<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>On the Road</title>
	<atom:link href="http://blog.wiwo.de/on-the-road/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://blog.wiwo.de/on-the-road</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Wed, 19 Jun 2013 13:48:35 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-DE</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.5.1</generator>
		<item>
		<title>Chaos-Tage in Berlin</title>
		<link>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/06/19/chaos-tage-in-berlin/</link>
		<comments>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/06/19/chaos-tage-in-berlin/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 19 Jun 2013 13:16:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Florian Willershausen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Obama]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.wiwo.de/on-the-road/?p=380</guid>
		<description><![CDATA[Statt des vertrauten Radioweckers wirft mich diesen Morgen ein Geräusch von draußen aus dem Bett: Hubschrauber kreisen am Himmel über Berlin – schon früh am Morgen, viel zu früh. US-Präsident Barack Obama ist in der Stadt, an Spree und Havel herrscht der absolute Ausnahmezustand. An diesem Mittwoch ist jeder klug beraten, das Auto in der [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Statt des vertrauten Radioweckers wirft mich diesen Morgen ein Geräusch von draußen aus dem Bett: Hubschrauber kreisen am Himmel über Berlin – schon früh am Morgen, viel zu früh. US-Präsident Barack Obama ist in der Stadt, an Spree und Havel herrscht der absolute Ausnahmezustand.</p>
<p><span id="more-380"></span></p>
<p>An diesem Mittwoch ist jeder klug beraten, das Auto in der Garage zu lassen. Das Zentrum ist rund um den Pariser Platz weiträumig abgeriegelt, immerhin der unterirdische Nahverkehr verläuft normal. Zwar ist die U-Bahn zwischen Hauptbahnhof und Brandenburger Tor gesperrt und in letzterem Bahnhof rauschen die S-Bahnen ohne Halt durch. Die „Öffentlichen“ laufen aber reibungslos.</p>
<p>Bloß rund ums Brandenburger Tor regiert das Chaos. Mehr als 8000 Polizisten setzen die Behörden ein, zusammengezogen aus umliegenden Bundesländern. So viele Einsatzkräfte standen nicht einmal zu den gefürchteten Protesttagen am 1. Mai bereit. Zudem werden die deutschen Uniformierten von zivil  krawattierten US-Kollegen unterstützt, die mit Argusaugen über die Szenerie am Brandenburger Tor wachen. Am auffälligsten sind jene, die auf der Akademie der Künste wachen – das Scharfschützen-Gewehr im Anschlag.</p>
<p>Gleichwohl gab es schon mehr Aufwand bei Besuchen von US-Präsidenten. Als sich George W. Bush einst nach Deutschland wagte und Mainz als „gemütliche Stadt“ für seinen Besuch auswählte, wurden Gully-Deckel zugeschweißt und Anwohner des Feldes verwiesen. Diesmal scheint die Kanalisation nicht angetastet worden zu sein; der Aufwand hält sich im Vergleich zu einem Bush-Besuch in Grenzen.</p>
<p>Am meisten belasten die Berliner nicht die Sicherheitsvorkehrungen – sondern die Hitze, zumindest jene, die sich auf den Pariser Platz bewegt haben. Mehr als 4000 handverlesene Gäste lassen sich unter prallem Sonnenschein vor dem Brandenburger Tor brutzeln, derweil die Temperatur der 35-Grad-Marke nähert. Plastikkanister, die lauwarmes Wasser spenden, leeren sich stets binnen weniger Minuten. Die wenigsten haben hier Sonnencreme dabei. Die ersten Zuschauer kollabieren bereits, bevor der US-Präsident erschienen ist.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/06/19/chaos-tage-in-berlin/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Besuch bei den Opfern der Textilfabrik-Katastrophe</title>
		<link>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/06/17/besuch-bei-den-opfern-der-textilfabrik-katastrophe/</link>
		<comments>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/06/17/besuch-bei-den-opfern-der-textilfabrik-katastrophe/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 17 Jun 2013 16:16:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Florian Willershausen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Indien und Südasien]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Bangladesch]]></category>
		<category><![CDATA[CSR]]></category>
		<category><![CDATA[Handel]]></category>
		<category><![CDATA[Rana Plaza]]></category>
		<category><![CDATA[Textilindustrie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.wiwo.de/on-the-road/?p=370</guid>
		<description><![CDATA[Es grenzte an ein Wunder, als die Näherin Rashem Begum nach 17 Tagen aus den Trümmern des Gebäudes „Rana Plaza“ gerettet wurde – unter Schock stehend, aber physisch unversehrt. Die 19-jährige Näherin hatte Löschwasser aus einer Pfütze getrunken, das die Feuerwehr nach einem Brand bei den Rettungsarbeiten in die Ruine gepumpt hatte. Die Bilder ihrer [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Es grenzte an ein Wunder, als die Näherin Rashem Begum nach 17 Tagen aus den Trümmern des Gebäudes „Rana Plaza“ gerettet wurde – unter Schock stehend, aber physisch unversehrt. Die 19-jährige Näherin hatte Löschwasser aus einer Pfütze getrunken, das die Feuerwehr nach einem Brand bei den Rettungsarbeiten in die Ruine gepumpt hatte. Die Bilder ihrer Rettung gingen um die Welt. Mehr als 1100 Menschen kamen kläglich ums Leben beim Einsturz jenes Gebäudes, das bis dahin auf jeder Etage von einem Generator durchgerüttelt worden war – ohne dass dies der TÜV Süd bei einer Kontrolle im Frühjahr abstellen ließ.</p>
