Dann laufe ich mich halt zu Tode. Ein Wutblog.

Neulich war es wieder soweit. In einem französischen Bistro bei einem Kotelett vom Duroc-Schwein kam ich gern, aber unfreiwillig in eine Diskussion mit den Gästen vom Nachbartisch über meinen Laufsport. Und die Frage aller Fragen an Ausdauersportler kam von der Frau des Paares: „Ja, ist das denn noch gesund?“. Vorangegangen waren meine kurzen Erläuterungen, was das Sportjahr noch so bringt. Und – natürlich – auch der Mann am Nachbartisch läuft gern, aber doch nicht solche Distanzen, das wäre unvorstellbar.

Dann fress ich halt exzessiv. Das ist bestimmt gesünder als Laufen.

Dann fress ich halt exzessiv. Das ist bestimmt gesünder als Laufen.

Ist denn das noch gesund?

Nein. Ist es nicht. Vermutlich bringt es mich sogar um. Hoffentlich. Ich würde gerne mit einem Herzinfarkt bei einem schönen Lauf umkippen und selig an der frischen Luft davon scheiden. Gerne auch etwas früher, damit ich nicht im Bett die letzten Lebensjahre dahinsiechen muss, wie das faule Pack, das sich das Sofaleben schön redet mit der Gefahr durch Sport.

So. Alle wach?

Ich kann diese Diskussion nicht mehr hören. „Ist denn das noch gut für dich? Übertreibst du es nicht? Warst du denn beim Arzt? Man hört immer von Todesfällen bei Marathons.“

Angefacht wird sie nun von einigen Kollegen von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die in Teilen fußlahm, wissenschaftshörig sind und nicht in der Lage ohne Kurzatmigkeit schnell um ihr Verlagsgebäude zu laufen. Behaupte ich mal frech. Aber sie sind gesund! Denken sie nun! Jaha! Hat ja ein dänisches Forscherteam herausgefunden! (Zur Abwechslung mal keine amerikanischen Wissenschaftler, die sonst immer für jedwede Analyse zu haben sind.) Hier das Stück aus der FAZ, auf Basis einer dpa-Geschichte, das mich zur Kollegenbeschimpfung veranlasst: „Ausdauersport: Schadet exzessives Joggen mehr als das es nützt?“ Und es bedient die Vorurteile der Faultiere und zu einem gewissen Teil sogar die jener „Ich-laufe-einmal-die-Woche-meine-Runde“-Jogger, die sich mehr Anstrengung mit Angst vor Schäden verkneifen.

Rein mit den Schnitzeln! Wo mich doch eh das exzessive Joggen umbringt!

Rein mit den Schnitzeln! Wo mich doch eh das exzessive Joggen umbringt!

Die Nachricht des Artikels: Mehr als drei Mal die Woche laufen ist nicht gesund. Und – Achtung: „Auch sollte kein zu hohes Tempo eingeschlagen werden“! Ja, Heidewitzka – bloß nicht schnell rennen! Uiuiui! Ich bin bis vor 4 Jahren nie gerannt und vor 10 Jahren war ich komplett auf null Sport. Was war ich da gesund! Also, wenn man mal über die Cholesterinwerte und den hohen Blutdruck hinwegsieht, aber da kommen ja auch wöchentlich neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Tabletten hätten auch viel besser geholfen als Sport, der eh nur krank macht. Es kann doch nur eine Frage der Zeit sein, bis besorgte Eltern im Schulsport den 100-Meter-Lauf verbieten wollen!

Heute, mit Zeiten, die mich irgendwo in den oberen 10% der deutschen Amateure meiner Altersklasse einsortieren, lebe ich natürlich brandgefährlich und am Rande des Herzklabasters. Es grenzt an ein Wunder, dass ich nicht bei jedem Ampelstopp bei einem schnelleren Lauf zusammenbreche! Und was soll ich sagen – seit heute betrachte ich den Umstand als lebensbedrohend, dass ich inzwischen in einer Stunde auch mal 12 bis 14 Kilometer schaffen kann und mit Mitte 30 nicht mal 10 Kilometer weit gekommen wäre. Ich sollte es wieder lassen, das MUSS besser sein. Sind schließlich wissenschaftliche Erkenntnisse, die in einer Fachzeitschrift veröffentlicht wurden.

