Hermann Sendele ist tot

Die deutsche Personalberaterbranche hat Anfang September eine ihrer bekanntesten Persönlichkeiten verloren. Im Alter von 75 Jahren verstarb Hermann Sendele.

Er war ein Personalberater der alten Schule. Ein stiller Jäger. Dabei ging Hermann Sendele von seinem Büro im Münchener Nobelviertel Grünwald aus regelmäßig auf Großwildjagd. Seine Trophäen: Vorstandsvorsitzende, Bereichsvorstände oder Geschäftsführer. 25 Jahre lang war Hermann Sendele im Feld des Executive Search, der diskreten Direktansprache von Top-Führungskräften, unterwegs.

Neben dem großspurig auftretenden Dieter Rickert und dem früheren Egon Zehnder-Partner Heiner Thorborg galt Sendele als einer der heimlichen Strippenzieher der deutschen Wirtschaft. Er genoss das Vertrauen der Aufsichtsräte zahlreicher Dax-Dickschiffe und Familienunternehmer – von der Deutschen Bank über die Telekom und Wacker Chemie bis Tchibo. Als Headhunter vermittelte er Topmanager wie Ex-Linde-Chef Wolfgang Reitzle oder auch Ex-Hypovereinsbankmanagerin Christine Licci (heute: Christine Novakovic) an die Spitzen der deutschen Wirtschaft.

„Wenn Sendele seine Angel auswirft, beißen nur Haifische und Barrakudas an“, beschrieb einst der Aufsichtsrat eines Großkonzerns Sendeles Arbeitsweise. Er selbst bezeichnete sich schnörkellos als „Dienstleister im Hintergrund“ und war doch auch Kosmopolit.

Als er 1989 mit 48 Jahren in die Personalberatung einstieg, hatte er bereits eine erfolgreiche Karriere in der Industrie hinter sich. Geboren am 26. April 1941 in Kellmünz im Allgäu, kehrte Sendele bereits mit 18 Jahren Deutschland den Rücken und machte sich auf nach New York, um dort Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft zu studieren. Auch nach dem Studium blieb er New York treu, heuerte als Trainee bei BASF an. Später leitete er das Verkaufsbüro des Chemiekonzerns in Nordamerika. Nach einer Station bei Xerox entschied sich der Manager auf das Feld der Personalberatung zu wechseln.

Bis 1997 war er für den damaligen Marktführer im deutschen Personalberatergeschäft Mülder & Partner tätig. Als Mülder von dem amerikanischen Personalberatungskonzern Heidrick&Struggles übernommen wurde, wechselte Sendele als Deutschland- und Vize-Europachef zu dessen Wettbewerber Spencer Stuart. 2003 gründete er mit Kollegen das kleine, aber feine Personalberater-Netzwerk Board Consultants International. Jetzt wird sein Sohn Kristian Sendele das Büro und die Geschäfte der BCI – Sendele & Company GmbH weiterführen.

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