<p><span id="more-370"></span></p>
<p>Näherin Rashem Begum sagte nach ihrer Rettung, sie wolle nie wieder in einer Textilfabrik arbeiten. Das nahm das Nobelhotel „The Westin“ in Dhaka zum Anlass, der jungen Frau einen Job anzubieten. Die findigen Hotelmanager stellten das Mädchen vom Dorf als Zimmermädchen ein – und als „Ambassador“ soll sie den Gästen vom Überleben unter den Trümmern erzählen. Doch der Marketing-Coup funktioniert noch nicht recht. Obwohl physisch wohlauf, ist Rashem Begum psychisch zu sehr traumatisiert, als dass sie für den Hotelbetrieb geschult werden könnte, auch für eine Pressekonferenz steht die junge Frau noch nicht zur Verfügung. Das haben sich die Marketing-Leute des „Westin“ wohl anders vorgestellt.</p>
<p>Dennoch hat die junge Frau mehr Glück als die meisten Kolleginnen: Ihre Gliedmaßen sind alle noch dran, sie könnte wieder arbeiten. Das kann Arihana nicht von sich behaupten. Die 20-Jährige war Näherin in der Fabrik New Waver Fashion, die im 6. Stock von „Rana Plaza“ auch für die Billig-Modekette Primark nähen ließ. „Von oben kam ein fürchterlich lautes Geräusch, dann wurde es dunkel und ich hatte fürchterliche Schmerzen“, sagt sie. Eine Querstrebe aus Beton hatte ihr beim Einsturz beide Beine bis zu den Knien hinauf abgetrennt. Nun erholt die sich unweit des Unglücksorts im „Centre for the Rehabilitation of the Paralysed“ (CRP).</p>
<p>Es war 8.52 Uhr, als die überfüllte Fabrik in sich zusammenbracht. Arihana lag bei vollem Bewusstsein im Schutt, ehe sie gegen 23 Uhr gerettet wurde. „Ich wollte sterben, weil ich keine Beine mehr hatte“, sagt Arihana. Inzwischen ist sie soweit bei Kräften, dass sie den Rollstuhl selbst schieben kann. Sterben will sie immer noch: „Wie soll ich denn ohne Beine eine Arbeit und einen Mann finden?“</p>
<p>Ein paar Betten weiter liegt Nursahan. Die 25-Jährige ist verheiratet, hat zwei Kinder im Alter von drei und acht Jahren. Das hält sie am Leben – obwohl sie seit dem Einsturz querschnittsgelähmt ist. Vor ein paar Tagen kam der Einkäufer eines westlichen Unternehmens ans Bett und hat ihr aus Mitleid 5000 Taka zugesteckt – 50 Euro, ein Monatslohn immerhin. Doch wie sie ihre Familie auf lange Sicht ernähren will, weiß sie nicht.</p>
<p>Modelabel und Handelshäuser zeigen Mitleid. Vor allem, wenn sich dies PR-trächtig ausschlachten lässt. Primark, der größte Kunde in der eingestützten Fabrik, will Opfern und ihren Hinterbliebenen entschädigen. In der Klinik CRP, einer der besseren Kliniken in Dhaka, hat noch niemand etwas von einer Entschädigung gehört. Wahrscheinlich bekämen die nur die Toten, sofern sie identifiziert wurden.</p>
<p>Immerhin hat eine reihe NGO aus Großbritannien Flagge: Arbeiter schleppen 15 nagelneue Singer-Modelle in die Klinik, der Ferrari unter den Nähmaschinen. Ob die Näherinnen damit etwas anfangen können, steht auf einem anderen Blatt. Solch moderne Maschinen hat wohl noch keine von ihnen je bedient. Und die meisten werden auch nie wieder eine Nähmaschine bedienen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dhaka, im Juni</p>
<p>Fotos:</p>
<p>Die 25-jährige Näherin Nursahan ist seit dem Einsturz des Gebäudes von &#8220;Rana Plaza&#8221; querschnittsgelähmt:</p>
<p><a href="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/Klinik1.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-371" alt="Klinik1" src="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/Klinik1-300x199.jpg" width="300" height="199" /></a></p>
<p>In der nahe gelegenen Reha-Klinik CRP sind noch 59 der rund 2000 Verletzten der Katastrophe untergebracht.</p>
<p><a href="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/Klinik2.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-372" alt="Klinik2" src="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/Klinik2-300x199.jpg" width="300" height="199" /></a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/06/17/besuch-bei-den-opfern-der-textilfabrik-katastrophe/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Wo Modemarken wertlos sind</title>
		<link>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/06/14/wo-modemarken-wertlos-sind/</link>
		<comments>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/06/14/wo-modemarken-wertlos-sind/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 14 Jun 2013 12:06:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Florian Willershausen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Indien und Südasien]]></category>
		<category><![CDATA[Bangladesch]]></category>
		<category><![CDATA[Einzelhandel]]></category>
		<category><![CDATA[H&M]]></category>
		<category><![CDATA[Konsum]]></category>
		<category><![CDATA[Mode]]></category>
		<category><![CDATA[Modelabel]]></category>
		<category><![CDATA[Primark]]></category>
		<category><![CDATA[Textilwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Walmart]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.wiwo.de/on-the-road/?p=350</guid>
