil der Weltelite der Amateure aus allen Altersklassen. Denn wer sich einen Startplatz verdient hat, war schnell. Sehr schnell. Viel schneller als ich es je sein werde. Dort kommt der Sport her, auf diesen Strecken wurde er erstmals ausgetragen – ich selber würde mir irgendwie unvollkommen vorkommen, wenn ich nicht wenigstens davon träumen würde, dort einmal zu starten.

Schnell genug werde ich dafür nie sein. Eine direkte Qualifikation als einer der schnellsten meiner Altersklasse – da fehlt einfach zu viel von allem, vor allem aber an der nötigen Konsequenz alles, aber auch wirklich alles diesem Ziel unterzuordnen. Nun gibt es das so genannte Legacy-Programm, das im Grunde nichts weiter heißt, als das besonders sture und treue Triathleten mit 12 absolvierten Ironman-Rennen (nicht 12 Langdistanzen, es müssen Ironman-Rennen sein) eine Chance auf einen Platz in Kona haben. Wie genau das Verfahren ist, weiß ich momentan nicht, ich bin erst bei Ironman #7. Es fehlen also fünf. Einer kommt noch im September in Tenby, der IM Wales. Das wäre #8, wenn nichts schief geht.

Und schief gehen kann immer was. Das zeigt das Beispiel Ironman Klagenfurt, den ich dieses Jahr zum sechsten Mal gemacht habe. Seit 2013 melde ich mich im Grunde noch vor Ort für die Auflage im kommenden Jahr an. So auch dieses Jahr. Ich zahle brav die Startgebühr ein Jahr vor dem Wettbewerb – obwohl ich im Grunde nicht mal sicher sein kann, ob ich dann überhaupt noch lebe. Das ist nötig, der Wettbewerb ist irgendwann ausverkauft, eine kurzfristige Anmeldung ist nicht möglich. Der Wettbewerb am Wörthersee ist aber wunderschön und zählt allein wegen des Schwimmens zu den schönsten Rennen.

Mein erstes Non-Wetsuit-Rennen! Bis auf Hamburg 2011. Da besaß ich keinen.

In der Rückschau mit all den Problemen und Sorgen, die das normale Leben so im Angebot hat, ist es dann schon fast ein Wunder, dass ich a) sechs Mal überhaupt vor Ort war b) nichts gravierendes unterwegs schief ging (Sturz, irreparabler Defekt) und ich c) auch immer noch durchgehalten habe.

Durchhalten war dies Jahr ganz besonders wichtig. Es war mein schlechtestes Rennen dort überhaupt, mit einer Gesamtzeit von 12 Stunden und 49 Minuten. 2018 war ich mit 11 Stunden 25 Minuten nicht nur ein wenig, sondern deutlich schneller. War es deswegen auch „schlechtestes“ Rennen, im Sinne von Freude oder Spaß? Ganz im Gegenteil. Wenn ich zurückblicke, war es wohl 2016 oder 2017, wo mir so ein wenig der Antrieb fehlte und ich das Rennen – in einer deutlich besseren Zeit – mehr oder minder solide abspulte. Man darf das auch Motivationsmangel nennen, das würde ich akzeptieren. Man weiß bei der Anmeldung ein Jahr zuvor ja nicht, ob man 12 Monate später nicht vielleicht ganz andere Dinge im Kopf hat.

Man muss ihn lieben. Den See.

Dies Jahr war ganz anders. Das hing zum einen damit zusammen, dass ich einen Tag vorher meinen 50. Geburtstag hatte – und die Entscheidung überhaupt in Klagenfurt wieder zu starten, wenn man sich damit ganz sicher eine große Sause verbaut, sorgfältig geprüft wurde. Es war ein klein wenig ein „Feier-Rennen“ in der neuen Altersklasse. (2020 fällt mein Geburtstag dank des Schaltjahrs leider wieder nicht auf den Tag des Rennens, sondern auf den danach. Ärgerlich.)

Zudem ist 2019 so viel passiert, dass es fast egal war, wie lange ich brauchen würde. Dass es LANGE brauchen würde, war vorher klar. Fehlendes Training ist nicht zu ersetzen, Triathlon ist nicht Fußball, wo man auch mal mit einem Glückstreffer ein ganzes Spiel drehen kann.

Wenn ich ganz konservativ plane, hätte ich mit einem Ironman pro Jahr 2023 die nötigen 12 Ironman-Finishs zusammen. Ich habe weder eine Ahnung, ob ich den Sport dann noch ausüben kann/will oder ob es das Legacy-Programm überhaupt noch gibt.

Das ist auch allein wegen der Startgebühren keine ganz preiswerte Quälerei. 580 Euro kostet die Teilnahme 2020 in Klagenfurt. Vier weitere Rennen in den Kommenden Jahren summieren sich also auf gute zweieinhalbtausend Euro. Um dann im besten Falle etwa 1000 Euro für die Teilnahme in Kona bezahlen zu DÜRFEN.