Ungesundes Essen? Lachhaft, wo sie doch schnelles Laufen gefährdet!

Ungesundes Essen? Lachhaft, wo sie doch schnelles Laufen gefährdet!

So eine wie die Fachzeitschrift für Statistik, der FAZ? „Heraus kam, dass die Sterblichkeitsrate unter „exzessiven“ Joggern fast genauso hoch war wie bei den Nicht-Joggern.“ Die ist, liebe Kollegen, immer 100%. Alle sterben, auch Sie, liebe Autoren. Bad news. Die ewiglebenden Wunderjogger muss ich übrigens noch treffen. Aber um diese sprachliche Ungenauigkeit geht es mir nicht. Es geht wohl sicher um das ALTER, in dem EXZESSIVE Jogger, ähnlich wie Drogensüchtige vorzeitig ableben. Kann natürlich auch sein, dass die exzessiven Jogger noch früher gestorben wären, wenn sie NICHT gejoggt wären. Es sind also in der Zeit der Studie 28 Jogger gestorben und 128 Nichtjogger. Die exzessiven aber, ja, die sind häufiger gestorben in der Phase der Untersuchung als die „leichten“ Jogger.

Vielleicht – und das sollte Studienleiter Peter Schnohr vom Frederiksberg-Hospital in Kopenhagen noch lernen – geht es aber gar nicht jedem „exzessiven“ Jogger, der öfter als drei Mal die Woche läuft (und dann sogar auch mal schnell!) um eine Lebensverlängerung in Jahreszahlen. Sondern um eine Lebensverlängerung durch Erlebnisse. Durch Freude. Durch Erfüllung. Durch das bewusste Nutzen der Lebenszeit. Und der Fähigkeit, bis ins hohe Alter teil zu haben am Leben. Neugierig zu bleiben und beweglich. Kann ja sein, oder?

Ich für meinen Teil FÜHLE mich besser, wenn ich fit und schnell bin. Das höhere Tempo ist das ERGEBNIS von der ein oder anderen schnellen Einheit. Nicht das finale ZIEL. Und so kommt es, dass man ohne großes Nachdenken immer schneller wird und auf einmal ohne jede Mühe Distanzen und Geschwindigkeiten erreicht, die für andere außerhalb der Vorstellung liegen. Ich fühle mich sogar ausgesprochen ausgeglichen und zu noch viel mehr Schandtaten bereit, wenn die Form top ist durch intensives Training.

Aber so ist es inzwischen: Leistung ist verdächtig. Auch im Hobbysport. Und damit wir nicht den Kopf rausstecken, so dass es auffällt, bleiben wir bei höchstens drei Runden in der Woche und bitte – keinen Sprint! Denn das ist gesund und nun haben wir den wissenschaftlichen Beweis.

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Alle Kommentare [55]

  1. Sehr schön vielen Dank! Ich habe mich tödlich amüsiert . Auf zum nächsten Massensterben auf Marathon Distanz

  2. Sport ist in jedem Fall gesund. Ich halte es für wichtig, dass jeder Mensch die Sportart findet, die zum ihm passt und ihm Spaß macht. Denn vor allem wenn die gewählte Sportart Spaß macht, führt man sie auch gerne aus.