		<description><![CDATA[Der Alltag ist ein einziges Gedränge in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch. Ständig muss man Menschen ausweichen, die einem auf den engen Gehsteigen zu Fuß, auf Krücken oder mit Fahrrädern entgegenkommen – und das bisweilen auf bröckelnden Betonplatten, unter denen stellenweise die unterirdischen Kanalisation zu sehen und zu riechen ist. Wer auf die Straße ausweicht, [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der Alltag ist ein einziges Gedränge in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch. Ständig muss man Menschen ausweichen, die einem auf den engen Gehsteigen zu Fuß, auf Krücken oder mit Fahrrädern entgegenkommen – und das bisweilen auf bröckelnden Betonplatten, unter denen stellenweise die unterirdischen Kanalisation zu sehen und zu riechen ist. Wer auf die Straße ausweicht, muss höllisch auf die Rikschas und Autos acht geben, deren Gefahr für Fußgänger durch den Dauerstau immerhin minimiert wird.</p>
<p><span id="more-350"></span></p>
<p>Freitags ist das Gewimmel besonders schlimm. Dann die meisten Arbeiter der mehr als 5000 Textilfabriken einen Tag frei, den so genannten „Textil-Feiertag“. Und dann kaufen die Bengalen fleißig ein – gern auf dem &#8220;Nehar Baban&#8221; im Nordwesten der Sieben-Millionen-Einwohner-Stadt. Dort landen Textilien, die entweder vom Laster gefallen sind oder es wegen von Qualitäts- und Lieferproblemen gar nicht auf den Laster geschafft haben.</p>
<p>Das Geschäftsmodell dahinter würde man im Westen „Outlet-Store“ bezeichnen. Doch der Gedanke an die hellen deutschen Verkaufsräume bringt einen beim Gang durch die engen Handelsreihen im stickigen Marktgebäude von Dhaka zum Schmunzeln: In den Regalen der vielen Dutzend Hemden-Händler sind die Konfektionen beileibe nicht nach Marken sortiert, sondern lieblos verpackt in den Regalen übereinander gestapelt.</p>
<p>Die englische Trend-Marke „Ben Sherman“ hängt auf einem Ständer neben dem Billig-Shirt von H&amp;M – ob die Verkäufer wohl einen Unterschied machen? Das will ich testen. Ich frage mit Hilfe meines Übersetzers nach dem Preis für ein Hemd der Marke Tommy Hilfiger, die im deutschen Handel zumindest 50 Euro kosten würde. „500 Taka“, sagt der junge Mann, also gut fünf Euro. Und das Hemd von Primark? „500 Taka“, sagt er. Ich zeige ihm das Preisschild über 6,99 Euro, das am Hemd des irischen Billigheimers baumelt und verhandle: „Das ist ja fast so viel wie in Deutschland, dabei müsst ihr nicht einmal den Transport bezahlen, wenn ihr es vor Ort verkauft.“ Na gut, lenkt der Händler ein &#8211; „400 Taka.“</p>
<p>Im Westen investieren Modekonzerne Milliarden, um Marken ein Image zu verpassen und damit einen hohen Preis zu rechtfertigen. Marken sind Statussymbole, sie zählen zum Lifestyle ganzer Generationen. Die Bengalen dagegen erweisen sich als erfrischend resistent gegen die künstliche Aufladung von Marken – wohl wissend, dass sie zuweilen aus derselben Fabrik kommen. Produkte unter der relativ teuren italienischen Marke Benetton werden in denselben Fabriken hergestellt wie Billig-Mode für Aldi und Primark. In der Herstellung sind alle Marken gleich, allenfalls beim Material mag es Unterschiede geben.</p>
<p>Der Markt selbst ist ein eigener mikroökonomischer Raum. Die Klamotten stammen allesamt aus jenen Fabriken, die regulär mit westlichen Modelabeln unter Vertrag stehen. Die Produkte sind aber nicht aufs Schiff gekommen, da sie entweder nicht die Qualitätsansprüche der Lieferanten erfüllten oder die „Order“ zu spät fertiggestellt wurde. Die Waren landen in Säcken auf dem Schwarzmarkt von Dhaka.</p>
<p>Nach dem Einsturz der Fabrik „Rana Plaza“ waren fast alle Fabriken in Bangladesch aufgrund von Ausschreitungen für eine Woche geschlossen. Deswegen konnten viele Nähereien ihren Liefer-Verpflichtungen nicht nachkommen – und gerade Handelsriesen wie Walmart lehnten diese Waren am Hafen knallhart ab. Um nicht ganz auf den Kosten sitzen zu bleiben, gingen die Waren in den Binnenmarkt. Dort zahlt der Einheimische übrigens kaum mehr als 200 Taka für ein Hemd, also zwei Euro. Trotzdem scheinen die Händler noch eine Marge darin zu sehen. Soviel zum wahren Herstellungspreis von Textilprodukten.</p>
<p>Dhaka, im Juni</p>
<p>Florian Willershausen</p>
<p>Und hier ein paar Fotos:</p>
<p>Beim Einkaufen auf dem &#8220;internationalen Markt&#8221; in Dhaka habe ich stets verkaufstüchtige Händler um mich herum geschart:</p>
<p><a href="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG_4429.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-357" alt="IMG_4429" src="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG_4429-300x199.jpg" width="300" height="199" /></a></p>
<p>Allerdings hängen die wenigsten Hemden und T-Shirts auf einer Stange wie hier:</p>
<p><a href="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG_4423.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-356" alt="IMG_4423" src="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG_4423-300x199.jpg" width="300" height="199" /></a></p>
<p>Vielmehr muss ich mich in einem riesigen Stapel an Hemden zurechtfinden, ohne dass etwas nach Größen, Marken oder Farben geordnet wäre:</p>
<p><a href="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG_4403.jpg"><img alt="IMG_4403" src="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG_4403-300x199.jpg" width="300" height="199" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zwischen teuren und billigen Marken machen die Bengalen keine Unterschiede:</p>
