Als ob nichts wäre

Als ob nichts wäre – Comme si de rien n’était – so lautet das neue Album Carla Brunis, der schönen, singenden Präsidentengattin. Es könnte auch das Motto der deutsch-französischen Beziehungen sein: Unter dem Verhandlungstisch treten sich Präsident und Kanzlerin ans Schienbein, oberhalb herzen und küssen sie sich, als ob nichts gewesen wäre. Im kommenden halben Jahr wird’s richtig lustig: Nicolas Sarkozy hat die EU-Ratspräsidentschaft inne, und schon in seiner Antrittsrede ließ er kaum etwas von dem aus, was dem rest-liberalen Wirtschaftskurs Deutschlands widerspricht: Europa, geht es nach Sarkozy, wird einen „Schutzwall“ gegen die Risiken der Globalisierung errichten, die Mehrwertsteuer auf Benzin und Heizöl deckeln, Strafzölle für die USA und andere Länder einführen, die nicht dem europäischen Emissionshandel folgen, und die Europäische Zentralbank von ihrem strikten Anti-Inflationskurs abbringen. Es ist das ganze Menü des traditionellen, französischen Wirtschaftsinterventionismus, das er serviert. In Hintergrundgesprächen hat er vermittelt, welcher „Horror“ ihn in Berlin erwarte und wie er sich von „Frankfurt“ terrorisiert fühle, jenem Synonym für den harten Bundesbankkurs im neuen Gewand der Europäischen Zentralbank. Bislang konnte Sarkozy sich mit immer neuen, spektakulär-populistischen Vorschlägen gegen die stille, aber wirksame Diplomatie von Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht durchsetzen. Als EU-Ratspräsident hofft er auf neue Dynamik, auch wenn die Deutschen immer wieder auf das Einstimmigkeitsprinzip in diesen Fragen setzten. Aber Merkel fällt es schwer, ihrem wichtigsten europäischen Partner immer wieder in die Parade zu fahren – Kanzlerin und Präsident brauchen einander jenseits der Wirtschaftsfragen. Zudem hat sie daheim am Kabinettstisch auch noch die opponierende SPD, gegen deren neu entflammte Liebe zum Staatsinterventionismus Sarkozy geradezu neoliberal erscheint.

Industriepolitisch verschärft sich der Konflikt. Schließlich war es Sarkozy in seinem Amt als Wirtschaftsminister, der mithalf, dass der kleinere Pharmakonzern Sanofi die deutsch-französisch austarierte Aventis übernehmen und zerschlagen konnte. Es war Sarkozy, der die bankrotte Alstom vor einer Übernahme durch Siemens mit einer Milliardenspritze rettete und diese Subvention gegen den
Widerstand Brüssels durchpeitschte.

Heute träumt Sarkozy von einem Riesen-Energiekonzern aus Alstom, Areva und Bouygues. Dazu müsste wiederum Siemens aus dem Nuklearkonzern Areva herausgedrängt werden, und es passt ins Bild, dass Martin Bouygues enger Freund des Präsidenten ist. So bastelt Sarkozy munter an nationalen Champions, die mit hohen Staatsanteilen auf Einkaufstour gehen – während ihr Heimatmarkt abgeschottet bleibt: Ungebremst expandieren der Pariser Verkehrskonzern Véolia und die staatliche Eisenbahn SNCF im deutschen Verkehrsnetz, während der französische Personen-Regionalverkehr im Monopol der SNCF verbleibt. Längst hat der Stromkonzern Électricité de France (EDF) über die EnBW die Finger am deutschen Stromschalter und streckt die Hand nach RWE aus – während deutsche Unternehmen östlich des Rheins bleiben müssen. Bei Airbus schließlich eskaliert der Kampf der nationalen Seilschaften um die Vorherrschaft auch mithilfe der französischen Justiz – Airbus soll französisch werden.

„Hohl“ sei die deutsch-französische Freundschaft, sagt Sarkozy. Wenigstens singt Madame le Président eine Melodie vom urdeutschen Romantiker Robert Schumann. Und Sie lesen bis zu meiner Rückkehr von meinem Frankreich-Urlaub bitte die Einblicke aus der Feder meines Kollegen Michael J. Inacker.

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Alle Kommentare [0]

  1. me, te, se, nous, vous vor le, la les setzt du wogegen man zuletzt lui, leur, y, on stets setzt um nochmal auf das Thema grand nation zurück zu kommen. Lässt man euch mal zwei Tage allein, schon kommt ihr auf den größten ….
    Lese gerade den Gärtner und seinen Öhilismus, da gibt es Seiten die kann man glatt weglassen, andere aber sind so gewinnbringend, dass es ein glatter Verlust fürs moselfränkische Leben wäre, sie nicht gelesen zu haben..