  3. Ich kann dem nur zustimmen. Durch das Laufen fühle ich mich bestärkt, mein Leben aufrecht, bewußt zu leben. Ich fühle mich dann fit, atme besser, geniesse die Natur, nehme stärker Anteil am Leben. Ich bin vielem Neuen aufgeschlossen und mein Leben bleibt dadurch bunt und vielfältig.
    Derzeit erlebe ich das Gegenteil: Ich vermisse die Beweglichkeit, seit Ende Januar fühle ich mit einem Bänderriss und Knochenbruch im OSG massiv beeinträchtigt.
    Meines Erachtens geht körperliche Beweglichkeit immer einher mit geistiger Beweglichkeit…

  4. Vielen Dank für den wieder mal treffenden Blogbeitrag. Mein Vater hatte mir auch gleich den Artikel gesendet. Mein Kommentar: dann sterbe ich wenigstens bei, was, das Spaß macht. Komischerweise sind zur Zeit im Büro alle erkältet, nur ich nicht. Woran mag das wohl liegen ? Bewegung, frische Lust , ……. ? Ich kann die Kommentare langsam nicht mehr hören: ist das wirklich gut und das bei Deinem Rücken ? Na und, es macht Spaß und mein Rücken macht beim Laufen die wenigsten Probleme, je lange desto besser und je schneller, desto besser. Also was soll’s, sterben müssen wir eh alle

  5. @torben könnte das problem sein, dass sie um 00:35 an einem samstag abend nicht einfach ein wenig feiern oder im bett liegen, sondern auch mal ein wenig rumtrollen wollen? bizarre abendgestaltung….

  6. könnte das problem sein, dass sie nicht einfach laufen wollen, sondern auch dafür gelobt / nicht kritisiert sein möchten?
    bizarre anspruchshaltung. just saying. now run 🙂

  7. Als Jim Fixx (Das komplette Buch vom Laufen) 1984 starb, titelte die NYT :“ Now we know, Jogger are also mortal, but they die healthy“ oder so ähnlich.

  8. Gut gebrüllt Löwe ! 😉
    Ja, man hat so seine liebe Not mit unseren Mitmenschen. Ich habe das schwere Los zu tragen, vermeindliche berufliche Misserfolge zu kompensieren, Mich nicht in meiner Beziehung auseinanderzusetzen zu können und natürlich der gesteigerte Geltungsdrang. Und was soll ich sagen, sie haben alle Recht.
    1. Ich muss nach der Arbeit oftmals joggen gehen um den Tag zu verarbeiten
    2. In meiner Beziehung entstehen manchmal Disharmonien, ob wir beide einen Marathon oder Halbmarathon laufen.
    3. Ich finde es immer noch atemberaubend durch eine Finishline zu laufen.
    Ich werde wohl mit diesem Makel bis an mein Ende leben müssen.

    Gruß Matthias

  9. OOOHHH JAAAA, wie recht du wieder einmal hast.
    Und stell dir vor, ich musste sogar herzhaft, beim Lesen, Lachen. Womöglich hat mich diese Anstrengung auch schon wieder Jahres meines Lebens gekostet. Aber dieses Erlebnis war es mir wert!

  10. Liebe Kommentar-Schreiber, ich bin begeistert, wie vielen dieser Beitrag gefallen hat. Vielen Dank für die zig Rückmeldungen! Ich weiß das sehr zu schätzen. Und weiterhin allen viel Freude an der Bewegung! Thorsten

  11. Deine Worte sprechen mir aus der Seele. Ich habe schon lange keine Lust mehr, mich immer wieder vor Couchpotatoes über mein „exzessives Laufen“ und mein „schlechtes Aussehen“ („Bist du krank, du siehst so dürr aus?!“) rechtfertigen zu müssen.

    Unglaublich, aber wahr; ich habe tatsächlich mal bei einem Elternsprechtag die Beschwerde einer besorgten Mutter(glucke) mit eigenen Ohren vernommen, dass sie nicht wünsche, dass ihr Sohn im Sportunterricht schwitzt…

  12. Danke für das Statement, du sprichst mir aus der Seele! Alle die sich zukünftig über meinen Gesundheitszustand besorgt zeigen werden, werde ich auf deinen Blog verweisen!

