Auf zur Bank

Das Rheinland ist das nicht gewohnt. Schnee. Er ist so hoch gefallen, das er in die Halbschuhe rutscht, wenn man durch ihn durchgeht. Mit anderen Worten: Die Welt geht hier unter, Staus auf hunderten Kilometern Länge, Zugausfälle und Verspätungen. Aber das sieht zauberhaft aus, ist wirklich schön – dennoch so richtig gerne raus will man da nicht. Zumindest nicht in der Dunkelheit, um Laufen zu gehen.

Genau das sind aber die Tage, wo es am meisten Belohnung für die Mühe gibt, an denen ich meinem Schweinehund hinterher eine lange Nase zeige. Denn, wenn man vor sieben Uhr zum Sport machen draußen ist, kann man fast sicher sein: Man ist der einzig Bekloppte. Das sieht dann so aus:

An den Oberarmen blinken die Leuchtdioden zweier Reflektionsbänder, denn gesehen werden ist überlebenswichtig. Es rechnet schließlich an einsamen Kreuzungen kein Abbieger mit einem sich schnell bewegenden Objekt. Den Menschen in den Autos bietet sich also der Anblick eines laufenden Weihnachtsbaumes.  Wohl der einzige Grund, warum die Maskierung bei Temperaturen unter 0 Grad Celsius nicht als Berufskleidung eines Bankräubers wahrgenommen wird. Kurzum: Man ist schon ziemlich einzigartig/eigenartig in dem Moment.

Zwei Tage ging das nun so, die Wege sind voll mit Schnee. Es holpert, die Füße werden ein wenig nass, jeder Schritt im dicken Schnee frisst Energie, so als ob man im Sand läuft.

Die Fußspuren auf dem Radweg belegen: Ich bin der einzige Depp, der durch den Schnee läuft. Und das fühlt sich großartig an. Held! Superman! Schneebezwinger! Her mit den weißen Massen! Weder laufe ich schneller als diejenigen, die einfach ins Fitnessstudio aufs Laufband gehen, noch habe ich einen größeren Trainingseffekt. Aber, was bin ich eine tapfere Socke. Wenn es Ihnen sonst keiner sagt: Sagen Sie es sich selbst. Hört ja keiner. Außer ihrem Schweinehund.

Dazu kommen die Eindrücke des ganz speziellen Lichts, wenn  im Schnee die Lichter der Autos des Berufsverkehrs reflektieren und Fußspuren von Tieren, die im Gegensatz zu mir die ganze Nacht draußen waren. Die Luft ist schneidend und klar und der Schnee dämpft die Geräusche, eine seltene ganz eigene Stimmung, die einen da begleitet und einen belohnt für die Mühe, sich rausgeschält zu haben.

 

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