Immerhin musste ich nicht nachdenken, ob das gleich weh tun wird. Die Rennradreifen hatten keinen Halt, rutschten über das nasse Herbstlaub wie Kufen über die Schlittschuhbahn. Herbstlaub – eine knallige Farbpracht, herrlich beruhigend, wenn es langsam zu Boden trudelt, Vorbote der Winde, spektakulärer Abschied des Sommers – und in Verbindung mit Nässe verdammt gefährlich.Keine Zeit zum Vorbereiten der ungewollten Landung. Kein Verkrampfen, sondern stumpfes Stürzen so ansatzlos, wie Tom in Jerrys Fallen lief.
So fühlte ich mich dann auch. Als ich wieder fühlen konnte. Die Kurve kenne ich, das Laub sah ich, die Geschwindigkeit war schon arg reduziert. Dennoch klingelte es doch ein wenig im Schädel und die innere Inspektion benötigte einige Sekunden. Hüfte. Aua. Rippe. Aua. Kopf. Aua. Aber: Ich atme, höre Musik und blute nicht.
Der zweite Systemcheck gilt natürlich dem Material. iPod: Spielt weiter. Fahrrad: keine ersichtlichen Schäden. Wie auch, denn viel schneller als 10km/h war ich nicht und ich habe das Fahrrad beim Sturz weich auf mir gebettet.
Der Vorfall war ziemlich exakt 4700 Meter von daheim und noch weitere 26 Kilometer vom Büro entfernt. Da alles soweit einsatzfähig schien: Aufsteigen, weiterfahren.
Angstpatienten lernen nicht einfach, ihre Angst zu verlieren, sondern ihr in die Augen zu schauen und sich ihr zu stellen. Also heißt auch bei meinem zweiten Sturz diese Saison: Nicht nachdenken und weiterfahren. Nicht beeindrucken lassen. Ein Sturz ist ein Sturz ist ein Sturz. Wenn nichts passiert ist, weiterfahren. So wie immer.
Das klappte dann auch ganz gut. Gut, das Einatmen schmerzte ein wenig an der Rippe, die Hüfte auch und so langsam merkte ich dann auch, dass im Gesicht ein wenig Blut verkrustet.
Nicht schön, aber abzuwaschen.
Alle nahen Verwandten sind informiert – es besteht kein Grund zur Beunruhigung.
Dennoch – diese Verkehrsdurchsage für Sie: Es ist Herbst. Das Laub auf den Radwegen sehr glatt. Ich habe das für Sie mal durchgespielt. Verzichten Sie auf ähnliche Dummheiten. Bitte. Gerne.