  13. Danke, Thorsten, für den tollen mir aus der Seele sprechenden Artikel!!
    Trifft das ganze auch auf Schwimmen und Radfahren zu? Ich hatte Dir ja von unserem „normalen“ Schwimmtraining geschrieben … darf ich das denn so zweimal die Woche machen???

    Man muss schon selbst entscheiden welche Art von Triathlon besser ist! Couch, Bier und Zigaretten oder Schwimmen, Radeln und Laufen …
    Ich bleibe bei Letzterem!!
    Grüße aus Italien
    Ride on
    Alex

  14. Der Artikel von Herrn Firlus-Emmrich ist einfach nur genial! Und er spricht mir aus der Seele. Als Ausdauersportlerin mit 38-jähriger (!) Wettkampferfahrung, 4 – 5 Mal mind. 1 Std. – 3 Std. Training/Woche fühle ich mich mit meinen knapp 49 Lenzen tatsächlich wesentlich jünger. Bin fit, belastbar, klar in der Birne und genieße jede Trainingseinheit! Genauso wie den Wettkampf und die Siege :-). Sich auf irgendwelche Studien zu versteifen bringt in meinen Augen nichts. Jedermann und jedefrau muss sein Leben so gestalten, dass er/sie sich wohl fühlt. Und wie schon gesagt: Sterben muss eh ein jeder. Und dann wirklich lieber bei dem, was ich gerne tue. Wer selbst nie regelmäßig gelaufen ist, der kann doch gar nicht mitreden. Studie hin oder her……

  15. Danke !!! Du sprichst mir aus der Seele. Ich habe immer das Gefühl das unsere lieben Antisportler immer nach Alibis suchen um ihre Bequemlichkeit zu begründen. Muss man denn das ??? Nein. Jeder kann doch seine Freizeit und Leben, einschließlich Gesundheit, so gestalten und genießen wie er möchte. Und deshalb sollen diese mich endlich in Ruhe lassen und mir meinen Spaß und Genuss am Laufen nicht mit ihren nervenden Kommentaren verderben.Natürlich hat man mal hier und dort seine Wehwechen, aber ich weiß auch woher und warum es Aua macht. Ich konnte einfach nicht aufhören es zu genießen durch die Natur zu laufen, die Sonnenstrahlen genießen und die frische , kühle Luft zu atmen und auf meinem Gesicht zu spüren. Das nennt man sich wohlfühlen. Mir geht es super , jetzt und heute. ….. ach und übrigens, wenn ich mein Check up jedes Jahr mache, kriegt meine Ärztin immer das große grinsen 🙂

  16. Sehr schön geschrieben,

    wenn Du noch einen Platz frei hast, um an einer schönen Stelle in der Natur beim Laufen aus dem Leben zu scheiden bin ich dabei. Ich laufe für mein Leben gern, lange und weit da schütteln andere nur mit dem Kopf. Wenn bei einigen die Toilette in der Garage stehen würde, würden sie diesen Ort auch noch mit dem Auto aufsuchen.
    Ich lasse mich nicht von meinen Weg abbringen, egal wie andere darüber denken
    Gruß Daniel

  17. Oh ja… du sprichst mir aus dem Herzen! Danke für den Blog!

    Ich habe den Artikel auch (mehrfach) zugeschickt bekommen… u.a. auch mit dem Hinweis, dass ich ja auch keine 20 mehr bin und soll doch auf mich achten und nicht immer meiner Jugend hinterherlaufen und erst recht nicht Bestzeiten, denn ich kann doch eh kein Geld damit verdienen …
    Muss ich noch was schreiben ?
    „Glaube keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast“, sag ich immer….
    Und nur aus lauter Lust und Laune war ich dann heute bei dem kalten, aber heiteren Wetter draußen und bin gelaufen…

  18. …ich kann dir nur zustimmen. Wer zu Hause bleiben will, soll dies tun. Aber es soll doch all denjenigen die Entscheidung selbst überlassen werden, welche Sportart sie betreiben und wie oft….

