Europas Schuldentollhaus

Ist die Bundeskanzlerin nun in der Euro-Frage vor der lateinischen Front der drei Schuldenstaatsmänner Monti, Hollande und Rajoy eingeknickt oder nicht? Oder wurde sie gar reingelegt, weil nachts um vier die Beschlüsse der Regierungsschefs nur vom italienischen Regierungssprecher gemäß seiner Interpretation vorgetragen wurden, während Merkels Medienmann Steffen Seibert schon wohlverdient im Brüsseler Schlummerbettchen lag? Das sind Fragen, über die man lachen könnte, wenn es im europäischen Schuldentollhaus nicht um lebenswichtige Fragen ginge. Darüber gehen manche Themen verloren: Etwa, dass wir zwar an der Regierungskunst herummäkeln – aber das totale Oppositionsversagen gar nicht mehr bemerken.

In der Demokratie ist ja die Opposition so wichtig wie die Regierung; nur eine kritische und unbeeindruckbare Opposition kann dafür sorgen, dass der schlimmste Murks verhindert wird. Seit sich das England Heinrichs III. im 13. Jahrhundert in einer ständigen Finanzkrise befand und unter der Inflation litt, wurde die Magna Charta die Grundlage für das Verhältnis zwischen Regierenden und Regierten. Es ging immer ums Geld, das die Regierung ausgeben will, während ihr die Opposition in den Arm fällt. Nur in Deutschland ist es anders; unsere rot-grünen Super-Oppositionellen fordern die Regierung auf: Zahl schneller! Zahl mehr! Hau raus die Kohle! Rettet Griechenland, Spanien, Zypern! Sonst noch wer, wer hat noch nicht – jedenfalls weg mit den Milliarden!

Euro-Bonds und Bankenunion, immer neue Milliarden für Banken und Bankiers allüberall, jede Maßnahme wird heftig begrüßt, auch wenn sie ganz offensichtlich langfristig niemandem nutzt und nur deutsche Kassen leert. In solchen Verhandlungen, wie sie derzeit geführt werden, ist eine widerborstige Opposition hilfreicher als eine willfährige, weil sie der Kanzlerin eine Wand hinter den Rücken stellt und sie donnernd festlegt: Bis hierher und nicht weiter.

In Deutschland ist da eine Leerstelle; die Verbrüderung der deutschen Sozialdemokraten mit den französischen Sozialisten wollen wir lieber gar nicht mehr bemühen, sie ist mittlerweile den Genossen ja schon selbst peinlich genug. Nun übernimmt eine außerparlamentarische Opposition deren Geschäft – Bundesverfassungsgericht, Medien und immer mehr protestierende und prozessierende Bürger wenden sich als neue Apo gegen die milliardenteuren Husch-husch-Gesetze im Parlament.

Gerne versorgen wir Sie mit den Fakten, etwa zur Sicherheit der Banken. Vielleicht staunen auch Sie, dass nach dem Rückzug der Commerzbank aus der Schiffsfinanzierung neuerdings griechische Reeder die deutsche Handelsflotte aufkaufen; woher nehmen die wohl die Millionen? Achten Sie auf’s Geld, prüfen Sie, ob Sie nicht doch eine Police der Volksfürsorge Ihr Eigen nennen, und kehren Sie den Rest für schöne Urlaubslektüre aus. Eine Bücherliste finden Sie im Heft, und wenn wir Ihnen im Urlaub fehlen sollten, was ich zu hoffen wage: Wir sind nur einen Klick weit von Ihnen entfernt, per PDF auf dem Laptop oder als App auf dem iPad können Sie uns überall lesen.

Wir freuen uns, dass die WirtschaftsWoche nach dem „Spiegel“, dem „Wallstreet Journal“ und der „Financial Times“ aus London das am häufigsten zitierte Medium zu Wirtschaftsfragen ist – vor allem, was sonst noch gedruckt und gesendet wird in diesem schönen Land.

Ihnen in jedem Fall schöne Tage.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*



Alle Kommentare [163]

  1. @ dtesch,
    mal ernsthaft:

    Man kann der „Pfeife“ nun nicht vorwerfen,
    daß sein Nachfolger sich zu den „Ahnungslosen“ gesellte.

    Die „Pfeife“ wollte ein Europa auf „Augenhöhe“.
    Die Maastricht-Kriterien dienten dazu.
    Wenn sich jeder daran hielt, brauchte nicht die poltische Selbstbestimmung,
    die grandiose Vielfältigkeit in Europa aufgegeben werden.
    Wem dies nicht zusagte, ja, der konnte wieder „aussteigen“.
    Soviel Demokratie war da.
    Auch die Länder, die Anfangs über den Kriterien lagen,
    waren auf gutem Wege.
    Ja, bis „Ahnungslose“ das Ruder übernahmen.
    Man kann der Kanzlerin heute „Richtunglosigkeit“ vorwerfen,
    aber nicht ihr Bestreben, Solidität wieder herzustellen.
    Auch ein Segel-Schiff auf hoher See muß sich nach dem „Wind“ richten.
    Nur „Flugzeugträger“ brauchen das nicht.

