Wo Geld den sportlichen Erfolg besonders beeinflusst

Titel lassen sich in der Bundesliga kaum kaufen – im Gegensatz zu anderen Sportarten. Trotzdem haben Anhänger reicher Clubs einige Vorteile.

In dieser Saison verdirbt die Eintracht den Statistikverderber und das gleich zweimal: Die Frankfurter in der Bundesliga und Braunschweig in der Zweiten. Überraschend zeigen beide Clubs, dass kein Spitzenetat dafür nötig ist an die Tabellenspitze mitzuspielen – zumindest in dieser frühen Phase der Saison. Ob und wie lange sich beide dort oben halten können, muss man erst einmal sehen – doch ganz aussichtslos ist es nicht.

Denn der sportliche Erfolg im Fußball hängt weit weniger vom Geld ab, als man allgemein vermutet – behauptet jedenfalls Robin Wankerl, Absolvent des Studiengangs Sportmanagement in seiner Abschlussarbeit an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation. Demnach zeigte sich nur in einem Drittel aller untersuchten Fälle ein Zusammenhang zwischen Etat und Tabellenplatz. Wankerl hat in der Untersuchung die Ergebnisse der Fußballbundesliga für die letzten zehn Jahre in einer Regressionsanalyse mit den Etats ins Verhältnis gesetzt.

Zudem vergleicht die Studie den Effekt in unterschiedlichen Sportarten. Der deutlich größte Zusammenhang zeigte sich im Handball, wo das sportliche Abschneiden in fast drei Vierteln aller Fälle vom Budget abhing. Beim Basketball ist es immerhin knapp die Hälfte, den geringsten Wert gibt es beim Eishockey mit 18 Prozent.

„Im Fußball ist das Spiel so angelegt, dass nicht-monetäre Faktoren wie Glück oder Pech, Schiedsrichterentscheidungen oder auch die Tagesform der Spieler eine größere Rolle spielen als im Handball“, erklärt sein Betreuer André Bühler. „Dort kommt ein Klassenunterschied zwischen qualitativ guten und qualitativ weniger guten – und damit zwischen teuren und billigeren – Mannschaften deutlicher zum Vorschein.“

Das bestätigt auch die Ergebnisse früherer Untersuchungen. So wiesen im Zusammenhang mit Prognosen zur EM DIW-Wissenschaftler darauf hin, dass der Zufall im Fußball eine weit stärkere Rolle spielt, als bei anderen Sportarten (in K.O.-Turnieren wirkt sich das noch viel stärker aus, als in Meisterschaften). Auch in dem Buch „Warum England immer verliert“, der deutschen Ausgabe von „Soccernomics“, schreiben Simon Kuper und Stefan Szymanski: „Tatsächlich gibt es zwischen der Ablösesumme, die ein Club ausgibt, und dem schließlich erreichten Tabellenplatz kaum eine Beziehung“. Eine Analyse der Ausgaben englischer Clubs zwischen 1978 und 1997 hatte ergeben, dass nur in 16 prozent der Fälle die Ausgaben eine bessere Platzierung zur Folge hatten.

Doch für Fans reicher Fußballclubs gibt es auch einige positive Nachrichten: Sie können zumindest auf mehr Tore hoffen, denn mit 49 Prozent ist der Zusammenhang zwischen Treffern und Etat weit größer als beim Tabellenplatz. Zwar gibt es positive Ausnahmen, wo „80 Tore auch von etatschwachen Vereinen erreicht wurden“. Doch bei den Großkopferten gab es keine negative Extremwerte, sprich: wenn die Spieler nur teuer genug sind, wird zumindest ein gewisses Minimum an Toren erzielt.

Und auch wenn der Meistertitel also schwer zu kaufen ist, lässt sich zumindest die Abstiegsgefahr mit Geld minimieren: „Vereine mit einem überdurchschnittlichen Etat können minimal mit ca. 40 Punkten pro Saison rechnen“. Achja, der Durchschnittsetat im betrachteten Zeitraum beträgt knapp 32 Millionen Euro.

 

 

 

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Alle Kommentare [1]

  1. Wenn man versucht, eine „wissenschaftliche“ Untersuchung allgemeinverständlich zusammenzufassen, sollte man sich mit den Grundlagen der Statistik vertraut machen.

    Bei einem Korrelationskoeffizienten von -0.57 zwischen Etat und Tabellenplatz davon zu sprechen, dass sich „nur in einem Drittel aller untersuchten Fälle ein Zusammenhang zwischen Etat und Tabellenplatz“ zeigt, ist mMn sehr irreführend. Dass die Pressemeldung zu der Studie genauso unpräzise ist, macht die Sache nicht besser.

    Ich empfehle die Lektüre dieses Artikels: http://sabermetricresearch.blogspot.de/2006/08/on-correlation-r-and-r-squared.html