Ein Hobbysportler ist bei einem Wettkampf gestorben. Kann man daraus etwas lernen, muss man gar?

Es gibt keine traurigere Nachricht im Zusammenhang mit dem Ironman Frankfurt als die vom Tod eines Teilnehmers. Der (40jährige Australier – diese Info auf Basis des inzwischen gelöschten Artikels in der FNP ist wohl falsch) 30jährige Brite brach zusammen, wurde ins Krankenhaus eingeliefert und notoperiert. Die nachrichtlichen Hintergründe dazu hier: https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/ironman-teilnehmer-stirbt-an-hirnschwellung-13692450.html

Die Berichterstattung im Zusammenhang mit seinem Tod verweist auf das Phänomen, dass Leitungswasser bei starken sportlichen Belastungen den Körper eher schädigt, als ihm hilft. Die außergewöhnliche Hitze in Frankfurt am Sonntag hat das beschleunigt. Hyponatriämie ist das medizinische Fachwort. Sie kann auftreten, wann immer ein Mensch durch Schwitzen zu viel Salz verliert und nicht genügend nachfüllt. Dabei ist Trinken von reinem Wasser kontraproduktiv. Die Zufuhr von Salz als Tabletten gilt als üblich. Ob das im Falle dieses Athleten so war, ist mir nicht bekannt, die Todesursache aber ist laut des Leiter des ärztlichen Rettungsdienstes beim Frankfurter Gesundheitsamt zu „99% ein Hirnödem“. Das wiese auf dieses Phänomen hin.

Die Quote der Athleten, die behandelt wurden und die das Rennen aufgaben, war signifikant höher als im Vorjahr. Die allermeisten sind mit einem Schrecken davongekommen. Und es wird immer Todesfälle bei Hobbywettbewerben geben. Sowohl bei Volksläufen über 10 Kilometer als auch Business-Runs ist es zu Todesfällen gekommen. Die Belastung bei einem Ironman ist sicher eine ganz andere als bei einem 10km-Lauf. Ein Marathon ist ebenfalls etwas ganz eigenes.

Es eint sicher alle Fälle, dass Athleten an ihre Grenzen und eben leider auch darüber hinaus gehen. Diese Grenzen liegen bei jedem woanders. Kennen kann sie nur jeder selbst. Kein Veranstalter der Welt ist in der Lage, einem Teilnehmer anzusehen, ob er kurz vorm dehydrieren oder kurz vorm Kreislaufkollaps ist. Das kann – im besten Falle – der Athlet nur selber erspüren, erahnen. Die Linie zwischen gewaltiger Anstrengung, die man überwinden will und der, wo der Körper schon lange ruft: „Notfall“, ist sicher sehr fein.

Deswegen sind gute Tipps in meinen Augen nicht nur schwierig, sondern mit großer Vorsicht zu genießen. Die verkürzte Schlussfolgerung, zu viel Wasser zu trinken sei schädlich, ist ihrerseits dann gefährlich, wenn Athleten nun beginnen, trotz Durst und Schwitzen auf das Trinken zu verzichten.

Viel mehr kann ich an dieser Stelle nur jeden bitten, der sich mit einem Unterfangen beschäftigt, das ihn oder sie aus dem jeweiligen Stand an eine Grenze bringt, damit auseinanderzusetzen, was im Körper während einer großen Belastung passiert.

Die Phänomene sind bekannt. Zu einer gründlichen Vorbereitung gehört meines Erachtens nicht nur ein guter Trainingsplan, sondern auch ein wenig Theorie zu dem, was im Körper passiert. Ich empfehle hier gerne die Trainingsfibel für Triathleten von Joe Friel. Sie geht in alle Details und ist zwar ein dicker Schinken, aber wer sich für das Thema Langdistanz/Ironman interessiert, sollte auch diese Zeit finden.

Denn je größer die Belastung, je größer die Herausforderung, desto wichtiger die Verantwortung, die jeder für sich selber trägt. Die Signale empfängt der Athlet zunächst selbst. Nicht darauf zu hören, ist riskant. Sie mit Willenskraft zu übertrumpfen kann gefährlich sein. Doch die Signale deuten kann nur der, der ein Mindestmaß an Verständnis für das hat, was in ihm passiert, wenn er seinen Körper so belastet.

Mehr als diesen Hinweis vermag ich nicht zu geben.

Mein Beileid gehört der Familie und den Freunden des Athleten.

https://www.ebook.de/de/product/21515085/joe_friel_die_trainingsbibel_fuer_triathleten.html?searchId=532830340

 

 

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Alle Kommentare [2]

  1. @sandra Ich weiß es nicht. Ich bin wohl naiv genug zu hoffen, dass diejenigen, die beim Ironman am Start stehen, das selber einschätzen können. Und es ist ja möglich. Viel langsamer, das sagen die Veranstalter auch deutlich. Kein Tag für Bestzeiten. Und Kona ist ja auch nicht kühl. Und ich selber wäre, wenn ich diese Bedingungen hätte und ihnen Rechnung tragen würde, sicher sehr angefressen. Sagen wir so: Ich bin froh, dass ich das nicht entscheiden muss.

  2. Ich stimme Dir im Beileid für die Familie und Freunde des verstorbenen Athleten, sowie in der Einschätzung, dass jeder Athlet auf seinen Körper hören sollte, zu. Deinen Worten möchte ich aber auch anfügen, dass Veranstalter eine Mitverantwortung für das gesundheitliche Wohl der Sportler haben. Kommt das Ärtzeteam vor Ort zum Schluss, dass das Wetter („außergewöhnliche Hitze“) eine Gesundheitsgefahr für die Athleten darstellt, sollte das Event abgebrochen werden.