Test Garmin fenix5 – Die Wahrheit über die Form?

Wer will es schon immer so genau wissen? Gut geschlafen, gut trainiert? Form geht aufwärts? Oder abwärts? Wer es nicht wissen will – hier endet der Text für Sie. Gehen Sie raus, genießen Sie das Wetter, freuen sich des Lebens.

Willkommen an all jene, deren Hunger nach Analysewerten dem nach Chips oder Schokolade kaum nachsteht. Die Garmin fenix5 ist von der Software und den Funktionen der eifrigste Datensammler in dem Portfolio des amerikanischen Unternehmens. Sie ist das gemeinsam mit der Forerunner 935, die ich in einem ersten Prototypen-Test hier schilderte.

Wer also etwas zu den Basisfunktionen und der generellen Funktion der Uhr wissen möchte, ist dort gut bedient. So viel sei gesagt: GPS, HF-Genauigkeit, Akkulaufdauer, etc. – alles tiptop. Auch im Langzeittest mit der fenix5 – Akku, bis man vergessen hat, wo das Ladekabel liegt, Allzweckmesswaffe für jede Sportart, Smartwatch und und und.

War da was? Den Tag zuvor bin ich 300 Kilometer Rad gefahren. Unsinn oder Wahrheit? Es entsprach aber meinem Körpergefühl.

Hier in diesem Text möchte ich mich mit den Dingen beschäftigen, die über das bloße Erfassen von Daten hinausgeht – der Analyse. Was bedeutet es, dass ich eine bestimmte Strecke in einer bestimmten Zeit mit einer bestimmten Herzfrequenz gelaufen oder geradelt oder geschwommen bin?

Die fenix5 (und folglich die Forerunner 935 auch) interpretieren das auch. Nun sind diese Funktionen keine ganz große Neuheit, in Ansätzen gibt es das schon länger, sowohl bei Garmin als auch bei anderen Anbietern wie Polar. Die Interpretation der Daten soll dem Athleten helfen, den Trainingsfortschritt einzuschätzen, oder auch zu erkennen, wann man es übertreibt. Viele Menschen haben vor allem mit diesem Punkt Probleme.

Die Datenmengen, die Geräte wie die fenix5 erheben, sind so umfassend, dass sich die dahinterliegende Software einen Reim darauf machen kann, wie es mir so geht. Das reicht von eher statistischen Auswertungen, die die Aktivität an bestimmten Tagen auswertet – „Du hast dich an diesem Donnerstag mehr bewegt als sonst an Donnerstagen“ – bis hin zu stundengenauen Angaben, wie lange eine Pause bis zu einer ähnlichen Anstrengung einzuhalten sei.

Sie kondensiert das alles solange zusammen, bis sie sich in Form von zwei Pfeilen dazu hinreißen lässt, zu beurteilen, ob die Fitness nach oben oder unten geht und die Belastung ebenso. Ich befinde mich seit Wochen im Modus Formaufbau. Und ich habe keine Ahnung, ob das in Level gesprochen noch Einsteiger oder schon Ende ist.

Im Großen und Ganzen kann ich jedoch mit den Einschätzungen der Uhr leben. Sie spiegeln meist das, wie ich mich fühle. Mit anderen Worten – ich bräuchte sie eigentlich nicht, aber es gibt halt eine zweite Meinung.

Für die fenix5 gilt jedoch: Sie benötigt für die möglichst präziseste Auswertung etwas, das die Uhr wiederum eigentlich nicht braucht: Den Brustgurt. Für das einfache Messen der Herzfrequenz bin ich seit diese Technik verwendet wird ausreichend gut mit der optischen Messung am Handgelenk gefahren. Das erleben viele Nutzer anders, bei ihnen weicht die Herzfrequenzmessung am Arm erheblich – und damit ohne jede Aussagekraft – von der mittels Brustgurt ab. Fürs letzte Quentchen Genauigkeit bin ich dann eben doch wieder mit Gurt gelaufen, deren neuesten Varianten immerhin nicht mehr hässliche und schmerzende Wundscheuerungen verursachen.

Der Rekord ist mit dem Zurücksenden der Uhr auch futsch von meinen Messgeräten.

