Infografik-Interview (4): Die Sparhelfer

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Wenn Lena Sönnichsen und Moritz Corbelin nicht gegründet hätten, wären sie gerne um die Welt gereist – bewaffnet mit Kamera und Notizblock. Aber daraus wird wohl für längere Zeit nichts: Ihr Hamburger Startup Cashbits hat seinen Umsatz im Dezember gegenüber dem Vormonat vervierfacht, im Januar geht es ähnlich gut weiter. Das macht Arbeit – so viel, dass das Gründerduo inzwischen einen Entwickler eingestellt hat, zwei Praktikanten beschäftigt und weitere Mitstreiter sucht. Die Spaß- und die Mitarbeiterkurve zeigen nach oben (siehe Grafik).

Die Geschäftsidee der beiden: Ein Online-Bonusprogramm, mit dem Internet-Nutzer beim Einkaufen im Netz „Cashbits“ sammeln und so Geld sparen können. Das klingt erstmal nicht wirklich neu. Aber Sönnichsen und Corbelin wollen gezielt kleine und mittelgroße Webshops ansprechen und ihnen ein Tool bieten, das sich leicht integrieren und ohne großen Aufwand nutzen lässt. Den Händlern sollen die Cashbits neue Kunden bringen und alte an sie binden, die Kunden bekommen Rabatt – zwei Prozent vom Bruttoumsatz. Weitere zwei Prozent bekommt das Startup.

Für diese Idee haben Sönnichsen und Corbelin einiges riskiert: Sie gab ihren Job als PR-Beraterin auf, er quittierte den Dienst als Unternehmensberater. Und sie haben sich durch einige Aufs und Abs gekämpft, wie die Infografik zeigt: Einige Monate nachdem Sönnichsen ihren Job gekündigt hatte, platzte der sicher geglaubte Gründerkredit. Kurz dachten beide Gründer sogar daran, das Projekt zu beerdigen. Dann investierten drei Business Angels einen sechsstelligen Betrag und Cashbits konnte an den Start gehen.

Die nächste Hürden: Der Launch der Website, der sich um zwei Wochen verzögerte. Und: „Anwälte über die Marathon-Distanz. Eine sehr mühsame Entwicklersuche mit vielen mittelguten Bewerbungsgesprächen. Ein paar Mal knapp vorbei an Treppchen, Pokal oder Geld bei irgendwelchen Wettbewerben. Stress. Und Wahnsinn.“

Der Wahnsinn hat sich offenbar gelohnt: Laut Sönnichsen machen inzwischen 32 Shops bei Cashbits mit, weitere 20 sind „in der Pipeline“. Schlaf gönnen sich die beiden Gründer im Moment kaum noch. Ihr Fazit nach dem ersten Jahr: „Die Entscheidung gegen feste Jobs und für die Selbstständigkeit war großartig. An alle, die zweifeln: tut es. Es lohnt sich.“

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Über Jens Tönnesmann

Jens Tönnesmann, 36, ist freier Journalist. Seit 2008 berichtet er als Gründerreporter für die WirtschaftsWoche über junge Unternehmen und Trends in der Gründerszene und koordiniert den WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb. Außerdem lehrt er an der Kölner Journalistenschule, an der er das journalistische Handwerk selbst gelernt hat. Parallel zur journalistischen Ausbildung hat er Volkswirtschaftslehre und Politik in Köln und Vancouver studiert. An der University of British Columbia belegte er einen Entrepreneurship-Kurs, der mit einem Businessplanwettbewerb endete. Seitdem weiß er, wie schwierig es ist, eine tragende Geschäftsidee zu entwickeln, und wie leicht die Arbeit fällt, wenn man die zündende Idee gefunden hat und für sie brennt.

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Alle Kommentare [3]

  1. Feine Idee! geschäftsmodell illustrieren ist gar nicht so leicht, v.a. wenns ein ungewönhliches ist!