  2. @Esel, ich habe Ihren Namen ökonomisch rationalisiert, ist nicht böse gemeint. Aber 20 % Einsparung 😉

    Bedenken wir die Skalierungseffekte, was hilft bei ein paar Franken der Vericht auf Konsonanten wie T, P oder K? Richtig was her gäbe der offizielle Verzicht auf das R. 1,5 Milliarden Chinesen essen ohnehin jeden Tag Leis, wir müssten nur überlegen, wie war nacher Franken oder Bayern nennen. Flangen und Bayeln? 😉

    Schönes WE
    PCIIA

  3. SORRY!

    Es muss natürlich zunächst heissen:
    “Der Pferd der hat V I E R !!! Beiner.“

    Mist , hab zwischendurch auch noch was zu tun ….

  4. @ CIA,
    EINSPRUCH!
    Das ist nicht SIMPEL,
    das ist ausgesprochen Ö K O N O M I S C H !

    1.) Weglassung von Unwichtigem spart Zeit + ENERGIE. Beispiel: „E Ä s ü“. Verbraucht erkennbar weniger Zeit + Spucke (= Energie ) als: „Ein Ei ist übrig“.
    2.) Reduzierung der Anzahl der Buchstaben. Harte Konsonaten wie z.B. T, P und K werden durch weiche ersetzt. Macht Tastaturen kleiner, spart Plastik = Energie.
    3.) Gedankliche Vereinfachung setzt die Hirntemperatur herab ( = Energieersparnis ) und führt beispielweise zu folgender geradezu genialer Vereinfachung zahlreicher biologischer und menschschlicher Aspetke. Beispiel:
    “ Liegt der Bauer dod im Zimmer, lebt er nimmer“.
    Oder: „Der Pferd ( sic! ebenso wie DER! Schoglad ) der hat drei Beiner. Wenn er nur 3 Beiner häd, umfalln däd.“

    Zur weiteren Fortbildung empfehle ich ASTERIX auf frängisch: „Die Häibtling raffns aus“ …oder so ähnlich.

  5. Tja Hiob, sehr zielführend, was hat das eine mit dem anderen zu tun?

    @Eysel: Es reduziert sich immer wieder auf sich selber, das Frängische scheint mit weniger Buchstaben auszukommen, keep it short and simple stupid, gefällt micr. 😉

  6. Hallo frankophile Freunde,
    alle euere Sorgen wurden quasi „über Nacht“ ad Absurdum geführt.
    Das Atomkraftwerk Tricastin in der Nähe von Avignon liefert un-
    freiwillig, aber prompt, 30 Kubik verseuchten Schampus für uns alle.
    Fantastico und angeblich soll keine Gefahr für die Bevölkerung bestehen,das kommt mr doch bekannt vor aus dem Jahre 1986.
    Außerdem: Im Endlager Asse I, vermischen sich die Uranfässer mit Wasser un es besteht eweiterhin keine Gefahr. Feste Jungs macht nur weiter so… Schabadabadab, vive la France und germanski
    Gruss Zamir

  7. @ Ralf,
    Du hast recht. Wir könnten etwas mehr an Selbstbewusstsein zeigen. Es kommt mir immer so vor, als würden wir uns die nur so genannte Freundschaft KAUFEN.

  8. @ Mo Be,
    die Nummer mit „deuxieme a droite“ , die hatt` ich schon in aller Herren Länder.
    Ich glaube auch nicht, dass es hier im Forum und in D. um eine „xenophobe Kiste“ geht.
    Zuallererst sollte es einmal um eine nicht schönfärberische Beschreibung des Verhältnisses gehen. Und dann um Ursachenforschung.

    Ich glaube dass recht deutlich von Respekt und auch ein wenig Neid auf den leistungsfähigen „grossen Bruder“ geprägt ist. Die BOCHE zwar mit holzköfiger Durchsetzungsfähigkeit aber ohne jede Eleganz, ohne gloire, von der man selber eigentlich gut weiss, dass sie ganz nett verblasst ist. Da werden dann gerne Möglichkeiten gesucht, sich Respekt zu verschaffen.
    So wie der kleine Bruder versucht, sich dem Grossen gegenüber zu profilieren. Oder ihn – falls es nicht klappt – zu verpetzen ( in dem Fall dann als Nazi darzustellen ). Noch deutlicher ist diese „Art“ von Beziehung vielleicht bei Niederländern und Österreichern ( da natürlich nicht als Nazi ;-)) zu sehen mit denen wir ja noch zusätzlich sprachlich „verwandt“ sind.

