Der passende Kopfhörer für den Sport. 2. Teil: Heute Aftershokz Sportz 2

Freie Ohren, belegter Kiefer.

Freie Ohren, belegter Kiefer.

So gut wie niemand mag seine Stimme. Wer seine eigene Stimme von Band hört, ist zunächst verblüfft, meist unangenehm berührt. Das hat seine einfache Ursache darin, dass wir unsere eigene Stimme nicht nur über das Ohr wahrnehmen, sondern sich die Schwingungen des Stimmbandes ihren Weg über die diversen Knochen im Kopf bis ans Trommelfell bahnen. Wir kennen unsere eigene Stimme also nicht so, wie sie alle anderen hören.

Kurz: Der Kiefer hört mit. Liegen alle anderen Kopfhörer entweder über dem Gehörgang oder gar mittels Silikonstopfen mitten drin im Gehörgang, wird der Aftershokz Sportz 2 auf das Gelenk des Kieferknochens kurz vorm Ohr gelegt. Dort „drückt“ er den Schall auf die Knochen, von dort übertragen sie sich ins Ohr neben den Schallwellen, die das Ohr über den offenen Gehörgang wahrnimmt. Er nutzt den Effekt, den wir erleben, wenn wir unsere Stimme hören ohne die Frequenzen, die unsere Trommelfelle über die Knochen empfangen.

Das Modell Aftershokz Sportz 2 weicht schon optisch  von herkömmlichen Modellen ab. Wer es es trägt, mag von der Ferne auch ein wenig tolpatschig erscheinen. Denn es sieht so aus als sein man zu dämlich einen Kopfhörer aufs Ohr zu setzen. Das muss man ertragen.

Der Aftershokz wird auf das Gelenk des Kieferknochens gesetzt unmittelbar in der Nähe des Ohrs. Auf dieser Webseite des Herstellers ist das in Videos gut zu erkennen: https://www.aftershokz.com/AfterShokz-Sportz-2-Open-Ear-Headphones-p/as320.htm

Ein wenig rumprobiert habe ich dennoch, bis ich MEINEN Punkt getroffen habe, an dem das Klangbild am rundesten, am vollsten und mithin am schönsten war.

Der Vorteil und der Nachteil des Aftershokz: Die Ohren bleiben frei. Offen für Gespräche. Aber auch offen für Umgebungsgeräusche. Freiluftsportler schotten sich also nicht ab. Ich möchte mich gerne abschotten, das ist aber Geschmacksfrage, das muss jeder für sich beantworten.

Auf dem Fahrrad bedeutet das: Die Windgeräusche sind ständiger Begleiter, sie konkurrieren mit der Musik. Die ist – in einem geschlossenen Raum – ziemlich laut. Denn der Aftershokz ist im Prinzip eher ein Mini-Lautsprecher. Auf den Tisch gelegt, macht er ganz schön Alarm. Die Kraft dafür stammt aus dem kleinen schwarzen Kasten in der Mitte des Kabels, dort sitzt der Akku, der per mitgeliefertem Micro-USB-Kabel aufgeladen wird.

Das eigentliche Wunder an den Aftershokz ist, dass sie selbst beim Joggen nicht den Sitz verlieren. Ich hätte erwartet, dass sie beim Laufen durch den Aufprall nach unten rutschen. Zumal sie bei längeren Strecken auf der schweißnassen Haut sitzen. Das ist nicht passiert.

Beim Radfahren sitzen sie eh fest. Aber wie bei allen Modellen mit Ohrenbügeln: Mit Helm und Brille wird es eng hinterm Ohr. Es geht, aber es ist spürbar.

Der Tragekomfort ist ansonsten exzellent. Das wiederum liegt daran, dass der Kieferknochen herzlich schmerzlos auf den Druck des Bügels reagiert. Er trägt sich sicher auf Dauer am bequemsten von allen Modellen, die ich probiert habe.

Auf der Negativseite steht leider der recht deutliche Mangel an Bass. Das schaffen die Membranen einfach nicht, die tiefen Frequenzen über den Knochen bis ins Ohr zu hämmern. Überraschenderweise fällt es dennoch leicht, der Musik zu folgen, die Mehrzahl der Infos, die nötig sind, um ein Lied zu erkennen, kommen an. Mir fehlen jedoch die Sounds der tiefen Standtoms oder die Basslinien.

Im Sportstudio sind die Sportz 2 zudem keine gute Idee. Sie sind als halboffene Konstruktion eben auch aus mehreren Metern Entfernung deutlich zu hören. Im Zug verbietet sich Ihre Nutzung jedem, der ein wenig Rücksicht auf seine Mitmenschen nehmen möchte.

Die Aftershokz kosten in Deutschland 79 Euro. Für jeden, der  maximalen Tragekomfort sucht und dafür bereit ist, auf  Bass zu verzichten, der ist mit den Sportz 2 gut bedient.

 

 

 

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