    Die Brüsseler „Gurkenkrümmer“, ja, die haben ihren Job noch nicht so richtig „kapiert“.

    Gruß
    karel

  2. @Magic
    Von Deinen gesundheitlichen Problemen wusste ich nichts. Das tut mir leid. Vielleicht führt das hier zu weit, aber egal was es ist, mein Rat wäre, gehe zu Schmidt, nicht Schmidtchen.

    Dabei wäre Eysel wohl der bessere weil kompetentere Ansprechpartner, aber trotz aller Gefechte, das tägliche Brot in der Arena TiTo, das wünscht natürlich keiner den langjährigen Diskussionsgefährten.

    Was generell hilft ist viel Sex, dumm daher reden, Witze reißen, fröhlich zu sein, neugierig zu bleiben, mal kurz gesagt, die Kampfkraft hoch zu halten.

    Hm, entwickle doch noch mal ein paar neue Ideen. Also wenn Du einen Londoner Austauschstudenten bei Dir hast, was ist denn mit dem Knaben aus der Ukraine? Der Londoner kann bestimmt gut handeln, der aus der Ukraine Rohstoffe fördern, wie wäre es mit einer Art Chemnitz Commodity Exchange? Na? Komm schon, a bisserl woas geht imma … 😉

    Aber ernsthaft, achte auf Dich, was wäre ein Dorf ohne Magier …

    also halt die Ohren steif, auch wenn der Rest runter hängt …

    Gruß
    Pampa

  3. 8.09 Uhr„..dann steck dir den Kaffeelöffel doch mal in den Pit-Bull-Arsch“

    Wenn das jetzt der Gut-Morgen-Gruss eines Beamten ist, weiß ich auch nicht so recht, wie der ankommt, bei den Ameisen.

    Ich hätt´ eigentlich gedacht, es steckte etwas mehr drin…?

  4. ..dann steck dir den Kaffeelöffel doch mal in den Pit-Bull-Arsch, aber lass dir Zeit dabei und bedenke das Risiko. Du könntest auf über 40 Jahre schlecht Verdautes treffen und dann verbiegt sich das Löffelchen, nicht vor Lachen, sondern vor Übelkeit.
    ..
    Maa kann nur inständig hoffen, dass die ersten Reihen in diesemn land frei gehalten werden von solchen „Bullen“, verstäää
    Grüße vom grünen Band der Sympathie( vormals) heute unterwegs als „Gürtellinie“ auf Knöchelhöhe.

  5. ja ja, son of a gun, too much risk, no fun 😉

    aber in der Tat habe ich mal zwei Monate in einem Zelt neben einem neusändischen Cheesemaker (Schafe) bei einem Trek durch die Südstaaten der USA übernachtet. Der hat mir das Oxford English versaut… 🙂

    Dieses hi, ni, kriegt man wirklich schlecht wieder raus, auch die Attidüde fuck up John Denver songs Das ist bei sächsischen Verwaltungsfritzchen auch sehr behilflich, wenn ich zu mir sage, almost heaven, of wet my finger … wie war das, Abs, Piech und seine Frau? Piech hatte vier davon, und zwölf Kinder, damit nach seiner Aussage wenigstens ein vernünftiges dabei ist. Ich dachte heute morgen, mir fällt der Löffel aus dem Kaffee, offensichtlich bestimmt der Schein das Bewusstsein.

    Aber ich höre auch auf meine Frau und sage ihr dann, was sie machen soll. Das habe ich im Strategic Human Ressource Management gelernt … toll, oder? Ich kenne ein Marketing-Fritzchen, der im Studium an der Tanke jobte und das im CV Secondary Fuel Manager nannte. Quasi zwei unter Scheich oder Öl-Tycoon.

    Ich höre mal lieber auf … 😉

    Pampa Bull

  6. Richtig Eysel 13.19, kämpfe oft mit dem gleichen Phänomen. Versuche aber, mich davon möglichst wenig beeindrucken zu lassen.

    Nichtwissen lässt sich auch nicht mit Wissen bekämpfen (endet oft in der besagten Besserwisserei), (neues) Wissen entsteht nur durch ´riskieren`, der Wissenschaftler würde wohl ´experimentieren` sagen. Die Wissenslücke muss gefüllt werden, sie muss ´getan` werden!