  9. @ Moritz Berger
    Wenn du sagst, dass die Abschaffung der Erbfeindschaft die Grundlage der EU gewesen ist, dann hast du recht. Aber wenn man sieht wie Franzosen oder auch Briten sich verhalten, dann ist die EU vielleicht ein wirtschaftlicher Erfolg, aber politisch ein Desaster.
    Also warum sollen wir deutschen nicht auch langsam mal selbstbewusster auftreten und bei den Franzmännern mal klarstellen wer wirklich was zu sagen hat in der EU. Nach meiner Meinung der größte Nettozahler. Klingt zwar bissl martialisch aber das muss mal gesagt werden.

  10. @ CIA, betr. Orthographie!!!!

    Das schreibt sich „Undäfrangn“.

    @MobE,

    Un mid deene freindschofdliche Gefiile des wolle me net ga so laud saache. Die solle ruich glauwe was se wolle.

    Nochn Franke im Norden! Juhu!

    Hasde aach e weng Guldur zu dene exbordiert?
    S waisbier un dei Nembächer Wäschcha un Läbgouchn?

  11. @Moritz Berger, Eysel und König Beckstein

    So langsam schließen sich die Kreise: Neben Henry Kissinger und Levy Strauss war ja auch der Begründer einer Serie der WiWo, Ludwig Erhard, Franke mit hartem g. Wem haben wir das zu verdanken? Napoleon! Und Kurfürst Max IV, begnadeter Zocker. Es wird gemunkelt, dass rty ein Nachfahre von ihm sei.

    So langsam dämmert mir auch, was Kurfürst Tichy westlich des Rheins bei dem selbstgekrönten Kaiser Sarkozy im Urlaub vorhaben könnte. Nach gut 200 Jahren wäre es ja auch mal wieder an der Zeit, etwas territorialer zu denken. Wenn wir damals weite Teile Frankens als Schutzpuffer zu Österreich einheimsen konnten, hat die Geschichte das Blatt ja mittlerweile neu gemischt. Die Regierung Kaiser Gusenbauers ist gefallen, der Zeitpunkt könnte günstiger nicht sein.

    Liebe Ösis, ihr braucht keine Neuwahlen, wir annektieren euch.

    PCIIA

    Im übrigen: Man soll Gott für alles danken, auch für Unter-, Ober- und Mittelfranken.

  12. @PCIIA

    Wie kann man Bayern mißverstehen 🙂

    bei diesem pseudobajuwarischer Neo-Seppilismus ….:-)

    Ich wohne zwar in Norddeutschland, bin aber Franke 🙂

    und hege im Grunde freundschaftliche Gefühle für die übrigen bayerischen Volksgruppen und Minoritäten…:-)

  13. @Moritz Berger

    Sie missverstehen uns Bayern. Im Grunde hegen wir freundschaftliche Gefühle für unsere norddeutschen Landsmänner. Zumal der Bayer gemeinhin sehr heimatverbunden ist, ist der Rat an die zärtlich als Fischköpfe umschriebenen Flachlandtiroler durchaus wohlwollend gemeint: Schau, das’d hoamkummst! 😉

    PCIIA

  14. Nachtrag

    Um es mit Cocteau oder war es Guitry zu sagen:

    Je suis contre les français, tout contre

  15. Ich finde es schon sehr amüsant, wenn im Zuge einer Kritik an der wirtschaftlichen Entwicklung an Frankreich einmal wieder in der xenophonen Kiste gebuddelt wird:

    Edgar Gärtner:

    Uns eint ja wohl die Hassliebe zu diesem schönen Land.

    Rolf:

    Die Franzosen sind und bleiben auf uns neidisch, weil wir was geschafft haben.

    Kann natürlich einfach ne schlechte Erfahrung sein und in Südfrankreich sind sie sowieso ein wenig Ausländerfeindlich.

    PCCI

    Machen wir uns nichts vor. Wirklich leiden kann uns keiner unserer Nachbarn.

    Jetzt fehlt nur noch der Spruch aus dem ersten Weltkrieg:

    Jeder Stoß ein Franzos

    Das die Abschaffung der \“ Erbfeindschaft \“ zwischen Deutschland und Frankreich nicht zuletzt ein Grundpfeiler auf dem Weg zur EU war alles schon vergessen ?