Sieben Tage verlangt die Software der Fenix, um einen besser kennen zu lernen. Möglichst mit Wattmesser beim Fahrrad und Brustgurt beim Laufen. Dann – so sind nun nach mehr als acht Wochen meine Erfahrungen – ist das ein überraschend gutes Hilfsmittel.

Letztlich misst die Uhr mit ihren Hilfen, wie gestresst ich bin. Sei es als 3-Minuten-Test der Herzfrequenzvariabilität. Ist die ein wenig stotterig, ist der Körper nicht so ausgeruht, dass er schon wieder belastet werden sollte. Liegt er hingegen im grünen Bereich oder gar bei 1, dann ist das ein Hinweis, dass eine knackige Einheit drin ist. Die Werte deckten sich im Prinzip immer mit meinem Körpergefühl. Bin ich fit? Bin ich locker? Zumindest über die Ausdauer traf die Uhr meine eigene Wahrnehmung ziemlich genau. Was sie natürlich nicht kann: Messen, wie es meinen Knochen oder Muskeln geht.

Nun witztelte ich unlängst nach der Teilnahme am Canyon Nightride über die Ansicht der fenix5, dass ich mich nur moderat belastet habe. Nun wird es etwas schwierig – ja, schon, sicher, das ist weit, das ist lang, das ist anstrengend, etc. etc. etc.. Ich bin auch kein Übersportler. Fakt ist aber auch, dass ich bei der Ausfahrt mich stets topfit gefühlt habe und auch am Tag darauf munter war. Was vor allem damit zu tun hat, dass die Ausfahrt eben kein Rennen war, wo es um Gedeih und Verderb um eine gute Platzierung ging, sondern eine Ausfahrt in einer großen Gruppe. In Korso ist die Distanz von 300 Kilometern einfach bei nahezu null Anstiegen einfach viel leichter zu bewältigen, als es 200 Kilometer allein sind.

Was nützt mir das alles nun? Nach nunmehr gut fünf Jahren, in denen ich Pulsuhren nutze, um mein Training zu protokollieren und im Marathon als Kontrolle nutze, um nicht zu schnell loszurennen, komme ich an den Punkt, wo mir die Auswertung der Körperdaten auch hilft, mein Training über einen Zyklus zu steuern und sinnlose Einheiten – mehrfach das gleiche bei gleicher Anstrengung – zu erkennen. (Und im nächsten Schritt zu vermeiden, wenngleich mein Leben nun mal nicht das eines Profisportlers ist, und ich auch künftig mit dem Rad zur Arbeit fahren werde, wenngleich das an vielen Tagen eigentlich nur meine Form erhält, aber sicher nicht mehr steigert.)

Im Idealfall hätte ich einen Trainer, der die Daten betrachtet und auswertet und einordnet und das Training entsprechend anpasst. Wie vermutlich die Mehrheit auch der ambitionierten Hobbysportler habe ich aus verschiedenen Gründen keinen. Umso mehr achte ich auf das, wie ich mich fühle, um nicht in das Risiko zu geraten, zu VIEL zu trainieren.

Die fenix5/935 ist dabei in meinen Augen ein Werkzeug, um den eigenen Eindruck abzugleichen und Rückmeldung zu erhalten. Und dann entsprechend das Training zu steuern. Allein darauf verlassen würde ich mich sicher nicht. Aber es unterstützt mich im Bemühen, neben dem normalen Leben, meinem Körper das abzuverlangen, was im Rahmen des Lebens möglich ist.


Vielleicht geht dieser Test an vielen Fragestellungen vorbei, den viele an die Uhr haben: Bitte in den Kommentaren die Fragen stellen, ich versuche, es so gut wie möglich zu beantworten.

Die wohl drängendste vieler Athleten wird vielleicht sein: fenix5 oder 935? Ich persönlich habe mit recht schmalen Handgelenken deutliche Einbußen beim Tragekomfort der fenix5. Sie ziepte, sie klemmte, ich spürte sie – zu meinem Arm passte die deutlich leichtere 935 besser. Ich kann nur intensiv dazu ermuntern, die Uhren mal anzulegen und auszuprobieren. Die beste 24/7-Messung nützt nix, wenn man die Uhr irgendwann lieber ablegt, weil sie scheuert.

 

 

 

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Alle Kommentare [1]

  1. Vielen Dank für diesen Beitrag, das hilft mir wirklich weiter! 🙂

    Viele Grüße, Sandra