    Ein wichtiger Punkt ist für mich, mich sicherheitshalber einem „Gesundheitscheck“ zu unterziehen und ansonsten wirklich auf meinen Körper hören. Dann kommt es darauf an, bin ich Leistungssportler oder Hobbysportler…möchte ich genießen oder
    treiben mich andere Dinge vorwärts…ich konnte am Wochenende wieder Kids erleben, die gelaufen sind (zwar mit Unterbrechungen) und dies mit Freude (natürlicher Bewegungsdrang)…gerade scheinen die „super Statistiker“ und auch die „Zeitungsschreiberlinge“ zu vergessen, dass der Mensch vor Jahrtausenden seine Nahrung nur bekam, wenn er km um km gelaufen ist, aber heute fährt Mensch mit dem Auto am besten bis direkt vor das Geschäft um ja nur wenige Schritte zu machen….das Ganze ist doch ein Widerspruch an sich….

    Eines weiß ich persönlich, ich werde Sport treiben so lange es mir gegönnt ist und kann ich nicht mehr Laufen finde ich etwas Anderes und deshalb lasse ich mich von all diesen Dingen die da „erforscht“ wurden nicht abbringen von meiner Lebnensphilosophie…also, rocken wir es weiterhin und wenn der liebe „Herrgott“ uns zu sich ruft, na dann aber laufend!!!!!!

  19. @Christian Danke! So weit ins Detail bin ich – mangels medizinischer Fachkenntnis – leider nicht eingestiegen. Auch ich – räume ich freimütig ein – gehe davon aus, dass eine Studie nicht allzu hanebüchen ist, wenn sie in einer medizinischen Fachzeitschrift veröffentlicht wird. Wenn dann der Studienleiter noch zitiert wird mit solchen Sätzen – dann bin ich zunächst mal als Leser trotz meines Berufes davon überzeugt, dass das so ein wenig stimmt. Man kann nicht genau genug hinlesen.

  20. Auf Runners World wurde die Studie ganz gut zurechtgestutzt(auf Englisch):
    https://www.runnersworld.com/health/the-supposed-dangers-of-running-too-much?cid=socHE_20150203_39877017&adbid=10152585367731987&adbpl=fb&adbpr=9815486986
    Fazit: Von den untersuchten Leuten waren 40 in die Kategorie „exzessive Jogger“ eingeordnet. Davon sind in den letzten 12 Jahren ganze !2! gestorben. Todesursache wurde nicht berücksichtigt. Können also Beim 25km Tempodauerlauf einen Herzkasperl bekommen haben oder an einem Stromschlag an der Fernbedienung vom Fernseher gestorben sein.
    Wäre nur eine Person weniger gestorben, wäre die Mortalitätsrate deutlich unterdurchschnittlich und man könnte Ultramarathons als neuen Jungbrunnen verkaufen. Wäre eine Person mehr gestorben, wäre ambitioniertes Laufen eine Risikosportart und man würde wohl keine Lebensversicherung mehr abscließen dürfen, wenn man einmal einen Halbmarathon gelaufen ist.
    Diese Studie ist so dermaßen unsignifikant und die Schlussfolgerungen so dermaßen daneben, das ich mich wundere wer den bei dieser tollen Zeitschrift die Revision übernommen hat und ob man den nicht verklagen darf. Aus zwei Todesfällen eine Signifikanz basteln zu wollen…Wissenschaftlich ist was anderes.

  21. Vor rund 15 Jahren starb ein Mann aus unserer Ortschaft beim Langlauf in der Loipe an einem Herzinfark. Wir waren uns im Verein alle einig, dass man sich keinen schöneren Tod haben kann. Wir machen also alles richtig! 😉

  22. Ein herrlicher Artikel in einem Blog, den ich (erst jetzt!) dank Facebook entdeckt habe. Und natürlich folge ich seit einigen Sekunden dem Autor per Twitter. Es leben die sozialen Medien!

