Der Red Bull Tri Islands Triathlon auf Amrum, Föhr, Sylt – Erfolg auf 2/3 der Strecke – denn aller guten Dinge sind drei

Es ist selten, dass man an sportliche Ziele vor dem Erreichen der Finish-Line einen Haken machen kann. Beim Tri Islands Triathlon auf Amrum, Föhr und Sylt ist das der Fall. Nach zwei von drei Disziplinen ist die Entscheidung für fast alle Teilnehmer gefallen – das Ziel ist der Bootssteg am Kurstrand von Utersum auf Föhr.
(Frisch eingetroffen am 22.9.: 360 Grad Video von Redbull), unten meine Videos.

Wer es nach dem Schwimmen von Amrum nach Föhr und dem dortigen Radkurs von 40 Kilometern in 2 Stunden und 30 Minuten dorthin geschafft hat, bekommt ein Fährticket „Föhr-Sylt“ in die Hand gedrückt und darf mit einem Speedboat durchs Wattenmeer nach Sylt übersetzen.

 

Auf dem Boot 1:

Alles andere ist egal, dafür ist der Wettbewerb inklusive Wattwanderung, „krummen Distanzen“ und Speedboatshuttle zu wenig zu vergleichen mit normalen Wettbewerben. Tri Islands ist Tri Islands. Event mit Sport, Sport mit Event. Ich habe das nach der Premiere 2015 und 2016 nun zum dritten Mal geschafft. Und irgendwie bin ich da nach den vergangenen Erlebnissen dieses Jahr glücklich drüber. Dreimal starten bei einem besonderen Dreikampf und dreimal das wichtigste Ziel erreichen – das tut der Seele ganz gut.

Auf dem Boot 2:

Und dieser Wettbewerb wird von den Teilnehmern so besonders wahrgenommen. In seiner dritten Auflage hatte sich bei Wiederholungs- und Ersttätern herumgesprochen, dass es nicht so leicht ist, in der erforderlichen Zeit auf den Steg zu kommen. „Ich will unbedingt nach Sylt“, hieß es hier, „Hauptsache aufs Boot“, dort. Was dann beim Lauf auf Sylt passiert, dem schließlich entscheidenden und abschließenden Lauf: Allen Wurst.

Anfahrt zum Start: 

Auch die Einheimischen, von Natur aus ruhig und dank zahlloser Aktionen in der Hauptsaison nicht so rasch zu beeindrucken, hatten 2017 viel öfter begriffen, was da eigentlich bei ihnen vor dem Hausstrand passiert. In den Wochen zuvor konnte man mit einem Teilnehmershirt der vergangenen Jahre die Bewohner der Insel neugierig machen. „Na, bist du da beim Tri Islands dabei?“ Und wenn man dann berichtete von den vergangenen beiden Jahren, fiel zwangsläufig immer die eine Frage: „Und, hast du’s nach Sylt geschafft???“

In der Wechselzone am Morgen: 

Es ist dem Veranstalter also gelungen, den „Knock-Out Modus“, wie er ihn ein wenig kämpferisch nennt, als Besonderheit des Tri Islands in den Köpfen der Zuschauer zu verankern. Dabei gibt es Cut Offs in eigentlich jedem Rennen. Nur hier wird er so sichtbar, so dramatisch inszeniert. Wer auf dem Steg steht, das Papierticket in der Hand, kann je nach Zeitpunkt Zeuge von Dramen werden.

Am Vorabend des Wettbewerbs:

Vergangenes Jahr war ich es nach einigen Minuten Warten auf ein Shuttle-Speedboat, als eine Läuferin oben auf dem Deich lief und sah, wie die Sekunden verronnen. Das Publikum schrie und jubelte – und die bemitleidenswerte Starterin hat es um exakt eine Sekunde nicht geschafft. Dafür ist ihr immerhin vergönnt, mit den anschließenden Anmerkungen im Werbefilm des Veranstalters verewigt zu sein.

