Welche GPS-Sportuhr? Im Test die Polar RC3 GPS

Vor vielen Jahren, als Hifi noch der Traum vieler Männer war und Vergleichstests zwischen Verstärkern der 500- oder 1000-Mark-Klasse noch den Markt bewegten, da war oft von ihm die Rede, als sei er etwas, das ganz allein schon „wow“ sagt, das dem etwaigen Käufer mitteilt: „Du hast was besseres gekauft.“ – der „aus dem vollen gedrehte Lautstärkeknopf“. Heidewitzka, das Drehrad, das das Volumen nach unten oder oben regelte, war dafür verantwortlich, dass der Kunde sich besser fühlte. Auch die Druckknöpfe, so die Tests, gäben ein „rückversicherndes“ oder „bestätigendes“ Gefühl.

Die Polar RC3 GPS ist ohne Umschweife mir das liebste Gerät von allen fünf GPS-Sportuhren, die ich nacheinander testen werde. Er hat in der Mitte einen metallisch glänzenden roten Knopf, wenn man auf ihn draufschaut, dann sieht man die kreisrunden Rillen, die eine Maschine hinterlassen hat. Die RC3 sieht einfach gut aus. In der schwarzen Version ist das rot dynamisch, die Form gleichzeitig kernig aber eben noch elegant genug, um als Armbanduhr durchzugehen.

Das ist alles völlig unerheblich. Aber es funktioniert. Ich bekenne mich als Zielgruppenopfer. Mann, Spielkind, farbenfroh. Ich wäre auch gerne Pilot geworden. Wie alle Jungs. Die RC3 ist ein wenig Cockpit.

Allgemein

Die RC3 ist aus dieser Gruppe am ehesten geeignet, die ganze Zeit am Arm zu verbleiben. Sie zeigt die Zeit, frisst dabei kaum Strom, die Batterieanzeige ist permanent sichtbar, so dass sie gegebenenfalls sofort geladen werden kann. Die Polar ist sicher die „menschlichste“ aller Uhren in dieser Gruppe. Sie zeigt ganze Sätze an und der Hersteller hat den Sprachsatz motivierend formuliert. „Das war eine harte Einheit.“ – na, wer bekommt nicht gerne eine Lob. Auch wenn es nur die Uhr ist. Aber die RC3 weiß ganz gut Bescheid, was man geleistet hat.

Und wo man gerade ist. Und wieder zurück kommt, wo man gestartet ist! Die „Startsuche“ ist für alle die interessant, die „Trail-Running“ betreiben wollen und dabei auf gut Glück wo sie gerade sind ins Grüne hineinlaufen wollen. Der Pfeil führt den Sportler immer wieder dorthin zurück, wo er seine Aufzeichung begonnen hat. Und ich kenne Läufer, die um so eine Funktion froh gewesen wären.

Eine der wichtigsten Fähigkeiten der RC3 GPS ist es, das Training mit der Uhr zu gestalten. Wer mag, kann in kurzen Testphasen die Uhr errechnen lassen, wie fit man in dem Moment ist und auf dieser Basis das Tempo anpassen. Sture Trainingspläne haben ihren Reiz, ziehen nur nie in Betracht, wie man sich an dem Tag fühlt. Wenig Schlaf, viel Alkohol – das verändert alles. Die RC3 nimmt darauf Rücksicht. Für mich ist das nichts. Ich folge den Anweisungen des Trainingsplans. Sonst mache ich nämlich gar nichts.

Eine interessante Funktion ist auch der Fitnesstest. Den konnte ich nämlich entspannt im Liegen machen. Liegen und Entspannnen soll man dabei, heißt es im Display. Das ist – wie beim Blutdruckmessen beim Arzt – immer der Garant dafür, dass ich nervös werde und der Puls rast. Sei’s drum. Man soll 2 Tage davor auch keine großen Anstrengungen absolviert haben. Und keinen Alkohol. Und nicht rauchen. Gut. Nichtraucher. Aber eine halbe Flasche Weißwein nach dem 35 Kilometer-Lauf. Und ich trainiere derzeit täglich. Ich kann den Test also eigentlich nie machen. Sie haben da vielleicht mehr Glück.

Anwendung

Ganz viel einfacher, wenn dennoch noch nicht ganz so intuitiv wie ein Appleprodukt, geht es nicht. Den roten Knopf drücken und nochmal drücken und die RC3 zeichnet auf. Den Knopf Back drücken und nochmal drücken und vorsichtshalber nochmal drücken und die Einheit ist aufgezeichnet und gespeichert. Möchte man nur eine kurze Pause machen, drückt man den roten Knopf nochmal. Mit den Knöpfen für aufwärts und abwärts lassen sich 7 verschiedene Darstellungen auswählen. Ob Tempo oder Herzfrequenz wichtig ist oder etwas anderes – das lässt sich bequem und rasch ändern. Die Uhr trägt sich sehr bequem, das Armband ist bequem, der Verschluss etwas fummelig, dafür läuft man keine Gefahr, dass es sich von alleine löst, die zweite Öse hat noch eine Art Widerhaken.