    Ich werde auch sterben. Aber erst mit 150 Jahren. Und das nicht, weil ich laufe. Nein, weil ich dabei modernste Technik einsetze! Bei Interesse siehe meinen Blogpost dazu 😉

    So, jetzt wird dieser Blog in meine Blogrol eingefügt. Und dann komm ich hier öfter vorbei. Ich freu mich schon!

  23. Nach lesen der Studie schnappte ich mir meine Laufschuhe, absolvierte einen flotten Zwanziger und dachte mit hinterher „du todesmutiger Teufelskerl“

  24. Wenn ich den FAZ oder auch Welt-Artikel lese, stellen sich mir die Nackenhaare auf.

    Fangen wir mal mit dem einfachen an. Was ist die Schlussfolgerung, die gezogen wird:

    Studie: „Light and moderate joggers have lower mortality than [healthy] sedentary nonjoggers, whereas strenuous joggers have a mortality rate not statistically different from that of the [healthy] sedentary group.“

    In einfacher Worten: „Gesundheitssportler leben gesünder als Leistungssportler. Und Leistungssportler haben eine Mortalitätsrate die nicht statistisch von der Mortalitätsrate gesunder Nicht-Jogger abweicht.“

    „Die Welt“ macht daraus: „Exzessives Joggen ist gefährlich.“

    Autsch!

    Sehen wir uns einmal die Details an:

    Die Studie vergleicht 1.098 gesunde Jogger mit 3.950 gesunden Nicht-Joggern.

    Leider kenne ich die genaue Definition von „gesund“ in diesem Zusammenhang nicht, allerdings ist davon auszugehen, …

    … dass wenigstens die ca. 23% der Bevölkerung (auf Deutschland bezogen), die an adipösem Übergewicht (BMI > 30) leiden nicht Teil der Studie sind (evtl. sogar nicht die ca. 60% der Bevölkerung, die an Übergewicht, also einem BMI > 25, leiden)
    … dass die ca. 8% der Bevölkerung, die an diabetis mellitus leiden nicht Teil der Studie sind
    … dass die ca. 830.000 Menschen, die jährlich aufgrund eines Herzinfarktes oder einer sonstigen koronaren Herzerkrankung ins Krankenhaus eingeliefert werden, nicht Teil der Studie sind.

    Nur um einige „übliche Zivilisationskrankheiten zu nennen“, die unter anderem auf falsche Ernährung und mangelnde körperliche Betätigung zurückzuführen sind.

    Natürlich wird es hier Schnittmengen geben, allerdings werden damit diese rund 25% der Bevölkerung in der Kontrollgruppe bewusst nicht betrachtet. Dass Adipositas, diabetis mellitus und Herzerkrankungen jeglicher Art zu einem erhöhten Mortalitätsrisiko führen, dürfte außer Frage stehen.

    Weiterhin würde ich davon ausgehen, dass der prozentuale Anteil derjenigen, die unter solchen „üblichen Zivilisationskrankheiten“ leiden, bei den Nicht-Joggern statistisch signifikant höher ist als bei den Joggern.

    Heißt: Entscheidend für die Betrachtung ist also die Basis. Es mag also der Fall sein, dass „gesunde exzessive Jogger“ keine erhöhte Mortalität gegenüber den gesunden Nicht-Sportlern aufweisen. Es gibt allerdings keine Aussage, dass exzessive Jogger eine erhöhte Mortalität gegenüber allen Nicht-Sportlern aufweisen und schon recht nicht, dass ihre Mortalität höher ist.

    Daher ist die Schlussfolgerung „Exzessives Joggen ist gefährlich“ nicht in Übereinstimmung mit der Studie. Schade, dass die Medien hier bewusst oder unbewusst solche Signale senden.