Auch wenn es mal nicht so läuft: Nächstes Jahr simma natürlich wieder dabei.

Das alles sind die Kosten ohne Anreise und Unterkunft und vermutlich auch dem ein oder anderen Teil (Schwimmbrille 30 Euro zB.), die dann noch obendrauf kämen. Nun bin ich kein Krösus, man spart es sich halt zusammen. Man bekommt ja auch was dafür. Ein Jahr Zittern, Bangen und Hoffen, ob auch alles gut gehen wird an Tag X. Oder ob nicht doch ein Unwetter vom Aufstieg zum Rupertiberg und den Großteil der abschließenden 20-25 Kilometer Abfahrt, dazwischenfunkt. Besser – blitzt. In Klagenfurt kamen Wasser, Wind, Hagel, Donner und Blitze zeitgleich runter und nach einem kurzen Moment unter einem Baum fuhr ich dann unter dem Geräusch von Körnern auf dem Helm doch weiter.

Klar, clever ist anders, aber man hofft natürlich, dass der Blitz sich hohe Bäume, nicht den Radler mit dem Rahmen aus Carbon oder wenn schon, dann doch vielleicht den vor einem aussucht. Heim musste man ja eh. Es galt schließlich noch den Marathon zu beenden. Ohne Finish, kein Häckchen auf der Fleißliste für Kona.

Es wäre übrigens ein Irrtum, anzunehmen, ich plante nur noch Teilnahmen, um die Summe vollzubekommen. Die Tage in Klagenfurt sind stets auch Erholung, Natur, gutes Essen – das ist einfach auch Urlaub. Ich möchte aber auch noch andere Strecken kennen lernen und verdoppele deswegen auch dieses Jahr und sicherlich kommendes Jahr auf zwei Ironman-Rennen – plus ditt und datt…. Es gibt ja so viele schöne Rennen, nicht.

Und sportliche Ziele. Eines, das ich noch nicht aufgegeben habe, ist es, den Marathon innerhalb einer Langdistanz in unter vier Stunden zu laufen. Das ist mir ausgerechnet bei der ersten LD in Hannover 2013 fast gelungen. Hätte ich nicht hinterm Busch angehalten, wäre es auch so weit gewesen. Es war mir damals egal. Da der Kurs in Hannover recht flach ist, habe ich für 2020 einfach dort erneut gemeldet. Für schlanke 96,96 Euro. Der Preis ist kleiner Gag, der sogar mir Fußballmuffel nicht entgangen ist.

Weitere gute Gründe für Klagenfurt!

In Tenby jetzt im September wird das wegen des anspruchsvollen Radkurs sicher nichts werden mit der sub4 – zumal angesichts meiner lausigen Laufform. Macht aber nichts, ich bin sehr gespannt auf meine erste Langdistanz mit Schwimmen im Meer. Mit nun exakt fünfzig Jahren werde ich zwar sicher nicht mehr die ganz großen Bäume ausreißen können, aber auf dem langen sturen Weg nach Kona werden alle Wettbewerbe in sich eine oder mehrere Herausforderungen haben, die mir Freude bereiten.

So war es in Klagenfurt dieses Mal mein erster Wettbewerb ohne Neo. Das Wasser war zu warm. Und üblicherweise denke ich im Wettbewerb:  „Boah, wann darf ich endlich aufs Rad? Wann darf ich endlich laufen? Wann ist das endlich zuende?“ Nicht so dieses Jahr – in Badehose war ich zwar langsamer als mit Neo – aber immer noch schneller als viele Triathleten, die vor nichts mehr Angst haben als Neoverbot. Er hilft mir, aber ich brauche ihn nicht. Es war also ein ganz wunderbarer Morgen im Wasser des Wörthersees und ich wäre glatt noch weiter geschwommen.

Und so mache ich das mit den Teilnahmen in den kommenden Jahren. Nach 10 erfolgreich absolvierten Langdistanzen weiß ich, dass ich ankommen kann, wenn nichts dramatisches passiert. Und sicher auch irgendwann auf dem Ali’i-Drive in Kona. Auch wenn es noch dauert. Ausdauer ist schließlich Voraussetzung für einen Ironman.

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Alle Kommentare [2]

  1. Hallo Mark, danke! Das mit Mathe ist nicht meine Welt! Habs beides geändert.

  2. Drücke Dir die Daumen, dass Hawaii irgendwann mal klappt!
    Möchte trotzdem etwas klugscheißen: Die Ursprünge des Triathlon liegen in Kalifornien (bzw. streng genommen in Frankreich, doch das ist schon gut 100 Jahre her, das ist dann irgendwann in Vergessenheit geraten). Und: Dein Geburtstag ist 2020 nicht eine Tag vor, sondern einen Tag nach dem IM Klagenfurt.
    Viele Grüße
    Mark