Versprechen Sie mir, die leider auf einer Internetseite existierenden Bilder meines Zieleinlaufs beim Berlinmarathon nicht anzuschauen. Danke. Ist besser so. Dafür hier im Blog ein paar Reiseeindrücke.
Es ging alles schief. Die Straßenbahn, die mich zum Zug bringen sollte, fiel ersatzlos aus. An einem Samstag um 8.00. Die nächste Bahn, die noch gerade ausreichte, schlich hinter einem Fahrschul-Straßenbahnwagen her, der wiederum auf einen die Gleise blockierenden Lastwagen warten musste.
Läuferisch begann das Berlinmarathon-Wochenende also mit einem Sprint.
Es ging weiter alles schief, wenngleich der Zug dann wenigstens auch Verspätung hatte, so dass der Koffersprint überflüssig war.
Als neugieriger Zeitgenosse entschied ich mich für die Wahl eines Elektroautos als Mietwagen am Berliner Bahnhof. Und vergaß das Ladekabel mitzunehmen. (Den Zapfhahn rupft man schließlich auch nicht raus.)
Der Flughafen Tempelhof, an dem man die Startunterlagen abholen konnte, war weiträumig abgesperrt. Klar. Die Skater, die ihren Marathon absolvierten. Der Autoakku noch so bei 90%.
Das Hotel: Günstig. Sehr günstig (Können sich sogar Ferrari-Fahrer leisten, siehe unten). Sehr, sehr günstig. Kein Wunder, denn da der Flughafen Berlin Schönefeld noch nicht fertig ist, liegt der Zimmerpreis des Kastenhotels sehr niedrig. Dass es überhaupt Gäste hat, grenzt an ein Wunder, denn eine direkte Zufahrt schien nur über das nicht genutzte Rollfeld möglich. Schönefeld ist übrigens eine eigene Reise von Berlin nach Schönefeld, die fast eine ICE-Verbindung rechtfertigen würde.
Das wäre auch alles noch nicht so schlimm gewesen, wenn ich mich nicht auch noch mit einer Erkältung rumgeplagt hätte. Dass Zuckerersatzstoffe in Halstabletten wiederum andere Probleme heraufbeschwören – es passte zum Wochenende.
Aber wer 10 Wochen auf ein Ziel trainiert, das eh schon schwer genug ist, der gibt nicht auf. Nicht so schnell, jedenfalls. Erst bei Kilometer 38. Da springen wir inhaltlich mal hin. Der Marathon selber war soweit schön. Nur war auf der Laufstrecke eben kaum weniger los als am Samstag im Anreisestau nach Tempelhof. 40.000 laufende Menschen sind eine Menge Masse und schon beim ersten Kilometer auf der nicht eben schmalen Straße des 17. Juni wählte ich vorsichtshalber den Mittelstreifen.
Danach drängelten sich die mehr oder minder gleich schnellen Läufer durch die Straßen, die erste Wasserstation bemerkte ich erst, als ich schon auf halber Höhe von ihr war.
Egal, so heiß war es ja nicht. An ein selbst gestaltetes Rennen war nicht zu denken, die Masse bestimmte mehr oder weniger die Pace, mit Ellenbogen, kleineren Sprints und „Achtung!“ konnte man sich ein wenig nach vorne arbeiten. Um dann von den gleichen wieder überholt zu werden.
Ab Kilometer 20 wurde es dann leerer. Gelegenheit, sich über das fantastische Wetter, die zahlreichen wirklich guten Bands am Wegesrand und überhaupt die tausenden begeisterten Zuschauer am Straßenrand zu freuen. Der eigene Zeitplan aber war dahin. Allerdings nicht so dahin wie ich auf den letzten drei, vier Kilometern. Beißen, kämpfen, ankommen. Egal wie. Bestzeit war möglich, also beißen, beißen, beißen. Tat ich, kann man sehen. Auf den Fotos. Ich empfehle es nicht.
Kein glücklicher Einläufer, kein strahlender Sieger, sondern ein abgekämpfter Mittvierziger, der 10 Meter nach dem Zieleinlauf mit einem Ordner diskutieren durfte, ob er gerade mal für 30 Sekunden wegen Kreislaufproblemen sich am Absperrgitter festhalten darf. „Weitergehen, oder Bahre.“ Na, dann weiter.
Das war Sport.
Und selbstverständlich habe ich mich heute gleich wieder bei der Verlosung von Startplätzen registriert, um 2014 wieder dabei zu sein.



