E-Book-Studie: Gefährlicher Irrglaube

Nirgends werden so viele E-Books verkauft wie in Nordamerika. Europa scheint abgehängt. Doch die Zahlen sind keine gute Nachricht für die Verlage – sondern eine Warnung, wie eine neue Studie zeigt.

Denn elektronische Bücher werden sich auch in Europa durchsetzen. Und dann wird sich der Markt radikal verändern. „Die meisten Buchläden werden sterben“, schrieb der Autor Tom Hillenbrand kürzlich hier im Blog und löste in der Branche eine heftige Debatte aus.

Leider rechnen sich zu viele Verlagsmanager die aktuelle Lage schön – im gefährlichen Glauben daran, dass es schon nicht so schlimm kommen werde. Das Ergebnis: Spannende Projekte kommen – wie so oft im Netz-Bereich – vor allem aus dem USA. So gibt es dort zig Startups, die dabei sind, das Buch neu zu erfinden. Vor allem für Kinderbücher gibt es dort tolle Ideen.

Dabei wird das E-Book bald auch in Deutschland zum Bestseller, schätzt PwC in einer aktuellen Studie: Im Jahr 2015 dürfte der Umsatz mit digitalen Titeln allein im Bereich Belletristik rund 350 Millionen Euro erreichen. Das entspräche einem Marktanteil von 6,3 Prozent. Dafür muss auch der Markt der Endgeräte zulegen: Bislang, so schätzt PwC, würden in Deutschland erst rund 80.000 elektronische Lesegeräte wie Kindle oder Sony Touch verkauft. Doch 2015 könnten es schon 2,5 Millionen sein.

Vielsagend auch ein weiteres Ergebnis der Studie: So wissen laut PwC mehr als die Hälfte der Deutschen nicht, was genau sich hinter dem Begriff „E-Book“ verbirgt. Noch weniger können etwas mit „E-Reader“ anfangen: Nur ein Fünftel der Konsumenten wusste, was mit dem Wort gemeint ist.

So viel zum Hightech-Land Deutschland.

Interessant auch folgende Zahlen: 2012 werden in Deutschland nur 20 Millionen Euro mit digitalen Büchern umgesetzt. Das liegt auch am Angebot: Bislang sind laut PwC nur acht Prozent aller lieferbaren Bücher elektronisch verfügbar. Hinzu kommt der – wir sprachen darüber – hohe Preis von E-Books in Deutschland. „Derzeit kostet die digitale Ausgabe eines Hardcover-Bestsellers im Durchschnitt rund 15,50 Euro und damit lediglich drei Euro weniger als das gebundene Buch“, schreiben die PwC-Experten. Bei Taschenbuch-Bestsellern beträgt der Preisvorteil von E-Books sogar nur 50 Cent.

Ein Grund dafür ist auch die unterschiedliche Besteuerung von gedruckten und virtuellen Titeln: Auf Printbücher fällt mit sieben Prozent ein reduzierter Mehrwertsteuersatz an, bei E-Books schlägt der Fiskus mit 19 Prozent zu.

Den Kunden ist das egal, sie kaufen die teuren elektronischen Titel nicht. Viele besorgen sich die Bücher stattdessen illegal, wie diese Grafik zeigt.

Allein das schon wäre Grund genug, endlich mit voller Kraft auf das neue Geschäft zu setzen. Leider ist davon bislang wenig zu sehen.

(Mit Dank an das Datenportal Statista)

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Alle Kommentare [4]

  1. Ich hoffe, daß zumindest in Europa und Deutschland Buchhandlungen nicht aussterben. Damit wäre wieder ein Stück Kultur für immer weg. Man kann und sollte nicht alles in die digitale Welt verlagern. Das Stöbern in Buchhandlungen ermöglicht erst, neue Bücher zu entdecken.

    Und wenn man bedenkt, was später in 200-300 Jahren von und noch übrig bleibt. Nur noch digitaler und unpersönlicher Kram, sofern er noch lesbar ist.

    Echte Bücher sind ein Stück KULTUR und dieses und Buchhandlungen sollte erhalten bleiben!!

  2. Stein/Holztafeln mit Keilschrift, Papyrus, handgeschriebene Schriftrollen, Schreiberlinge usw. waren auch ein Stueck Kultur bis sie von Papier bzw. auch dem Buchdruck abgeloest wurden. Da Papier auch nix anderes als ein Medientraeger ist, der natuerlich als Massen-Angelegenheit vorhersehbar von der Elektronik verdraengt werden wird (museal-kultige Nischen ausgenommen), gehts letztlich um das immer gleiche: pure Gewoehnungspraegung. Entscheidend sind ansonsten immer noch die Inhalte, nicht die Plattform. Ein EReader ist besser als ein Papierbuch und wird sich folgerichtig durchsetzen (bzw. zusammen mit sonstigen elektronischen Plattformen). Und das ist auch gut so. Leute, die noch Papierbuecher gewoehnt sind, werden aussterben, andere werden den Kopf schuetteln, an was manche mal wieder ohne Geschichtskenntnisse festgehalten hatten – wie halt bei allen Innovationen. Das immer gleiche Lied. Geht eh insgesamt immer nur um Gewoehnung und Umgewoehnung. Manche sind offener, andere brauchen mal wieder laenger und reflektieren ihre Praegungsabhaengigkeiten ueber die wesentlichen Inhalte und Vorteile. Thats life …