    Bsp: So habe ich 82 m ein Loch in die Erde bohren lassen, `ohne zu wissen` – und siehe da, jetzt weiss ich, dass Wasser ist, wo vorher keines war !, soviel, dass ich 5000 Menschen damit versorgen kann. „Der Mut zur Lücke“, ist, was mich reizt, schon immer. Ist in Schulmeisterns Zeiten verpöhnt, mit der Ansicht werde ich im (mitteleuropäischen) mainstream bestenfalls belächelt, bedauert, verhöhnt. Na und? …. Wir brauchen ja auch Beamte… als Antriebsfeder jeder Neuerung….HoHoHo …. Nb: Denen geht aber grad der Arsch auf Grundeis, weil sie eben nichts ´riskiert` haben, alles weiter wie bisher, – und damit ´Alles` aufs Spiel setzen. Verschdää…? … erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt, das sollte man zumindest in diesem Leben schon in sich aufnehmen..

  7. Es fällt mir immer wieder auf,
    dass gerade diejenigen die auf der „Unwiderlegbarkeit“
    oder der „Exklusivität“, oder „Weitsichtigkeit“, oder „Ausgewogenheit“
    ihres angeblichen Wissens am hartnäckigsten beharren
    am wenigsten Toleranz Andersdenkenden gegenüber erkennen lassen.
    Die von dieser Spezies nicht selten ganz besonders betonte Bereitschaft zu lernen steht in auffälligem Widerspruch zur Hartnäckigkeit (der angeblichen Alternativlosigkeit) mit der sie ihre Position vertreten.
    Was nur bedeuten kann,
    dass einzig diese Spezies die Fähigkeit zum Lernen besitzt.
    Merkwürdig nur, dass all die Konzepte die von dieser Spezies so leidenschaftlich angepriesen werden, schon eine beträchtliche Anzahl von recht dramatischen Bauchlandungen hinter sich haben.
    Nach meiner unmaßgeblichen Erfahrung eröffnen sich regelmässig zwei neue Fragen, wenn man gerade eine halbwegs beantwortet hat.
    Diese Erfahrung scheint obiger Spezies zu fehlen.
    Sie scheint am Quell der Weisheit angekommen zu sein.

  8. Es fällt auf, Pampa: du schließt von dir auf andere oder auf solche die dein Bewußtsein gerade am meisten beschäftigen.
    Für meinen Teil merke dir bitte: ich ziehe dritte Meinungen hinzu und frage nach Rat, ich beneide niemanden, allenfalls solche Zeitgenossen, die im Laufe ihres Lebens Eigenschaften, die ich für wichtig halte, bewiesen,beibehalten und kultiviert haben, dazu gehören Kurt Schumacher, Hermann-Josef Abs; Ferdinand Piech (einer der Jüngeren) Felix Zimmermann (keine Person des überregionalen öffentlichen Lebens) und Helmut Schön…ach ja nicht zu vergessen meine liebe Frau, nicht zuletzt wegen des Mannes an ihrer Seite;-)

    Beste Grüße an die Algorithmen, die Matrizen, die Strukturen, die Spieltheorie, die Fummelpraxis und den net present value von all diesem Gerümpel und ganz besonders herzliche Grüße an den heroischen Kinderglauben in deinem Herzen von den Riskien dieser Welt, die immer dann, wenn ihnen danach ist, mit den Menschen machen, wonach ihnen gerade ist und das schon seit mehr als 5000 Jahren.

  9. Die werden doch nie gegeneinander antreten Pampa! Im schlimmsten Fall teilen die sich die Aufgaben: Der eine ist dann der ´Visionsmakler` und die Agenten der Mehrheit werden dann die ´Illusionsmakler`, (wenn denen die Visionen ausgehen sollten…) das Geschäft läuft immer, totsicher! Schafe drehen sich im Kreise und wollen gemolken werden, das war schon immer so, seit Schafsgedenken…

    +

    Eysel, Märchen sind manchmal wahrer, als Das, was man bisher für wahr genommen hat. … meine mehrmalige Änderung des nicks hat nicht den Grund, Euch zu ärgern. …. Der öffentliche Raum ist kein Kinderspielplatz, das habe ich schmerzlich und mit Beulen lernen müssen.

    +

    Und genau deshalb hau´mer nochmal rein:

    Der Umverteilungsstaat hat endgültig ausgedient

    http://www.welt.de/debatte/article108293458/Der-Umverteilungsstaat-hat-endgueltig-ausgedient.html

  10. Weißt Du Magic, Du störst Dich daran, wenn mal andere gelobt werden. Darf ich etwa nicht sagen, dass und warum ich Momhard gut finde, dass ich ein Unternehmen wie die MunichRe als extrem stark einschätze?

    Meinetwegen kannst Du mal versuchen mit der öffentlichen Verwaltung gegen sie anzutreten, was meinst Du, wie das ausgeht? So ähnlich nehme ich an, wie ein Achter ohne Steuermann, bei dem das Boot unter der Belastung des Körpergewichts so gerade nicht sinkt.

    Nach zwei Kilometern 1,9 Rückstand, aber immerhin hat die Verwaltung überlebt und trieb nicht aufs offene Meer hinaus, oder was …