Wetter. Schlechtes Wetter. Mieses Wetter. Scheißwetter. Laufwetter.

Die beliebtesten und schönsten Wege entlang der hiesigen Flüsse hat man selten zum Laufen allein. Außer bei Platzregen. Wenn gefühlt 50 Liter pro Quadratmeter binnen 30 Minuten vom Himmel prasseln, dann verstecken sich selbst die härtesten Spaziergänger lieber unter einer Eisenbahnbrücke. Klar, die Stoffhosen sollen nicht nass, die Straßenschuhe nicht durchtränkt werden.

Das ist mein Moment: Endlich Platz zum Laufen.

Bei blauem Himmel macht es jedem Spaß. Bei grauem nur den Kennern.

Bei blauem Himmel macht es jedem Spaß. Bei grauem nur den Kennern.

Regen ist belebend. Nebel ist atmosphärisch. Pfützen wecken das Kind im Mensch. Kühle Luft ist frisch. Dämmerung ist romantisch.

Es gibt kein schlechtes Laufwetter. Sprechen wir gemeinsam: Es gibt kein schlechtes Laufwetter.

Es gibt kein schlechtes Laufwetter. Sehr ungern möchte ich an dieser Stelle Zeilen schinden mit dem Mantra. Aber: Es gibt kein schlechtes Laufwetter. Auch auf die Gefahr hin, dass sich beim Lesen dieses Blogbeitrags ein gewisses „Seitenbacher“-Gefühl einstellt – Es gibt kein schlechtes Laufwetter.

Nachdem wir uns nun also alle einig sind, schwärme ich nun noch ein wenig davon, warum es so schön ist, bei Wind und Wetter (das als Laufwetter nie schlecht ist!) rauszugehen und eine Stunde zu laufen. Und gebe aus meiner Sicht ein paar kleine Tipps.

Eine halbe Stunde ist vor allem bei  Regen: zu kurz. Da ist es für mich tatsächlich kaum lohnenswert, das Shirt, die lange Hose, im Herbst nun die Laufmütze und vielleicht sogar dünne Handschuhe anzuziehen. Die Rüstzeit steht in keinem Verhältnis zur Laufzeit. Erst aber wenn die Klamotten so durchgenässt sind, dass es keinen Unterschied mehr macht, ob sie krachend durch die Pfütze laufen, beginnt der Spaß. Dann aber so richtig. Wenn alles egal ist, dann ist eine eigentlich unerwünschte Situation oft schon wieder wunderbar. Wenn das Wasser durchs Gesicht läuft, die Schuhe schmatzen mit jedem Schritt und kein Schweiß mehr stört, dann ist der Regenlauf herrlich. Wann ist einem schon mal alles so herrlich egal und es macht keinen Unterschied?

Im Nebel ist es ein wenig Glückssache. Ist es Tiefnebel durch einen Fluss, der durch ein wenig Morgensonne durchbrochen wird? Dann ist kaum etwas so idyllisch wie eben genau jene Atmosphäre, die sich über einem Feld oder den Bäumen zusammenmischt und die all jenen entgeht, die im Auto sitzen. Selbst in der Dunkelheit ist das Lichtspiel von Straßenlaternen oder Rücklichtern im dichten Nebel gleichzeitig berückend schön wie auch angenehm gespenstisch.

Es ist Januar und kalt? Mütze auf und raus. Sonst verpasst man was.

Es ist Januar und kalt? Mütze auf und raus. Sonst verpasst man was.

Schnee? Was kann es schöneres geben als durch frischen Schnee am frühen Morgen zu laufen, wo noch kein Schuh Abdrücke hinterlassen hat? Jeder Schritt ist man Erster. Die Geräusche legen sich, alles ist viel stiller und der Läufer knarzt seinen Weg durch die Gegend. Klar, wenn der Schnee hoch liegt, dann ist es beschwerlich und ständig nasskalt im Schuh – aber auch einzigartig. Ab 50 Zentimeter Neuschnee – das räume ich ein – ist eine Alternativeinheit mit Schneeschippen vielleicht doch sinnvoller.