    Und:

    Warum sollten die Franzosen eigentlich neidisch auf Deutschland sein?

    Übrigens ich war im vergangenen Jahrmit dem Rad in Bayern, oder war es Sachsen ??? Und als ich mich verfahren hatte, haben Sie mich in Richtung Paris geschickt 🙂 Aber wir wissen ja in Sachsen und Bayern sind die Einwohner etwas feindlich gegenüber den Norddeutschen 🙂

    Nebenbei:

    Wie hoch ist wohl das Investitionsvolumen der deutschen Unternehmen in Frankreich und wie hoch ist das Investitionsvolumen der französischen Unternehmen in Frankreich ??

  16. Machen wir uns nichts vor. Wirklich leiden kann uns keiner unserer Nachbarn. Allenfalls Respekt wird uns gezollt, ob mancher unserer uns angedichteten Eigenschaften. Mir ist eine niederländische Familie bekannt, die nur Hotels bucht, welche hauptsächlich von Deutschen frequentiert werden. Nicht, weil sie so gerne mit deutschen Urlaubern zusammen sind, sondern weil es dort meist sauber, ordentlich und wohl organisiert zugeht. Das erwarten „wir“ offenbar, also wird es auch angeboten.

    Warum mag uns nur keiner? Unsere Geschichte, sicher. Unsere relative Größe, denken wir an die latente USA-Feindlichkeit bei uns, könnte auch ein Grund sein. Wer weiß, jedenfalls fällt mir auf Anhieb als typisch deutsch nichts ein, was sich sympathisch anhört.

    Die wenigsten von uns waren geboren oder zumindest verantwortlich, als die Schrecken des 2. Weltkrieges, insbesondere der Holocaust, begangen wurden. So einfach ist es aber nicht.

    Erbschuld, oder wie man es auch nennen mag. Mir persönlich gefällt ein Bild von Bernhard Schlink dazu: Wenn man Kinder sieht, welche in Gedenkstätten wie Bergen-Belsen fröhlich auf dem blutgetränkten Gras spielen, merken wir, dass etwas nicht stimmt. Gut, von uns kann keiner etwas dafür, aber geerbt haben wir unsere Geschichte. Und ehrlich gesagt denke ich, dass wir das bisher auch sehr gut gemeistert haben, uns dem Erbe gestellt haben.

    Bezüglich unseres zentralistisch, nationalistisch angehauchtem Nachbarn: Wieder mal ein kleiner Mann, davon haben wir ja auch ein paar, der groß herauskommen möchte. Nationale Champions, Interventionismus, das ganze Arsenal: Was soll’s? Damit schaden sie sich selbst mehr, als es ihnen nützt. Jeder kann gerne zu uns kommen und in den Wettbewerb treten, das tut uns langfristig nur gut. Wohin der Unsinn führt, kann z.B. die französische Automobilindustrie in den Staaten bewundern. Eigentlich lässt mich das kalt, soll sich der Kleine doch groß aufspielen.

    PCIIA

  17. Du triffst es wiedermal richtig Eysel. Wir waren mal mit meinem Bruder in Südfrankreich. Da haben wir uns mit dem Fahrrad verfahren und suchten hilfe. Als sie mitbekommen haben, dass wir deutsche sind haben sie sich geweigert uns zu helfen. Kann natürlich einfach ne schlechte Erfahrung sein und in Südfrankreich sind sie sowieso ein wenig Ausländerfeindlich. Aber wir deutschen denken immernoch wir hätten irgendeine Schuld zu begleichen. \“Deutschlands zentrales Problem ist der Kleinmut.\“ Das gab auch schonmal Herr Inacker zum besten.

  18. Ich erinnere mich, als ich in den 80ern die Bunker in der Normandie besichtigte, dass wir uns „englisch“ unterhielten, um nicht als Deutsche erkannt zu werden. Der Tenor der Ausstellungen war schlicht und ergreifend so „antideutsch“, als wäre der Krieg gerade gestern erst vorbei. Annähernd Vergleichbares habe ich in D niemals gesehen, erlebt. – Eine Untersuchung französischer Schulbücher von der ich neulich las förderte 60 Jahre nach Kriegsende einen ähnlichen Unterton zutage. – Wir ( unsere Politik ) gebärdet sich immer noch schuldbewusst als die Politik des Agressors, der den Krieg verloren hat. Das ist so unangebracht, wie Sarkozys SCHAMLOSES tief verwurzelte Vorurtele pflegen + ausnutzen.