<p><a href="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG_4417.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-354" alt="IMG_4417" src="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG_4417-300x199.jpg" width="300" height="199" /></a></p>
<p>Die Auswahl ist für den Käufer zum Teil körperliche Arbeit..</p>
<p><a href="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG_4412.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-353" alt="IMG_4412" src="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG_4412-300x199.jpg" width="300" height="199" /></a></p>
<p>&#8230;was ähnlich auch für Hosen gilt:</p>
<p><a href="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG_4420.jpg"><img alt="IMG_4420" src="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG_4420-300x199.jpg" width="300" height="199" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Angeliefert werden die Klamotten in Säcken; dann verpacken sie die Verkäufer in Tüten.</p>
<p><a href="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG_4408.jpg"><img alt="IMG_4408" src="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG_4408-300x199.jpg" width="300" height="199" /></a></p>
<p>Das hier ist der dämlichste T-Shirt-Spruch, den ich seit langem gesehen habe:</p>
<p><a href="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG_4445.jpg"><img alt="IMG_4445" src="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG_4445-199x300.jpg" width="199" height="300" /></a></p>
<p>Wer traut mir zu, dass ich dieses Shirt gekauft habe?</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/06/14/wo-modemarken-wertlos-sind/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>In den Trümmern des Konsums</title>
		<link>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/06/11/in-den-trummern-des-konsums/</link>
		<comments>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/06/11/in-den-trummern-des-konsums/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 11 Jun 2013 18:53:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Florian Willershausen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Indien und Südasien]]></category>
		<category><![CDATA[Bangladesch]]></category>
		<category><![CDATA[Benetton]]></category>
		<category><![CDATA[CSR]]></category>
		<category><![CDATA[Konsum]]></category>
		<category><![CDATA[Massenkonsum]]></category>
		<category><![CDATA[Outsourcing]]></category>
		<category><![CDATA[Primark]]></category>
		<category><![CDATA[Textilindustrie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.wiwo.de/on-the-road/?p=342</guid>
		<description><![CDATA[Wenn die weinenden Mütter nicht wären und die verdorrten Kränze an der Stacheldraht-Bannmeile – die bislang größte Grabstätte des textilen Massenkonsum käme daher wie eine normale Baustelle: Tonnenweise liegt Schutt am Boden, aus den abgebrochenen Rampen zum Nachbargebäude ragen Stahlstreben, Arbeiter tragen den Abraum weg. Man kann sich vorstellen, wie Abrissbagger eine marode Textilfabrik abtrugen [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn die weinenden Mütter nicht wären und die verdorrten Kränze an der Stacheldraht-Bannmeile – die bislang größte Grabstätte des textilen Massenkonsum käme daher wie eine normale Baustelle: Tonnenweise liegt Schutt am Boden, aus den abgebrochenen Rampen zum Nachbargebäude ragen Stahlstreben, Arbeiter tragen den Abraum weg. Man kann sich vorstellen, wie Abrissbagger eine marode Textilfabrik abtrugen – nicht aber, wie das Gebäude „Rana Plaza“ an der verstauten Savar Bazer-Straße einfach in sich zusammenfiel und über 1000 schreiende Menschen unter sich begrub.</p>
<p><span id="more-342"></span></p>
<p>Wieder bin ich in Dhaka, Bangladesch, der Hauptstadt der billigen Textilproduktion. Sechs Wochen ist das Unglück in der Fabrik nun her, immer noch steht ein leicht süßlicher Geruch in der Luft, ich bin froh, dass ich noch etwas Schnupfen habe und nicht richtig riechen kann. Denn hinter der Ort, an den sie nach Einstellung der Rettungsarbeiten die Trümmer geschafft. Da bis dato immer noch 332 Menschen vermisst werden und „nur“ rund 150 Leichen in Krankenhäusern der Identifizierung durch DNA-Tests harren, wird manch ein Körper unter dem Schutt verwesen. Jeden Tag kommen heute noch Angehörige zum Tor und zeigen Fotos ihrer Ehemänner, Kinder oder Eltern, die in der Fabrik tätig waren und nicht identifiziert wurden. Es sind viele, die die Hoffnung nicht aufgeben wollen.</p>
<p>Unter einem Zelt vor dem Schutt-Friedhof kloppen sechs Polizisten Karten, die Gewehre an den Stuhl gelehnt. Die Angehörigen der Opfer halten sie mit bloßer Präsenz auf Distanz; Fremde lassen sie passieren. Im Anbau der eingestürzten Fabrik liegen neben den Gummi-Handschuhen der Ersthelfer massenhaft Klamotten auf staubigem Beton, teils aus der Fertigung, teils von den Opfern getragen und entsprechend zerfetzt. Ein Aufseher der Fabrik, der hier im alten Anbau tätig war, berichtet von den Rissen in den Decken, die jeder hier bemerkt habe. Klar habe er sie an die Vorgesetzten gemeldet, doch die hätten ihn ignoriert. Man müsse noch eine „wichtige Order“ abwickeln, dann werde man sich der Reparatur annehmen.</p>