Laufen in Hörnum:

Dieses Jahr – diesmal war ich schon auf dem Boot als es sich zutrug – ein ähnlicher Nervenkitzel, wieder laute Anfeuerungsrufe des Publikums und der Teilnehmer rettete sich mit dem Gongschlag auf den Steg, nahm erleichtert das Ticket und durfte mit nach Sylt.

DER ZIELEINLAUF AUF SYLT:

Und das lohnte sich auch. Denn am Ende des Tages nahm der ganze Wettbewerb von den Bedingungen einen Verlauf, mit dem zu Beginn niemand rechnen konnte. Um 8:50 machten sich die rund 300 Teilnehmer unter einer dichten Wolkendecke auf den Weg gen Amrum – zu Fuß. Gut 3 Kilometer zur Einstiegsstelle ins Watt, sieben regenreiche Kilometer durchs Watt inklusive des Durchwatens eines hüfttiefen Priels kurz vor Amrum und noch mal gut 2 Kilometer zum Sammelplatz auf Amrum.

Der Veranstalter hatte nach den heißen Stunden 2016 vorsorglich Sonnenschirme aufgestellt – die nun den Regen abhielten. Ein Großteil der Teilnehmer zog sich mehr als 2 Stunden vor dem Start den Neoprenanzug an – weil’s wärmer ist. Vereinzelt klemmten Teilnehmer auf der Rückseite der Kühlschränke, die der Veranstalter aufgestellt hatte, um die Dosen kalt zu stellen – dort wärmten sie sich an den Aggregaten.

Die Aussicht auf mehr als eine Stunde Radfahren nachdem man die recht frische Nordsee durchschwommen hat, wirkte wenig verlockend. Und es kam dann doch anders.

Während wir im Wasser wohl noch ein wenig vollgeregnet wurden – was mir nicht auffiel, ich hatte genug mit Kälte und Strömung zu tun – lockerte sich in der Nähe das Wetter ein wenig auf und zog langsam über Föhr, so dass die Radfahrt zwar nass und schmutzig von unten, aber doch wenigsten trocken von oben blieb. Dass die See spiegelglatt war und im Grunde kein Wind – der Schwimmpart war dennoch die erwartet harte Nummer. Einheimische schütteln in der Regel den Kopf. Das Unterfangen scheint ihnen zu anstrengend und gefährlich.

Ich war fast in der gleichen anständigen Zeit rübergekommen wie im Jahr zuvor und wusste: Wenn nichts schief geht, wirst du es gut schaffen. WENN. Mir ist dann auch nichts passiert. Aber beim ersten Fahrer mit Plattfuß am Straßenrand wollte ich noch einen von meinen zwei Ersatzschläuchen rüberwerfen – beim fünften, den ich sah, der über seinem Mantel beugte, ahnte ich, dass ich zumindest einen behalten sollte.

Es ging dann alles gut. Die Helfer an der Strecke freundlich, die Zuschauer positiv – so konnte ich das Ziel, das ich zuvor für nicht so wichtig erachtete, ungefährdet erreichen: Ab aufs Boot. Die Pflicht erfüllt, die Kür genießen. Das habe ich dann auch getan und am Ende ist es doch schön, das zu erreichen, auch wenn es sportlich machbar – aber eben nicht selbstverständlich ist. Es sind genug an der Herausforderung gescheitert.

Dreckige Angelegenheit, der Radsplit des Tri Islands

Der Tri Islands ist auch ein Logistik-Wettbewerb, der Five Bags-Triathlon des Hobbysports. Durch die Verteilung auf drei Inseln ist umsichtige Planung nötig. Es gelang mir, rechtzeitig zu erkennen, dass mein Smartphone wohl am besten am Fahrrad bleiben sollte – ich hätte es auf jeden Fall, auch wenn ich den Cut Off nicht packen sollte. Und ich könnte erstmalig in all den Jahren im Wettbewerb fotografieren und filmen. Und von unterwegs per Livestream senden. Auch daran erkennt man – nach dem Radsplit war der persönliche Sieg erreicht.

Und vielleicht gelingt es mir in den Videos ein wenig mehr von der Begeisterung zu vermitteln, mit der ich erneut dabei war.

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