Es sollte alles ganz sauber laufen: Ankündigen, Epo spritzen, Marathon in Köln laufen und hinterher berichten, was das so bringt. Man ließ mich nicht, wie hier nachzulesen ist.
Im Zuge der Gespräche mit dem Veranstalter des Köln-Marathon kam man so ins Plaudern und über die Zeiten, die ich so laufe. Ich erwähnte, dass ich in Köln nur noch zum Spaß laufe. Weil ich ja schon zwei Wochen vorher in Berlin an den Start ginge, eine unvorsehbare Entwicklung, die mit der Startplatzsuche des Twitterers @triathlondog zu tun hat, die wiederum mir einen Startplatz bescherte in Berlin, den ich eigentlich nicht geplant hatte. Also, Köln ist für mich eigentlich nur Happy Austrudeln einer schönen Saison, auf Zeit laufen hat keinen Sinn.
Dann kam die Frage, ob ich mir denn statt dopen vorstellen könne, mit Ballon zu laufen. Aber selbstverständlich. In einer Mischung aus Größenwahn und sportlichem Selbstbewusstsein gehe ich Sonntag an den Start mit einem Ballon in der Hand, auf dem 3:30 steht. Das ist für die Läufer, die gerne diese Zeit oder schneller sein wollen ein guter Orientierungspunkt.
Für mich ist das eine Ehre – und Verpflichtung. Und ein wenig gebe ich damit zurück, was ich in all den Radrennen und Läufen der letzten Jahren selber genutzt habe an Menschen, die vor mir unterwegs waren und mich – wissend oder unwissend – mitnahmen. Zuletzt war es dieses Jahr im April beim Düsseldorf-Marathon Michael Nonn, der mich mitzog. In Berlin hatte ich vor zwei Wochen niemanden zum dranhängen, das machte sich schon bemerkbar.
3:30 in einem Marathon zu laufen ist schwer genug. Man darf nicht zu langsam sein als Tempomacher, aber eben auch nicht zu schnell. Dank GPS-Uhren ist das weit weniger schwierig als noch vor Jahren, als allein das Gefühl zwischen den Kilometerschildern einem eine Orientierung war. Der Berliner Läufer Christian Pohl hat das hier auf Zeitonline („Die meisten kotzen bei 3:30) hübsch beschrieben, was einen so erwartet, wenn man ein rennendes Ziel ist.
Ich gebe zu, da fühlt man sich natürlich geschmeichelt, geehrt, wenn man das machen darf. Wer Hase ist, sagt nichts anderes als: Ich kann das. Hybris und Selbstsicherheit liegen dicht beieinander, aber die Zeit habe ich drauf. Wenngleich ich vor einem Jahr selber noch mit 3:39 ins Ziel kam. Gut 2400 Laufkilometer später weiß ich aber: Einen Schnitt von 4:59 schaffe ich immer. Auch diese Grenze gerissen zu haben im vergangenen Jahr verwundert und freut mich, jetzt hole ich mir die Belohnung für die Trainingsstunden bei bis zu -5 Grad Celsius durch Schnee und Regen.
Ohne Tempomacher aber auch keine Weltrekorde. Das namenlose Heer von Weltklasseläufern, die für die ersten 35 Kilometer das Tempo hochhalten um danach dem späteren Sieger es leichter zu machen ist selten genug gerühmt. Bei den Spitzensportlern sind sie jedoch genauso nötig, wie für jeden, der die 4:00 Stundengrenze bei einem Marathon knacken will. Das Ziel läuft vor einem. Es zieht einen mit, es gibt einem Halt und hoffentlich allen die Sicherheit unterwegs, gut unterwegs zu sein.
18 Ballons werden in Köln am Sonntag laufen, ich bin einer von vieren, die die Gruppe der 3:30-Läufer „betreut“, zwei geben die 3:00, einer die 3:15, es folgen in 15-Minutenabschnitten alle Zeiten bis 4:30. Ich freu mich drauf und gebe mein Bestes, dass die, die sich drauf verlassen auch bekommen, was sie wollen und nicht ihren Traum einer Bestzeit platzen sehen wie einen Ballon.