<p>Wichtige Order hat bei Rana Plaza ein Moderiese platziert, der in Deutschland massiv expandiert – Primark. Auf allen Etagen finden sich Unterlagen im Dreck, die minutiös die Details der vielen Lieferungen aufschlüsseln. Neben Billigheimer Primark ist mit Italiens Modemarke Benetton auch ein höherpreisiger Markenhersteller Dauerkunde der eingestürzten Fabrik gewesen – von beiden ist bekannt, dass sich für die Arbeitsbedingungen in ihren bengalischen Fabriken allenfalls aus Imagegründen interessieren.</p>
<p>Der Einsturz der Textilfabriken von „Rana Plaza“ geht als der bislang größte Unfall des westlichen Massenkonsums in die Geschichte ein. Auch die Billig-Werkbank Bangladesch hat der Vorfall schwer erschüttert. In Deutschland indes ist die Welle der Empörung mit steigendem Hochwasser abgeebbt. Was sich nachhaltig in Bangladesch ändern kann und muss, recherchiere ich dieser Tage in Dhaka. Anregungen, Fragen oder Ideen zur Recherche nehme ich gern entgegen – an dieser Stelle über die Kommentarfunktion oder auch per E-Mail: <a href="mailto:florian.willershausen@wiwo.de">florian.willershausen@wiwo.de</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Grüße aus Dhaka,</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Florian Willershausen</p>
<p>Und hier noch ein paar Fotos von mir Amateur; die professionellen unseres Fotografen folgen in der WiWo-Print-Ausgabe und auf dem iPad.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Am Stacheldrahtzahn vor der klaffenden Lücke des Rana Plaza-Gebäudes haben Gewerkschaften &#8211; und auch Arbeitgeberverbände ihre Plakate befestigen lassen:</p>
<p><a href="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG-20130611-00089.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-343" alt="IMG-20130611-00089" src="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG-20130611-00089-300x225.jpg" width="300" height="225" /></a></p>
<p>Die Polizisten unter dem Zeltdach lassen keine Angehörigen nah an die Fabrik. Links (nicht im Bild) ist eine zweite Stacheldraht-Absperrung, hinter der die Hauptstraße vom Flughafen lärmt.</p>
<p><a href="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG-20130611-00090.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-344" alt="IMG-20130611-00090" src="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG-20130611-00090-300x225.jpg" width="300" height="225" /></a></p>
<p>Auf allen Stockwerken liegen Unmengen an Schutt und Kleiderresten in den Ecken.</p>
<p><a href="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG-20130611-00094.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-345" alt="IMG-20130611-00094" src="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG-20130611-00094-300x225.jpg" width="300" height="225" /></a></p>
<p>Wo früher eine Textilfabrik mit (inoffiziell) 1500 Beschäftigen stand, ist jetzt eine riesige Pfütze in den Trümmern</p>
<p><a href="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG-20130611-00095.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-346" alt="IMG-20130611-00095" src="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG-20130611-00095-300x225.jpg" width="300" height="225" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Im heruntergekommenen Schulungsraum werden so bald keine Lehrgänge für Näherinnen mehr stattfinden</p>
<p><a href="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG-20130611-00098.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-347" alt="IMG-20130611-00098" src="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG-20130611-00098-300x225.jpg" width="300" height="225" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Unter dem Schuttberg nebenan dürften noch etliche Leichen liegen &#8211; jedenfalls riecht es so. Und 332 Menschen gelten noch als vermisst.</p>
<p><a href="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG-20130611-00099.jpg"><img alt="IMG-20130611-00099" src="http://blog.wiwo.de/on-the-road/files/2013/06/IMG-20130611-00099-300x225.jpg" width="300" height="225" /></a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/06/11/in-den-trummern-des-konsums/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Chinas langer Weg zur Freiheit</title>
		<link>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/05/25/chinas-langer-weg-zur-freiheit/</link>
		<comments>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/05/25/chinas-langer-weg-zur-freiheit/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 25 May 2013 02:59:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Florian Willershausen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Handelspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Schwellenländer]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.wiwo.de/on-the-road/?p=337</guid>
		<description><![CDATA[Die Luft ist dick, wenn Li Keqiang heute in Berlin eintrifft. Es ist die erste Auslandsreise von Chinas neuem Ministerpräsidenten, was durchaus für den Stellenwert der deutschen Wirtschaft in China spricht. Aber just zur Ankunft des hochdekorierten Chinesen eskaliert ein Handelsstreit: Die Europäische Kommission will ab dem 6. Juni Solarmodule aus China mit Strafzöllen in [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Arial, sans-serif"><span style="font-size: small">Die Luft ist dick, wenn Li Keqiang heute in Berlin eintrifft. Es ist die erste Auslandsreise von Chinas neuem Ministerpräsidenten, was durchaus für den Stellenwert der deutschen Wirtschaft in China spricht. Aber just zur Ankunft des hochdekorierten Chinesen eskaliert ein Handelsstreit: Die Europäische Kommission will ab dem 6. Juni Solarmodule aus China mit Strafzöllen in Höhe von durchschnittlich 47 Prozent verhängen. EU-Handelspolitiker wollen damit erreichen, dass China von einer offenkundigen Subventionierung der Branche durch Billig-Kredite abrückt. </span></span></p>
