Es tut alles weh. Naja, wohl nicht alles, aber es wirkt, als sei gestern jede einzelne Muskelfaser überlastet worden.
Ich hasse Fitnessstudios. Diese beklemmende Mischung aus traumatischen Erinnerungen an die Turnhalle der Schule mit den blauen Matratzen und der industrialisierten Quälerei via grauer, gnadenloser Maschinen. Alles brüllt: Quäl dich, form dich! Alles, was am Freiluftsport Spaß machen kann, fällt weg: Keine gute Luft, keine schönen Geräusche, keine Mikroklimawechsel, keine wechselnde Aussichten, keine Jahreszeiten. Das ganze ist ein 24/7/365-Schwitzkasten. Ich hasse es. Angemeldet bin ich in meinem auch nur, weil dort auch das Schwimmbad für mein Training ist und einmal die Woche, so meine Idee, sollte ich halt eben auch die für Triathleten nötigen Kraftübungen dort machen.
Mache ich aber nicht. Ich drücke mich. Da ich weder Trainer noch Sportlehrer habe, geht das leicht.
Nun kam am Montag ein Anruf vom Studio, dass ich doch nach drei und sechs Monaten Anspruch auf eine Stunde hätte, entweder zu dem Thema Ernährung, Motivation oder klassisch Kraftübungen. Ich esse gerne, danke, ich bin motiviert bis in die inzwischen vom Laufen ramponierten Zehennägel und hasse Kraftübungen. Ganz im Sinne des Kampfes gegen den Schweinehund wählte ich also eine neue Stunde Muckimuff.
Jimmy Ogunjimi, ein Berg von Muskel und dortiger Trainer, wollte mich nicht so recht verstehen. Er fragte nach meinen Zielen, was ich denn erreichen wolle. Dass ich da saß, weil mich das Studio quasi vorgeladen hat, schien ihm entgangen zu sein. Ich war bislang ganz glücklich, mich unbemerkt an der Geräteetage vorbeizuschleichen und mich dem Schwimmen zu widmen.
Jimmy, der schon Stars und sonstwen trainiert hat, meinte wohl, ich vertraue ihm nicht, als ich meinte, ich wäre supermotiviert, hätte viele Ziele, die ich mit Datum für 2014 runterbeten konnte, und würde aber einfach die Geräte hassen und auch keine Muskeln wollen.
Jimmy, nicht wirklich Diplomat, meinte ich bräuchte das aber. Dass ich die Starts aufzählen kann, von Marathon und Triathlon murmele, von Trainingsplänen für Marathon und dass ich durchaus wüsste, was ich tue, quittiert er mit schiefem ungläubigen Grinsen. Er hat mich wohl nicht verstanden. Sicher nur ein Sprachproblem. Nein. Er bleibt stur. Kraft, Ausdauer, Muskeln. Sonst würde ich nicht schneller. Weiß ich. Steht alles in Büchern, in Blogs – Rumpf- und Stabilitätsübungen sind nötig. Und so spaßig wie Boden putzen, Hemden bügeln oder Zahnprophylaxe.
Jimmy hat mich, was bestimmt auch seiner amerikanischen Herkunft geschuldet war, sicher nur einfach falsch verstanden. Aus: Ich hasse diese Etage mit den Maschinen, hörte er nur raus: „Ich hasse Maschinen.“ Also, Zirkeltraining, a la Kalle Ochs aus in der Schulzeit. Die Etage blieb die gleiche. Stepschritte, schnelle Hocken, Liegestütze, Ballwerfen mit voriger Hocke. Alles 10 mal, bitte 3 Runden. Jimmy zählt mit, als würde ich versuchen, abzukürzen. Er geht auch gar nicht weg. Dabei weiß ich ja, was er will. Er könnte sich doch um andere kümmern. Nein. Jimmy bleibt.
Jimmy und ich werden doch noch Freunde. Er darf mich lachend quälen, nach den Zirkelrunden bleibt Laufen auf der Stelle, er zählt irgendwie bis 20. Wenn ich zu langsam werde, mahnt er. „It’s good for speed, power and condition.“ Yeah, thanks a million, Jimmy, hate it though.
Jimmy betrachtet meinen schwitzenden schnaufenden Körper mit Freude. Er hat mich gebrochen. Ja, ich bin im Eimer, ich habe es nicht gewollt, aber ich habe es getan. Langsam dämmert es vielleicht auch ihm. Ich weiß, dass ich das tun muss. Es aber nicht tun will. Er wird milde, als ich sage, „Danke, Papa, ich mache jetzt immer mein Zirkeltraining.“
Jimmy hat gerochen, dass ich es nicht mag, was er mir verschreibt. Dass es richtig ist, merke ich einen Tag später mit letzter Gewissheit. Jeder Muskel tut weh. Und Jimmy hat einen neuen Auftrag, wann er immer mich vorbeihuschen sieht: Mahnend zu winken! Jimmy, did you hear me?

Vielen Dank für die Erinnerung, ja Kraft- und Zirkeltraining stehen auf dem großen Trainingszettel aber wer macht das schon? Na die die schnell sind zum Beispiel, die machen mehr als nur Ausdauer und Technik (ich gehe ja mal davon aus, dass nach jeder Laufeinheit ein kurzes Lauf-ABC gemacht wird…).
Leider haben wir hier keine Muckibude mit Schwimmbad, sonst wäre ich da sofort angemeldet. So ein Drillseargent wäre nicht schlecht manchmal.