  19. Ich versteh nicht warum die größte Volkswirtschaft Europas sich so herumschubsen lässt. Die Franzosen sind und bleiben auf uns neidisch, weil wir was geschafft haben. Und eine Freundschaft Frankreichs mit Deutschland gibt es nicht. Die Spitzenpolitiker tun nur so.

  20. Das „Primat der Partei“ haben wir noch nicht. Das Primat des Neides der sinnlosen Stänkerer schon … was nicht ist kann ja noch werden. Die Richtung stimmt.

  21. Verstehe ja nicht, warum Tichy nach Frankreich fährt, als Neofeudaler wäre doch ein Urlaub im schönen US-Amerika angebrachter. Vielleicht garniert mit ner kleinen Besichtigung des Gesundheitssystems oder einiger südlicher Vororte von Detroit … hat wohl Angst ,dass seine schöne neofeudale Scheinwelt Sprünge bekommt unser aller Freund der Nepotisten und Günstlinge…

  22. „Freundschaft“ der Begriff ist recht euphemistisch gewählt. Aber mir fällt auch kein besserer ein … Das „Sichgegeneinanderabgrenzen“ ist ein ganz und gar gesunder und normaler Vorgang; bei Individuen, Familien Gemeinschaften, Staaten. „Freundschaft“, die wirkliche Freundschaft zwischen Individuen ist der glückliche Ausnahmefall. Ob der Begriff Freundschaft auf Gruppen, Staaten überhaupt übertragbar ist, daran hab ich erhebliche Zweifel. (Von dem allgemein inflationären Gebrauch des Begriffes mal ganz abgesehen.) Gemeint ist der Begriff als Gegenpol zur immer noch im kollektiven Bewusstsein vorhandenen von beiden Seiten Jahrhunderte lang geschürten und beschworenen Feindschaft zwischen den Ländern. Freundschaft im engeren Sinne ist auch wohl weder gemeint, noch erreichbar, noch nötig. Das Anstreben , Erreichen gemeinsamer Ziele in Achtung voreinander ist völlig ausreichend. Legitim ist dabei durchaus AUCH die Wahrung eigener Interessen. Es ist eine Frage der Abwägung der Partikuliar- gegen die Gemeinschaftsinteressen. Eine Frage der Gewichtung bei der Herr S. wohl den Blick aufs Ganze etwas verliert. Die uralte Rivalität der beiden größten Länder der EU lässt er aus Profilierungsgründen durchbrechen. Nach innen gut „verkäuflich“ dem Ganzen abträglich. Wir können nur hoffen, dass „uns Angela“ immun ist gegen den Charme des kleinen Napoleon des 21. Jahrhunderts. – Erinnere mich an meinen ersten Besuch in der DDR in `86. Als ich eine Adresse in der „Strasse der DSF“ suchte. Hatte keine Ahnung was DSF bedeutet ( Deutsch-Sovietische Freundschaft ). Die Kluft zwischen der damals beschworener Freundschaft und der damals gefühlter Wirklichkeit war wohl noch deutlich größer als heute zwischen D und F.

  23. OFF topic: In der neuen WiWo S.50 ist ein sehr interessanter Bericht von Frau Köcher über die Wahrnehmung von Armut in D. Passt gut zur „Armensuppe“

  24. Alles Gute im wohlverdienten Frankreich-Urlaub, lieber Herr Tichy. Uns eint ja wohl die Hassliebe zu diesem schönen Land. Dessen politische Klasse hat halt leider leichtes Spiel mit ihrem dummen Widerpart diesseits des Rheins. Zu den neuerlichen Plänen, durch politisch eingefädelte Fusionen einen neuen „nationalen Champion“ zu schmieden, möchte ich, da familiär nicht ohne Bezug zum Geschehen, nichts direkt sagen. Aber es sollte klar sein, dass die deutsche Politik dem wenig entgegenzusetzen hat, wenn sie Trümpfe wie die eigene Erfahrung bei der Entwicklung der Kernenergie so leichtfertig aus der hand gibt.

  25. Staaten haben keine Freunde, von daher beruht die ganze Thematik auf völlig falschen Annahmen. Selbstverständlich spielt die französische Führung ihr Spiel mit der EU, mit Deutschland. Es ist schon solange ich überhaupt Politik verfolge so. Ich hoffe die Regierung Merkel steht hier nicht hintenan und verfährt ebenso im Interesse der Bürger dieses Landes.