<p><span id="more-337"></span></p>
<p><span style="font-family: Arial, sans-serif"><span style="font-size: small">Treibende Kraft hinter dem Vorstoß ist ein Deutscher, Frank Asbeck. Der Chef des Branchenriesen Solarworld führt eine Anti-Dumping-Initiative gegen China und betreibt mächtig Lobbying gegen Peking. Damit legt er sich allerdings mit der Mehrheit der Wirtschaftstreibenden in Deutschland an, die in China einen viel zu bedeutenden Absatzmarkt sehen, als dass man mit Strafzöllen experimentieren sollte. Immerhin hat Peking bald nach Bekanntgabe der Pläne mit Gegenmaßnahmen gedroht – wobei diese womöglich nicht nur auf Solarmodule beschränkt wären, die China längst nicht mehr aus Europa importiert. </span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial, sans-serif"><span style="font-size: small">Jetzt will die Bundeskanzlerin vermitteln. Angela Merkel (CDU) hat über ihren Sprecher angekündigt, einen Kompromiss mit China finden zu wollen. Es darf als wahrscheinlich gelten, dass die Strafzölle in letzter Minute abgebogen werden. Die nackte Angst der deutschen Wirtschaft vor Prügeln aus Peking, die eilige Kompromiss-Diplomatie in Berlin, der deutsche Druck auf die Handelspolitiker in Brüssel – dies alles zeigt einmal mehr, wie abhängig die deutsche Wirtschaft von China ist. Nicht wenige Unternehmen machen mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Reich der Mitte, Absatzzuwächse zum größten Teil auf den Boom in der Volksrepublik zurück. </span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial, sans-serif"><span style="font-size: small">Diese Abhängigkeit kann zur Gefahr werden.Viele Unternehmer haben sich allzu sehr an die Zuwächse aus China gewöhnt. China ist wie eine Droge, die bei manchen Investoren den klaren Blick auf andere Wachstumsmärkte verzerrt und dazu führt, dass die strategische Planung ganz und gar auf einen Markt ausgerichtet ist. Derweil haben sich die meisten Unternehmen daran gewöhnt, dass ihre Produkte in China munter kopiert werden. Man klagt ab und an, doch das gilt eher dem Image und gleicht den Schaden nicht aus. Stattdessen bemühen sich die Unternehmen, mit neuen Produkten immer einen Schritt schneller zu sein als die chinesischen Kopierer. </span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial, sans-serif"><span style="font-size: small">Bislang geht das gut, die Umsätze steigen. Was aber auch daran liegt, dass den chinesischen Unternehmen noch das „innovative Gen“ fehlte und deren Produkte nie besser waren als jene der Deutschen. Die Ingenieure mögen gut kopieren können, Produkte zu verbessern vermochten sie indes nicht. Das ändert sich indes allmählich &#8211; und die Politik trägt ihren Teil dazu bei: Am Freitag, einen Tag vor Li Keqiangs Ankunft in Berlin hat dessen Regierung in Peking eine Reihe an Maßnahmen zur Öffnung der Wirtschaft verkündet. Statt staatlicher Unternehmen soll künftig eine Privatwirtschaft im Riesenreich dominieren. Die Wirtschaft soll weniger vom Staatskonsum abhängen und innovativer werden. Der Kapitalmarkt soll weiter geöffnet, ausländische Investitionen vereinfacht werden. Zugleich kündigte Chinas Regierung an, verstärkt im Ausland zuzukaufen, wofür Li Keqiang in Deutschland um Unterstützung werben wird. </span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial, sans-serif"><span style="font-size: small">In Asien interessiert sich niemand für die Strafzölle der EU. Die Botschaft der Woche ist folgende: Chinas so genannte Kommunisten gehen auch unter neuer Regierung zielstrebig den eingeschlagenen Weg hin zu mehr Wettbewerb und Marktwirtschaft. Dies kann der deutschen Wirtschaft mit ihren Hightech-Produkten, gefährlicher werden als jeder Handelsstreit. Denn je freier ein Land ist, desto innovativer können deren Köpfe werden. Dass Chinesen unheimlich schnell und zuweilen flexibler sind als der gemeine Westeuropäer, ist für China-erfahrene Geschäftsleute längst nichts Neues mehr. Langsam wird China zum neuen Japan: Einem echten Wettbewerber, der immer weniger auf Importe aus dem Westen angewiesen ist &#8211; und deren Unternehmen auch besser sein können als jene aus dem Westen vor. Das macht in Asien mit Korea ein andere tüchtige Nations vor; Konzerne wie Hyundai und Samsung sind in vielen Technologiebereichen allseits respektierte Weltmarktführer. </span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial, sans-serif"><span style="font-size: small">Ist dies schon das Ende des deutschen Wirtschaftswunders in China? Klar, so rasch ändert sich eine gewaltige Republik wie China mit ihren 1,3 Milliarden Einwohnern nicht. Das Land leidet an vielen Widersprüchen und sozialen Konflikten, die jederzeit eine schwere Wirtschaftskrise heraufbeschwören könnten. Ob man die bisherige Werkstatt der Welt wirklich dauerhaft zum Exporteur umdeklarieren kann, muss erst noch bewiesen werden. Doch deutsche Unternehmen sollten sich darauf einstellen, dass die zweistelligen Wachstumsraten endlich sind. </span></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: Arial, sans-serif"><span style="font-size: small">Hongkong, im Mai</span></span></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/05/25/chinas-langer-weg-zur-freiheit/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Chinesen-Plage in Hongkong</title>
