Test Fitbit Blaze

An dieser Stelle geht es selten um eines der Kernthemen der WirtschaftsWoche: Börsenkurse. Der des Marktführers bei Activity Trackern, Fitbit, ging aber in den vergangenen 12 Monaten so deutlich in die Knie, dass es sich lohnt, zu fragen: Warum?

Das soll so. Der Tracker wird zum Laden aus dem Band genommen - Wechselbänder sind in Fülle zu bekommen.

Das soll so. Der Tracker wird zum Laden aus dem Band genommen – Wechselbänder sind in Fülle zu bekommen.

Konkurrenz von Apple ist eine der Antworten. Die Applewatch gilt es in den Augen von Analysten zu schlagen, wann immer ein Hersteller eine Smartwatch auf den Markt bringt. Das Unternehmen Fitbit tat dies mit der Blaze anlässlich der CES in Las Vegas Anfang des Jahres. Und der Kurs brach um 18% ein. Man hatte sich mehr erwartet. Wie Analysten halt so sind: Entscheidung vom Schreibtisch aus.

Ums Eck gelaufen war damit zu dem Zeitpunkt wohl kaum einer. Oder hat damit über Nacht seinen Schlaf kontrolliert. Oder hat damit Smart Notifications gelesen. Oder hat sie einfach nur einen Tag am Arm getragen. Oder hat sie aufgeladen – nach einigen Tagen des Tragen.

Das alles habe ich nun über Wochen getan. Ich will einräumen: Ich war zu Beginn skeptisch. Der Tracker selber ist ein viereckiges Display, das der Nutzer in ein Armband hineindrückt. Hält das? Geht das nicht kaputt? Es hielt über mehr als zwei Monate und nichts ging kaputt. Man muss die Uhr aus dem Armband entfernen, um sie entweder in ein andersfarbiges oder gar Metallbarmband einzufügen oder einfach nur, um sie aufzuladen. Das mag am Anfang umständlich wirken – aber eine störanfällige Buchse besitzt die Blaze nicht.

Nein, liebe Blaze. Ich habe mein Ziel, Hawaii, nicht erreicht. Zumindest nicht das, beim Ironman in Kona zu starten.

Nein, liebe Blaze. Ich habe mein Ziel, Hawaii, nicht erreicht. Zumindest nicht das, beim Ironman in Kona zu starten.

Was wird dieser Activity Tracker, der auf der Rückseite die LED zur Messung der Herzfrequenz besitzt, wohl schon können, was andere nicht können. Und obwohl ich mich ja schon gerne freiwillig bewege: Er kann motivieren.

Die Fitbit Blaze ist erst im Zusammenspiel mit einem Smartphone vollständig und dann aber auch eine Sportuhr, die Laufen und Radfahren aufzeichnen kann. Ohne Smartphone „erahnt“ sie tatsächlich nach einer Weile, dass der Besitzer sich wohl laufend bewegt. Die Technik nennt sich „SmartTrack“ und das funktioniert so leidlich. Der Vorteil ist: Als Nutzer muss ich nicht jedesmal einen Knopf  drücken, bevor ich eine Aktivität ausübe – sie merkt das schon. Beim Laufen schneller als beim Radfahren – was nicht überrascht, da sich meine Armhaltung beim Radfahren gar nicht so sehr von der beim Mausklicken unterscheidet. Aber sie merkt, wenn ich was Aktives tue und honoriert das.

Und hier kommen wir zu der großen Stärke der Fitbit. Als Kind war ich oft mit meinen Eltern wandern und oben auf der Hütte gab es neben einem Becher Milch auch oft eine Plakette, die ich mir an meinen Wanderstock nageln ließ. Keine Frage – eine Plakette, ein BADGE – das hat mich gefreut. Während mein Vater die Plaketten noch mühsam mit kleinen Nägelchen an meinen schmalen Stock nageln musste, kommen Fitbits BADGES per Mail.

Die kann auch seriös.

Die Blaze kann auch seriös.

Diese digitalen Medaillen, Badges oder eben auch einfach Plaketten, gibt es für Biertrinker, An-Orte-Wiederkehrer, Sportler – für alle. Fitbit muss ein ganzes Team beschäftigen, sich neue kuriose Plaketten auszudenken. Burg-Abzeichen für 200 Etagen, Fallschirmspringer-Abzeichen für 1000 Etagen. Das Pinguinwanderungsabzeichen dafür, dass ich 112 Kilometer gegangen bin. Manche Abzeichen konnte ich mir auf Anhieb erklären, manche kamen etwas überraschend. 563 Kilometer gegangen = Hawaii-Abzeichen. Aha.

Einmal die Woche kommt ein Fitnessbericht per Mail. Das habe man erreicht, hierzu werde man beglückwünscht. Helikopter, Heißluftballon. Und was nicht alles.

ES KOMMT SOGAR EINE MAIL, WENN DER AKKU BALD ALLE IST!

Das Fitbit-Portal erinnert mich daran, wenn ich mal wieder synchronisieren sollte.

Liebe Analysten – das ist nicht schlecht. Meine Bank schickt jedenfalls keine Mail, wenn bald das Konto leer ist. (Jetzt keine blöden Witze, bitte).

Die Fitbit Blaze bietet auch ein Übungsprogramm. Das ist nicht herausragend – aber der flinke Zugriff auf die Übungen ist dann doch motivierender als erst eine DVD aufzulegen oder ein Youtube-Video zu wählen.

Die Fitbit ist im besten Sinne praktisch. Als Sportler ist sie mir nicht ausreichend ausgestattet, aber ich bin als aktiver Triathlet auch nicht die Zielgruppe. Die Menschen, die ein wenig Motivation suchen, sind aber gut bedient und haben, wenn, eher andere Gründe, ein wenig zu meckern.

Die Uhr ist normalerweise dunkel und wenn man den Arm hebt, dann geht das Display an, um die Uhrzeit abzulesen. Das klappt nur so halbgut. Die Bewegung muss man schon sehr entschlossen ausführen, sonst bleibt die Blaze dunkel. Das geht besser, das zeigt die Applewatch.

Kaum zu verbessern ist die App von Fitbit – zumindest ist sie sehr gelungen. Übersichtlich, verständlich. Das gilt auch für die Auswertung in dem Portal. Wer mag, der kann sich noch wöchentliche Berichte zusenden lassen – als Premiumkunde. Dazu zählt auch die Möglichkeit, sich mit andern Fitibit-Nutzern zu vergleichen, personalisierte Trainingsvorschläge zu erhalten und die eigenen Daten zu exportieren. Das kostet 44,99 im Jahr. Das muss man alles nicht haben – wer mag, kann es kurz testen. Die Aktionäre wird es sicher freuen, dass fitbit noch ein Erlösmodell entwickelt hat.

 

 

 

 

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