  25. Eigentlich müsste ich tot sein…?

    54 absolvierte Marathon, 12 Ironman, etc… Ausdauersport seit 30 Jahren

    Ich entgegne jedem, der mir ähnliche Sätze von Nichtsportlern wie Du sie in dem Artikel beschrieben hast wie folgt:

    “ Ich lebe nicht unbedingt länger, aber sterbe dafür gesünder“

  26. Klasse! Danke hierfür. So geht es immer wieder mit den Untersuchungen und Statistiken.
    Läufer bekommen auch öfter Hautkrebs als Nichtläufer.
    Das liegt aber daran, dass sie körperbewusster sind und sich mehr Läufer zur studie gemeldet haben als andere. so sieht es aus.
    Nochmals: danke

  27. Herzlichen Dank!
    Es trifft es auf den Punkt. Aber es ist natürlich wesentlich einfacher auf der Couch zu liegen, als bei Wind und Wetter etwas für die Gesundheit zu tun.
    Und dann auch noch ohne Tabletten! Wir bremsen sozusagen das Wirtschaftswachstum!

  28. Mein Nachbar meinte vor zwei Tagen vom Balkon herunter, mit der Kippe in der Hand, ich soll doch das weite Laufen sein lassen – das wäre ungesund.
    nun ja wie heißt es in dem alten weisen Buch:
    Lukas 6:41,42
    Was siehst du aber einen Splitter in deines Bruders Auge, und des Balkens in deinem Auge wirst du nicht gewahr?

  29. @Hans Im Schwimmbad ist das auch nervig, weil man kollidiert. Beim Laufen passiert das ja aber gar nicht. Und ich mag die Testosteron-geschwängerte Luft bei Jedermann-Radrennen auch nicht. Aber was ich mag, ist die Freude, wenn meine Bekannten ein Ziel erreicht haben, das sie sich selber gesetzt haben. Um „gewinnen“ und „vorne“ sein, geht es dabei den allerwenigste. Und ausgerechnet jene, die es sind, zeigen sich oft als herausragende offene Menschen mit nicht dem Hauch von Überheblichkeit.

  30. Der Unterschied ist ja überhaupt nicht signifikant: die Konfidenzintervalle für „Extrem“-Jogger schließen die Referenzgruppe ein!!!
    Das ist so eine typische Idioten-Schmuh-Studie, wie die drei Studien, die der Spiegel u.a. immer als Beweis für die Schädlichkeit von Vitamintabletten aufführt.
    Pfui!!!!!

  31. Das ist ja alles schön und gut und lustig geschrieben, aber der Satz „Leistung ist verdächtig“ ist mir dann doch zu sehr FDP. Und das ist genau die Einstellung, die mich bei den „Leistungsschwimmern“ im Bad immer so stört. Dieses Leistungsgetue sogar in der Freizeit geht mir auf den Senkel. Und wir wissen ja alle wo die FDP derzeit steht.

  32. Was soll man als leidenschaftliche Läuferin da noch hinzufügen… Genial! DANKE!

    Die Welt ist einfach viel zu bequem geworden… und solche „vermeindlichen“ Studienergebnisse kommen da genau recht. Wenn sie sich vollstopfen mit all den „gesunden“ Sachen – ich könnte jedes Mal ausrasten. Und wenn sie ihre Weisheiten dann noch an ihre Kinder weitergeben, dann haben wir den „Salat“. Ich für meinen Teil kann meine Leidenschaft nur alles nebenwirkungsfreies Medikament jedem weiterempfehlen… was die daraus machen, bleibt ihnen überlassen! Also – auf zum Laufen!

  33. Du hast sowas von Recht!! Danke für diesen Blog!!

    Ich erinnere mich nur zu gut an die Unkenrufe, als ich mit 112kg, Typ1 Diabetes und Depressionen angefangen habe zu laufen.
    Ganz mühselig und schwerfällig habe ich angefangen. Nun schaffe ich 3mal die Woche +-10km habe letztes Jahr an 7 Volksläufen teilgenommen, 5 davon mit pers. Bestzeit und habe nun schon über 1000km erlaufen, dadurch 10kg abgenommen.