		<link>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/05/21/chinesen-plage-in-hongkong/</link>
		<comments>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/05/21/chinesen-plage-in-hongkong/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 21 May 2013 09:58:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Florian Willershausen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Einzelhandel]]></category>
		<category><![CDATA[Handel]]></category>
		<category><![CDATA[Hongkong]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Konsum]]></category>
		<category><![CDATA[Luxusindustrie]]></category>
		<category><![CDATA[Shenzhen]]></category>
		<category><![CDATA[Tourismus]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.wiwo.de/on-the-road/?p=332</guid>
		<description><![CDATA[Quer durch die Kulturen ist der Sonntag ein Tag der Ruhe, des Innenhaltens – im britisch geprägten Hongkong nicht anders als in Europa. Doch mit der Ruhe ist es vorbei, seit immer mehr Touristen aus China die Sonderverwaltungszone stürmen. Sonntag ist Shopping-Tag in Festland-China. Und das kann zuweilen ziemlich laut werden. Die Exzesse von Asiens [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Quer durch die Kulturen ist der Sonntag ein Tag der Ruhe, des Innenhaltens – im britisch geprägten Hongkong nicht anders als in Europa. Doch mit der Ruhe ist es vorbei, seit immer mehr Touristen aus China die Sonderverwaltungszone stürmen. Sonntag ist Shopping-Tag in Festland-China. Und das kann zuweilen ziemlich laut werden.</p>
<p><span id="more-332"></span></p>
<p>Die Exzesse von Asiens Konsum-Kultur eskalieren an der Metro-Station „Central“. Entlang der Balustrade, die diverse Shopping-Malls mit Business-Bauten verbindet, drängen sich besonders an Feiertagen schiere Massen von Menschen – vor allem aus China. Sie pilgern in die Outlet-Stores von Luxusmarken wie Louis Vuitton oder Burberry, wo Sicherheitsdienste wie Türsteher vor Diskotheken den Zustrom regulieren.</p>
<p>Und was tun Chinesen, wenn sie beim Einkaufen warten müssen? Sie quatschen – und das so laut und so schrill, dass der direkt unter der Brücke verlaufenden Connaught Road kaum mehr zu hören ist. Dass sich Hausangestellt von den Philippinen an ihren freien Sonntags gern in stark besiedelten Innenstadt-Lagen treffen und nicht minder schrill palavern, trägt wenig zur Reduzierung der Dezibel bei.</p>
<p>Hongkong ist seit jeher ein Paradies für Touristen. Schon zur Kolonialzeit, die im Jahr 1997 offiziell endete, genossen die Gäste der Stadt asiatischen Flair bei einer westlichen Versorgungs- und Unterhaltungsinfrastruktur. Noch heute ist die Tourismusbranche eine der wichtigsten Arbeitgeber auf Chinas liberaler Insel – aber die Touristen sind zu 70 Prozent Chinesen. Wer aus dem Westen nach Asien reisen möchte, findet zwischen Peking und Bangkok eine Fülle an touristisch bestens erschlossenen Alternativen.</p>
<p>Also kommen die Chinesen. Allein im vergangenen Jahr pilgerten rund 35 Millionen Festland-Chinesen in die Stadt Hongkong, die mit Umland nur 7,1 Millionen Einwohner zählt. Laut einer Studie des Dienstleistungsunternehmens Jones Lang Lasalle stammen von den rund 26 Milliarden Euro, die ausländische Besucher in China ausgaben, rund drei Viertel von Festland-Chinesen. Die reisen mit prall gefüllten Geldbörsen über die Grenze in die zollfreie Sonderverwaltungszone, wo Luxuswaren günstiger sind – und wo die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass es sich tatsächlich um Originale handelt.</p>
<p>Hongkong fördert den Konsum: Seit zehn Jahren, als Hongkong wegen der SARS-Epidemie dringend Touristen brauchte, lässt die Regierung die Landsleute vom Festland als Einzelpersonen nach Hongkong reisen, bis dahin waren nur Gruppenreisen möglich. Seither geben die Behörden in zunehmendem Maße multiple Visa aus, sodass Bewohner aus der benachbarten Industriemetropole Shenzhen sogar Alltagsgüter wie Soja-Sauce oder das skandalbehaftete Milchpulver in der Exklave Hongkong kaufen.</p>
<p>Jones Lang Lasalle rechnet für die kommenden Jahre mit einem weiter zweistelligen Wachstum der Besucher aus China – selbst wenn sie auf dem Festland die Zölle auf Null senken würden. Denn wegen der höheren Glaubwürdigkeit der Marken in Hongkong würden die begüterten Festland-Chinesen dennoch lieber in Hongkong kaufen. Hinzu kommt, dass die Einzelhandelspreise in China wegen Logistik- und Risikoaufschläge auch ohne Zolltarif meist wenigstens 15 Prozent höher kalkuliert sind als im Westen.</p>
<p>Der Konsum-Boom hilft Hongkong, das zuletzt enttäuschende Wirtschaftswachstum wieder über zwei Prozent zu heben. Zugleich wächst aber auch der Widerstand der Hongkong-Chinesen, die ihre hohe Lebensqualität angesichts der lärmenden Touristenmassen in der Innenstadt. In den vergangenen Monaten hat es immer mal wieder Demonstrationen gegeben – Ureinwohner fordern die Regulierung der Touristenzahlen. Die sozialen Spannungen in der liberalen Wohlfühl-Oase wachsen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Hongkong, im Mai</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/05/21/chinesen-plage-in-hongkong/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Aus Matsch wird Metall</title>
