Bestandsaufnahme. Was Manager von einem missratenen Marathon lernen können.

Die Quartalsergebnisse sind für börsennotierte Unternehmen die Stunde der Wahrheit, die Zeugnisvergabe. Für Hobbysportler mit ein wenig Ambitionen sind das die wichtigsten Wettbewerbe des Jahres. Der Trainer Joe Friel unterscheidet zwischen A-, B-, und C-Wettbewerben.

Hier war die Saisonplanung noch absolut so wie sie sollte.

Hier war die Saisonplanung noch absolut so wie sie sein sollte.

Ich habe gestern einen A-Wettbewerb versemmelt. Grandios gescheitert. Die Details spielen keine Rolle, aber einen Marathon in 3:41 zu laufen ist beim Marathon rund um den Baldeneysee nicht mein Anspruch gewesen. Wäre ich in Summe aller Aspekte die deutsche Fußballnationalmannschaft der Herren – ich wäre in der EM in der Vorrunde ohne eigenes Tor rausgeflogen, danach der Trainer und möglichst auch der DFB-Vorstand.

Es ist also Zeit für eine – Sie kennen das aus der Politik – schonungslose Aufklärung der Gründe und Ursachen. Ich möchte dazu jedoch kein Arbeitsgruppe bilden, sondern werde hier nun offen und ehrlich die Dinge beim Namen nennen. Und für mich – und jeden, der sich in Teilen oder ganz da auch wiederfindet – die Lehren draus ziehen. Sport ist Spaß für mich, kein Job, aber ich mag Ziele, die nicht zu erreichen wurmt mich. Das ist „alternativlos“. Kennen Sie auch.

Wichtigste Erkenntnis:

Ich habe es nicht wirklich gewollt. Ich habe es nicht wirklich gewollt. Ich habe es nicht wirklich gewollt. Ich habe es nicht wirklich gewollt. Ich habe es nicht wirklich gewollt. Ich habe es nicht wirklich gewollt. Ich habe es nicht wirklich gewollt.

Was genau ist passiert? Meine sehr lang angelegte Planung aus dem Sommer/Herbst 2013 sah vor, dass ich im Herbst 2014 meine Bestzeit Marathon verbessere. Einige Monate nach dem Ironman in Klagenfurt. Zeit für Regeneration und neues Training. Diese Planung zerplatzte wie eine Seifenblase bei Kilometer 18 von 42, als mein Körper und meine Pulsuhr übereinkamen: Das halte ich nicht bis ins Ziel durch. Viel mehr: Ich riskiere nicht nur eine langsamere Zeit, sondern ein Did not finish (DNF) inklusive Betreuung durch Sanitäter. Kurz zum sportmedizinischen Hintergrund: Wenn ein Körper über mehr als 3 Stunden leisten soll, aber bereits bei der Hälfte schon mit der Belastung am Limit für Ausdauersport ist: Alle Speicher leer, da geht dann nix mehr.

Macht Spaß, aber nicht schneller. Macht vermutlich auch 1 Sekunde auf einem Marathon.

Macht Spaß, aber nicht schneller. Macht vermutlich auch 1 Sekunde auf einem Marathon.

Ich bin also für mein derzeitiges Leistungsvermögen am gestrigen Tag zu schnell gestartet. Als zweimaliger Zugläufer weiß ich es noch besser als sowieso schon, denn es steht überall geschrieben: Leg nicht zu schnell los. Spare die Kräfte, der Marathon wird in der zweiten Hälfte entschieden. Habe ich ignoriert, alle Signale des Körpers überstimmt. Ein klassischer Fehler, denn mein Projekt sah eben diese Zeit vor. Dann muss ich die auch laufen oder das Projekt begraben. Welcher Mensch tut das schon gern im Job oder in der Freizeit?

Die Wahrheit ist: Der Wettkampf gestern ging nicht bei Kilometer 18 verloren, sondern seit dem erfolgreichen Abschneiden beim Ironman Klagenfurt.

Ich habe mich in zu viele Projekte neben dem wichtigen Projekt verfangen (2. Ironmandistanz in Köln 5 Wochen vor Essen, Zugläufer 3:30 beim Kölnmarathon 4 Wochen vor Essen.) Typischer Managementfehler.

Und dennoch beginnt es noch viel früher, nämlich im Kopf. Denn ich wusste, dass diese Wettbewerbe nicht sinnvoll sind, die Vorbereitung torpedieren. Und habe sie dennoch gemacht. Ich habe auch nicht die nötigen 3-4 Kilo abgenommen, die ich gestern wegen Rotwein, Chips und lecker Essen mit rumschleppen musste und die auch mit Sauerstoff versorgt werden wollen, den ich eigentlich wo anders brauchte. Weil mir – in jedem einzelnen dieser vielen kleine Momente der Schwäche – mir das Ziel nicht wichtig genug war. Ich habe ihm eben nicht alles untergeordnet, sondern wider besseren Wissens auch ein zweites Glas Rotwein getrunken und auch mal eine Einheit geschwänzt.

Wenn ich ehrlich zu mir bin, wollte ich nicht verzichten, weder auf die 2. Ironmandistanz (befördert von dem Umstand, dass die 300 Euro Startgeld nicht erstattet werden) und auch nicht auf die Rolle als Zugläufer, weil das einfach eine tolle Sache ist. Und auch nicht auf Rotwein, weil mir der einfach schmeckt. Chips auch.

Burger? Bier? Aber sicher! Aber macht auch nicht unbedingt schneller. Waren aber lecker!

Burger? Bier? Aber sicher! Macht nur auch nicht unbedingt schneller. Waren aber lecker!

Die Bestzeit ist ein Opfer meiner anderen Wünsche und Ziele. Das ist okay, ich muss davon schließlich nicht leben. Während des Rennens sterben die Ziele. Erst Traumzeit, dann Bestzeit. Und eigentlich auch irgendwann überhaupt eine Zeit. Denn ich wollte einfach gar nicht mehr. Aber aufgeben ist keine Option, unter Ausdauersportlern eine Frage der Ehre. Ich will mich, nachdem ich mich ehrlich gemacht habe, auch nicht mehr grämen – was mir schwer fällt. Ich habe einen Tausch gemacht – kuriose, schöne Momente bei überflüssigen Anstrengungen und rauschende Kohlehydratorgien gegen eine tadellose und mit vielen Entbehrungen vorbereitete Bestzeit. Ich ahnte es, habe es in Kauf genommen – und darf mich nicht beschweren. Entsprechend bin ich auch den letzten Kilometer vorbei an den jubelnden Zuschauern beim Essenmarathon mit glänzender vergnügter Laune gelaufen – es konnte ja keiner ahnen, wie weit ich hinter meinen Zielen war. Und dann freut man sich eben doch über die applaudierenden Zuschauer.

Was also nehme ich als Sportler, Berufstätiger und Mensch mit aus dieser sportlichen Katastrophe: Höre auf die Zeichen, lüg dich nicht an, entscheide dich und verfolge dann deine Ziele aber auch konsequent. Steht überall so in zig Lebensführungs- und Managementratgebern. Ich hab‘ die Erkenntnis auf meine Art noch mal aufgefrischt.

 

 

 

 

 

 

 

 

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