Was ist es wert, was hat man geschafft, wo steht man? Dank der nahezu kompletten Vermessung der Laufdaten, weiß sogar ein ungeübter Läufer heutzutage recht präzise, was er zu leisten in der Lage ist. So richtig planvoll zu laufen habe ich vor zwei Jahren begonnen – viel Erfahrung sieht anders aus. Routinen runterspulen? Mitnichten. Nun nähert sich der Berlinmarathon, der wohl beliebteste Lauf Deutschlands. Am 29. September um 8:45.
Ausverkauft mit 40.000 Startern. Und da ist sicher keiner dabei, der sich nicht irgendwas vorgenommen hat. Sei es eine neue Bestzeit oder einfach nur den Lauf genießen – auch das muss erst bewältigt werden.
Marathon als solches gilt als ungesund, die Belastung für den Körper als zu intensiv. Das Training nicht, aber eben der Wettbewerb. Ich selber beschränke mich deswegen auf zwei Stück dieses Jah. Den Marathon innerhalb des Langdistanz-Triathlons zähle ich nicht dazu, da er sehr viel „entspannter“ im Tempo ist. Da heißt es nur: Durchkommen.
In Berlin heißt es das zwar auch für mich, aber eben auch: Schnell ankommen. Mit Ambition, die ich selber brauche, um überhaupt in Gang zu kommen. Denn ohne Ziel wäre ich persönlich noch schneller auf dem Sofa als am Start. Meine Bewunderung gilt all jenen Menschen, die aus der Freude an der Bewegung ohne persönliche Ziele ihre Läufe absolvieren.
Noch bin ich entspannt. Dass ich es schaffen kann, weiß ich nun, es ist mein vierter Start. Aber ob ich es so schnell schaffen kann, wie vorgestellt – keine Ahnung. Das geht wohl vielen so. Immerhin – ich weiß sicher, in welchen Schuhen ich laufen werde – auch das ist für einige Läufer bis zuletzt eine offene Frage. Die oft wohl spannendste!
Mein Trainingszyklus über 10 Wochen neigt sich dem Ende zu und ich will ganz offen sein: Ich bin platt. Es scheint mir überhaupt nicht möglich, dass das gut werden kann. Muskulär strapaziert, überfordert und abgekämpft. (Nicht verschweigen will ich auch, dass das zuletzt frühe Klingeln des Weckers um 5:00 für die längeren Einheiten am morgen nicht überall in meiner unmittelbaren Umgebung große Begeisterung ausgelöst hat. Ich wurde gezwungen diesen Satz zu schreiben, sonst darf ich nicht mehr so früh raus.)
Auch das: Geht wohl vielen so. Durchatmen und darauf vertrauen, dass die bewusste Überforderung, die sich zum Ende des Trainingszyklus steigert, mit einer Woche ruhigeren Einheiten in der Woche vorm Marathon sich dann in einer Superform äußern wird. Da muss man aber schon auch Vertrauen haben… In seinen Trainer, in meinem Falle das Buch von Herbert Steffny, dem ich meinen Trainingsplan entnommen habe.
10 Wochen Vorbereitung – und eigentlich mehrheitlich habe ich die Läufe genossen. Der heute morgen war Arbeit. Aber auch er – Sonnenaufgang gesehen, Hasen, die vor mir flüchten, frische Morgenluft – jeder Lauf belohnt mit etwas.
Mit dem Berlinmarathon endet für mich dann auch die Saison von sportlich ambitionierten Wettkämpfen. Dann sehen wir mal weiter hier, wie der Schweinehund im Winter im Eisfach gehalten werden kann.