Ich liebe schlechtes Wetter, denn bei gutem kann es jeder. Die allermeisten Hobbyläufer aber versäumen die besonderen Momente, die einem nur das Laufen in schlechtem Wetter geben kann. Mit dem Fahrrad geht das nicht. Selten habe ich mehr abgefrorene Gliedmaßen gehabt als in Trainingseinheiten um 5 Grad Celsius auf dem Rad – so sehr fror ich noch nicht mal bei der Recherche zur Olivenölernte auf Kreta im Januar in einer unbeheizten Ferienwohnung mit Steinfußboden. DAS war kalt. Und unangenehm. Beim Laufen am frühen Morgen mit –5 Grad Celsius? Wird einem recht rasch warm. Und bleibt es auch.

Denn nichts heizt einen so sehr auf wie die eigene Bewegung. Die produziert Wärme und zwar reichlich. Wer sich unter den richtigen Bedingungen bewegt, dampft wie eine Lokomotive. Zu warm anziehen ist deswegen auch gar nicht nötig. Langes Trikot und wärmende Laufjacke reichen in fast allen Fällen. Und auch die Füße: Sie frieren nie. Denn sie sind am Schuften. Allein Ohren und Hände – da schütze ich mich umfassend, habe aber auch schon oft genug eine Laufrunde mit Handschuhen IN statt ÜBER den Händen beendet. Denn auch die werden mit warm. Wer noch nie in Temperaturen unter 10 Grad Celsius gelaufen ist: Nur zu, es wird nicht kalt.

Ich wollte diesen Blog noch länger und noch ausführlicher schreiben. Ich hatte gedacht, ich gehe alle Argumente durch, die gegen Laufen bei vermeintlich schlechtem Wetter (dass es so für Läufer ja gar nicht gibt, siehe oben) sprechen. Mehr fielen mir aber gar nicht ein.

Haben Sie noch eines? Schreiben Sie es in den Kommentaren. Ich werde es entkräften so gut es geht.

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Alle Kommentare [6]

  1. Hallo Thorsten,

    klasse Artikel!

    Gerade heute morgen dachte ich mir: „Boah, warum tue ich mir das an bei dem Schneeregen früh morgens laufen zu gehen“ 😀 Doch der „Schweinehund“ wurde dann zurück gewiesen und wie immer war es eine super Entscheidung mir die Laufschuhe zu schnappen und meinen Morgensport durch zu ziehen 🙂

  2. Ich bin selbst bei Eis und Schnee auf der Tartanbahn gelaufen (in kurzen Hosen, aber mit 3 Pullovern und Mütze). Die Ruhe ist unbeschreiblich.

  3. @matthias @anetteundiwan ist so, wie ihr sagt: die bonuspunkte sind das Gefühl, sich selber überwunden zu haben. Eigentlich sind die Naturerlebnisse nur die Krönung dessen.

  4. Ja! Ja! Ja! Wo kann ich unterschreiben?
    Persönlich bin ich ja auch immer ein wenig Stolz, wenn ich so eine Runde bei absolutem Mistwetter oder knackiger Kälte in der Dunkelheit hinter mir habe.
    Gut fürs Ego auch das anerkennende Nicken der Hundebesitzer oder der wenigen Spaziergänger die sich nach draußen verirrt haben und vermutlich denken „Der macht das zum Spaß?“

    Aber genug jetzt – sonst wird’s noch voll da draußen.

  5. Lieber Thorsten,
    es kostet zwar einige Ringkampfrunden mit dem Schweinehund, bis Frauchen bei Regen läuft – aber es macht sie hernach umso stolzer. Kälte ist weniger das Problem: Unser Temperaturrekord liegt bei minus 16 Grad, da hat sie jeder für gaga erklärt. Noch schlimmer im Sommer, da liegt unser Rekord bei plus 38 Grad und schönem langem Lauf … Laufen macht einfach bei jedem Wetter Spaß 🙂
    Gruß aus Nürnberg
    Anette im Auftrag von Bär (und Laufcoach) Iwan