Test Laufuhr Epson SF-810

Es war abzusehen. Wann immer das Wort „Epson“ fällt im Zusammenhang mit der Laufuhr SF-810, kommt der ein oder andere Scherz, ob man da die Tintenpatrone nachfüllen muss oder ob die auch Einzelblatteinzug kann. Epson – die machen Drucker. Stimmt auch, ist aber nicht die ganze Geschichte. Ja, Epson macht eine Laufuhr.

Epson SF-810 im Test.

Epson SF-810 im Test.

Das liegt daran, dass der Konzern wesentliche Bestandteile solcher Uhren in seinem Konzern produziert und andere Unternehmen dort zukaufen. Warum also auch nicht selber eine auf den Markt bringen?

Die Antwort klingt harsch: Weil es andere einfach besser können.

Die Epson SF-810 ist von der Papierform auf der Höhe der Zeit. Sie besitzt eine Herzfrequenzmessung am Handgelenk, sie fungiert als Schrittzähler und in der Datenbank Runsense lassen sich Körperdaten eintragen. Sie zählt die Schritte im Laufe des Tages und besitzt selbstverständlich ein GPS-Modul und kommuniziert via Bluetooth mit der App fürs Smartphone.

Das ist für einen Verkaufspreis von offiziell 350€ aber inzwischen eher 240€ mit etwas Willen, Google zu bemühen, marktgerecht. Kein Schnäppchen, kein überteuertes Produkt.

Ich atme mal tief durch: Sie ist nur keine gute Uhr. Die Zahl der Kleinigkeiten, die ich in den vergangenen Wochen notiert habe an Ärgerlichkeiten und Mängeln addieren sich zu einem: Kann ich eigentlich niemandem so recht empfehlen.

Gut, die Menüführung an der Uhr hat mich in den Wahnsinn getrieben, aber das wäre noch Gewöhnung. Die vier Tasten sind mit einer anderen Logik versehen als die meisten anderen Uhren. Das würde jemanden, der sich nur mit der Epson beschäftigt aber binnen Tagen nicht weiter irritieren. Der „Zurück-Button“ löst nur nicht immer Zurück aus, sondern erfordert hin und wieder, dass man zunächst mit Hoch- und Runtertasten das Feld „Zurück“ auswählt. Kann man lernen, geht sicher irgendwann in Fleisch und Blut über. Erschließt sich mir dennoch nicht, warum das nicht anders zu lösen war.

Die GPS-Genauigkeit gibt nicht geringsten Grund zur Klage. Da gibt es keinen Ausreißer im Vergleich zu parallel gelaufenen Modellen.

Die GPS-Suche hingegen war in ausnahmslos allen Fällen weit hinter dem, was heute möglich ist. Sie findet die Satelliten ungefähr so schnell wie meine alte 910xt, die mehrere Jahre auf dem Buckel hat. Und viel schwerwiegender: In ausnahmlos allen Fällen mit Fehlermeldung. Erst nach dem Befehl „Fortfahren“, fand sie die Satelliten, das dann wiederum recht schnell.

Die Herzfrequenzmessung am Arm hat ihre Tücken. Viele halten sie für ungenau. Ich selber habe nach Versuchen mit Applewatch, Garmin 225/235, Polar A360 und TomTom Cardionrunner eigentlich keinen Anlass grundsätzlich diese Art der Herzfrequenzmessung für untauglich zu halten.

Die Epson aber schoss bei den ersten Läufen dann aber doch weit am Ziel vorbei mit irrwitzigen Sprüngen und absurden Maximalwerten. Und die Ausschläge erstreckten sich über mehr als 10 Läufe auf Distanzen zwischen 10 und 40 Kilometern. Obwohl ich jeweils eine weiter Uhr mit konventionellem Brustgurt zur Kontrolle dabei hatte: Auch ohne diesen Gegencheck zeigen die Charts Ausschläge auf, die einfach nicht sein können. Das muss ich einfach als mangelhaft einschätzen. Und damit bei einer der Kernanforderungen einfach als nicht empfehlenswert. Es ist der zentrale Kritikpunkt, der alle anderen an Wichtigkeit übertrifft.

hochladen

Das Hochladen via Dockingstation läuft schnell und reibungslos.

Um die Genauigkeit zu erhöhen, habe ich die Uhr noch fester angelegt. Was nach der Einheit zu recht eindrücklichen Ergebnissen führte. In der Haut. Ein Garant für gleichmäßigere Aufzeichnung war jedoch auch das nicht.

Und wenn es nicht läuft, dann läuft es auch richtig nicht. Das Display ist schlechter abzulesen als andere, das Armband eine Spur zu schmal für meinen Geschmack und das Portal Runsense hielt auch noch Aufforderungen zur Aktualisierung der Software bereit, die aber schon die neueste war. Man verliert die Lust. Und läuft noch eine Einheit und noch eine Einheit, um sicher zu sein, dass man nicht einen großen Fehler macht.

Es ist ein wenig betrüblich. Wettbewerb ist gut, mehr Anbieter fördern den Wettstreit um das beste Produkt. Lieber wäre es mir gewesen, voller Begeisterung mich nicht entscheiden zu können. Aber die Epson SF-810 bietet mir leider nicht ausreichend gute Gründe, sie zu empfehlen.

 

 

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Alle Kommentare [4]

  1. Das größte Problem der Uhr sind meiner Meinung nach die Erwartungen. Epson hat die Uhr als Konkurrent angekündigt, dass alles wunderbar funktioniere, insbesondere die Herzfrequenz.
    Insgesamt finde ich die Uhr schon gut, nur durch die Erwartungen ist man eben massiv enttäuscht. Mal sehen, wie ich das im Testbericht unterbringe und wie sich Epson weiter entwickelt.

    Viele Grüße bis dahin
    Markus
    laufen hilft!

  2. Ich komme zu exakt der gleichen Einschätzung wie Du. In der Preiskategorie gibt es einfach so viel ausgereiftere Produkte.
    Muss mal noch die Programmierbarkeit testen. Das hatte ich die Woche vor.

  3. @julian Das hätte man machen können, ja. Aber ich bin schon der Ansicht, dass ein Produkt so wie es ist, funktionieren sollte. Es war ja zudem nicht nur langsam, sondern gab eine Fehlermeldung aus. Die Suchzeit ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Wenn der normale Modus nicht gut genug ist – dann ist da für mein Dafürhalten etwas schief gelaufen.

  4. Probiert doch einmal AGPS aus, Das beschleunigt die Suche nach den Satelliten ungemein.

    Damit hättest du zwar immer noch die Probleme mit den Eindrücken am Handgelenk, könntest aber wenigstens früher starten.