Etwas umständlicher zwischendurch ist das Anschalten der Beleuchtung und ganz so arg hell ist es auch nicht, aber ausreichend. Wer sehr schnell läuft oder dicke Handschuhe trägt im Winter, wird  den Knopf für das Licht ein paar Mal öfter drücken.

Auswertung

Vorteil: Die RC3 GPS lässt sich mit einem konventionellen Micro-USB-Kabel laden und auslesen. Nachteil: Die Klappe oberhalb der Buchse am Gerät kann prinzipell abreißen oder mit etwas Pech kommt dann doch Wasser hinein. Mir ist nichts passiert, aber ich habe auch keinen Wüstenlauf absolviert. Sand findet jede Lücke.  Gut ist natürlich, dass die Datenübertragung immer klappt, da keine Funkverbindung nötig ist.

Die Webseite polartrainer.com ist sehr übersichtlich gestaltet und – ich schon wieder – sieht einfach gut aus. Warme Worte über den Nutzen der Einheit fehlen ebenso wenig. Und wer mag, kann es mit einem Klick auf die Symbole die ganze Welt via Facebook oder Twitter wissen lassen, was er getan hat. Die Übersicht über das Training in den Herzfrequenzbereichen ist vorbildlich und es gibt gute Gründe, sein Training auf der Basis von Herzfrequenzen zu planen.

Ansicht

Ich würde die Polar sofort kaufen, soviel kann ich verraten, bevor die letzte Folge der Testreihe gelaufen ist. Wenn ich nur Läufer und Radfahrer wäre und ab und noch Langlauf oder so etwas machte. Optik, Bedienung, Funktionen. Alles topp. Ich brauche aber auch Schwimmdaten. Die ermittelt er nicht. Er würde natürlich im Freiwasser die Geschwindigkeit aufzeichnen und den Kursverlauf. Zahl der Züge im Schwimmbecken hingegen nicht, dort auch nicht die absolvierten Bahnen. Wer Schwimmtraining betreibt, mag darauf nicht verzichten wollen. Auch gibt es damit keine für Triathleten geeignete Programmierung, die einen kompletten Wettkampf aufzeichnen würde. Siehe Kommentar unten von Polar Deutschland: Eigentlich ist er nicht mal recht wasserdicht. Man muss ich vorm Schwimmen gehen also gar ausziehen.

Für Läufer mag es bedauerlich sein, dass es keine Möglichkeit gibt, Intervall-Trainingseinheiten zu programmieren – auch hier siehe Kommentar von Polar Deutschland – das geht jetzt. Die Funktion, die mein Garmin 910xt bietet ist zwar sehr hilfreich, aber eher hilfreicher Luxus. Schwerwiegender ist da schon, dass die RC3 GPS keine Vibrationsalarme bietet, sondern lediglich akustische Signale. Mag auf Anhieb nicht so dramatisch wirken, aber ich habe beim Laufen grundsätzlich Musik an. Laut. Sehr laut. Wo kann man das sonst schon? Aufdrehen wie an einem aus dem vollen gedrehten Lautstärkeregler?

 

In der nächsten Folge dann der Magellan Switch im Test

Polar RC3 GPS

Preis: Etwa 220 Euro inklusive Brustgurt, 250 inklusive Trittfrequenzsensor für das Rad.

Ab April soll ein Update auf den Mark kommen inklusive Höhenmessung per GPS. Und eine neue Farbvariante in kräftigem Orange.

https://www.polar-deutschland.de/de/produkte/verbessere_deine_fitness/laufen_multisport/rc3_gps

 

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Alle Kommentare [2]

  1. Lieber Herr Velonjara,

    vielen Dank für die Erläuterungen. Die Intervallprogrammierung habe ich dann wohl übersehen, meine sie aber auch nicht in der Bedienungsanleitung gesehen zu haben. Aber das ist ja nun auch geklärt.

    Besten Gruß
    Thorsten Firlus

  2. Hallo Herr Frilus,

    da der RC3 GPS grundsätzlich von uns nicht für den Einsatz im Wasser konzipiert wurde und dafür auch nicht geeignet ist, würden wir von dem Versuch beim Schwimmen im Freiwasser Geschwindigkeit, Distanz und Route aufzuzeichnen dringend abraten.
    Außerdem kann man mit dem RC3 GPS ohne weiteres Intervalltrainingseinheiten programmieren und absolvieren. Allerdings geht das erst seit einem Update von PolarPersonalTrainer.com Anfang Dezember letzten Jahres. Wenn Sie ihn vorher getestet haben, stand diese Funktion tatsächlich noch nicht zur Verfügung.

    Viele Grüße,
    Andre Velonjara
    Polar Deutschland