    Was soll ich sagen, ich fühle mich gesünder und glücklicher denn jeh und wenn ich mehr Freizeit zur Verfügung hätte, würde ich jeden Tag laufen, egal ob’s angeblich ungesund ist, ich fühle mich lebendig durchs Laufen.

    Also sch…. drauf auf die Unkenrufe und die Miesmacherei!!

    🙂

  34. 100 % Zustimmung 🙂 Vor allem zum „sich die eigene Faulheit schönreden“ … wir haben leider so einen Fall in der allernächsten Verwandschaft – Laufen ist Zeitdiebstahl, ungesund, man ist abhängig … und was man sich noch alles anhören darf. Aber selbst dann Bluthochdruck haben, miese Cholesterinwerte und nicht mal 3 Treppen hochkommen… keep on running – da lassen wir uns nicht beirren.
    Super geschrieben!

  35. Volle Zustimmung! Klar kann man auch ohne Bewegung alt werden. Mein Vater wird im nächsten Monat 75. Mit dem Auto zum Zigarettenautomaten, fettes Essen mit Bier heruntergespült, mächtige Trommel unterhalb des Brustkorbs. ABER: Seit einem Jahr durch Schlaganfall halbseitig gelähmt, Pflegeheim. Lebensqualität Null und wenig Hoffnung auf Besserung.

  36. Sehr gute Antwort! Wichtig ist die Bewegung. Wenn ich teilweise im Warteraum der Ärzte Menschen sehe, die lieber eine Pille nehmen als abzunehmen. Es müssen nicht alle dünn, schlank sein und Sport treiben, aber sich um seine Gesundheit kümmern wäre sinnvoll. ..und wenn nur ein bißchen Sport/Bewegung betrieben wird, statt mit dem PKW zum nächsten Briefkasten zu fahren.

  37. Den Nagel auf den Kopf getroffen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Bei den Fragen bzw. den Kommentaren deiner Tischnachbarn hätte es mir auch die Sprache verschlagen oder ich hätte mich am Blumenkohlröschen verschluckt und wäre einer von 27 Personen gewesen, welche während des Essens im Lokal erstickt sind. Chapeau…

  38. Chapeau! Bravo, Hut ab!
    Ganz genau so. Laissez faire. Von mir aus.
    Aber ich wette sie geben es nicht auf und der nächste, der das sorgenvoll diskutieren will kommt bestimmt.
    Aber ich werde mich dann in Gelassenheit üben und ihn einfach hierher lesen schicken. Zack, fertig! 😀

  39. Vielen Dank für diesem Beitrag! Das ist der gleiche Schwachsinn, wie die mind. einmal jährlich geführte Diskussion (unterlegt durch „wisssenschaftliche“ Erkenntnisse und den Profiboxer bei dem das ja nicht stimmen kann) das dem bmi-Wert ja eigentlich falsch ist usw. Die meisten suchen doch nur Ausreden für die eigene Faulheit und Antriebslosigkeit.

  40. Danke! Danke! Danke!

    Deinem Blog kann ich uneingeschränkt zustimmen – ich kann sie auch nicht mehr lesen, die Ausredenstudien, die Relativierungsartikel und und und… selbst in der Runner’s World wird manches Machwerk umkommentiert abgedruckt, z.B. dass man am seltensten krank ist, wenn man 3x 30 Minuten joggt und das Risiko einer Erkältung leicht aber kontinuierlich steigt bis man ab 100 WKM wieder deutlich öfter krank wird, als jemand der keinen Sport treibt.

    Das muss man sich mal vorstellen – im Bereich zwischen 20 und 100 Wochen(!)kilometer fährt man also besser … der Artikel suggeriert aber, am wenigsten Erkältung haben die Kurzjogger.

    Immerhin kann man sich als Ausdauersportler aber super darüber aufregen, immerhin ist unser Blutdruck so niedrig!!!