		<link>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/04/25/aus-matsch-wird-metall/</link>
		<comments>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/04/25/aus-matsch-wird-metall/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 25 Apr 2013 13:20:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Florian Willershausen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Postsowjetischer Raum]]></category>
		<category><![CDATA[Atomindustrie]]></category>
		<category><![CDATA[Atomwaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Industrie]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Metalle]]></category>
		<category><![CDATA[Metallurgie]]></category>
		<category><![CDATA[Rohstoffe]]></category>
		<category><![CDATA[Seltene Erden]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetunion]]></category>
		<category><![CDATA[Steppe]]></category>
		<category><![CDATA[Uran]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.wiwo.de/on-the-road/?p=330</guid>
		<description><![CDATA[Die besten Zeiten von Stepnogor in Kasachstan liegen lange zurück. In den sechziger und siebziger Jahren sammelte die Sowjetunion in der abgeriegelten und streng bewachten „Steppenstadt“ die besten Chemiker der ganzen Planwirtschaft: Sie entwickelten Biowaffen unter höchster Geheimhaltungsstufe im Forschungszentrum „Progress“ – oder reicherten Uran an im Werk nebenan. Wer im Elite-Biotop Stepnogor arbeitete, genoss [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die besten Zeiten von Stepnogor in Kasachstan liegen lange zurück. In den sechziger und siebziger Jahren sammelte die Sowjetunion in der abgeriegelten und streng bewachten „Steppenstadt“ die besten Chemiker der ganzen Planwirtschaft: Sie entwickelten Biowaffen unter höchster Geheimhaltungsstufe im Forschungszentrum „Progress“ – oder reicherten Uran an im Werk nebenan. Wer im Elite-Biotop Stepnogor arbeitete, genoss Privilegien. Im Supermarkt „Sibir“ gab es frischen Käse, beste Süßigkeiten und Früchte aus aller Welt.</p>
<p><span id="more-330"></span></p>
<p>Inzwischen hat die Geschichte Stepnogor dem Verfall preisgegeben: Rost frisst sich an der Fassade des Einkaufszentrums hoch, das bis heute das Zentrum der Retorten-Stadt ist. Die Zahl der Einwohner hat sich aber auf gut 40000 halbiert, an verlassenen Bushaltestellen verkaufen alte Omis eingelegte Tomaten. Das elitäre Forschungszentrum am Stadtrand steht leer, im Winter platzen die Fensterscheiben.</p>
<p>Die Aura des Geheimnisvollen ist indes in Stepnogor verblieben. „Steck deinen Notizblock weg“, weist mich Ruslan Isabajew an. „Ich stelle dich als Monteur aus Deutschland vor.“ Und ich möge die Klappe halten, ihm das Reden überlassen. Jetzt bloß nicht auffallen.</p>
<p>Geschafft! Ohne Blaumann und trotz des deutschen Reisepasses lässt mich der Sicherheitsdienst von Kasatomprom auf das Gelände, auf dem eine der größten Uran-Anreicherungsanlagen der Welt.</p>
<p>Wortlos stapfe ich Isabajew auf dem grün gestrichenen Flur hinterher. Es stinkt nach Sagrotan, die meisten Büros links und rechts des dunklen Flurs scheinen verweist. Sind das die stillen Kämmerlein mit klischeehaft verschrobenen Chemikern, die Uran für Atomwaffen anreichern können? Oder verarbeiten die Kasachen hier tatsächlich nur noch Uranerze zu Brennstoff für Atomkraftwerke? Es heißt, ein Drittel der weltweiten Produktion von Uran stamme aus der Steppe Kasachstans. Und, herrje, überhaupt: Ist das Gelände hier nicht total verstrahlt sein?</p>
<p>Natürlich bekomme ich von den Uran-Anlagen nichts zu sehen. Ein Wunder, dass ich überhaupt auf dem Gelände bin! Ruslan Isabajew läuft im Hof Slalom um die Schneematsch-Pfützen und hält auf eine nagelneue Fabrikhalle zu, die in strahlendem Blau unter den 19 grauen Sowjet-Gebäuden hervorsticht. Die Anlage hat sein Arbeitgeber Sareco gebaut – ein Joint Venture von Kasatomprom mit dem japanischen Mischkonzern Sumitomo Corporation. Sie filtert aus Uran-Erzen jene Seltenen Erden, auf die vor allem Elektronikhersteller angewiesen sind. Ruslan Isabajew ist der Chefingenieur der Anlage, die Ende April in Betrieb geht.</p>
<p>„In Uran-Vorkommen finden sich immer Seltene Erden“, erzählt der Verfahrenstechniker. Bislang habe Kasatomprom das Rohmaterial in der Region Aktau am Kaspischen Meer bloß gefördert, um daraus Uran zu extrahieren. Da Metalle wie Dysprosium oder Yttrium am Weltmarkt dank der starken China-Nachfrage viel Geld bringen, zieht Sareco mit der neuen Anlage zunächst aus Uran-Phosphor-Erzen die Seltenen Metalle heraus.</p>
<p>„Die Anlage funktioniert wie eine riesengroße Waschmaschine mit Trockner“, erklärt Ruslan Isabajew, als er im Innern der gut zehn Meter hohen Halle vor riesigen Maschinen steht: Der Rohstoff kommt in matschiger Konsistenz per Bahn und wird im obersten der drei gut drei Meter hohen Bottiche mit chemischen Substanzen versetzt, um die Schadstoffe zu heraus zu waschen. Dann gießen die Chemiker Säure in die Suppe, die auf 600 Grad erhitzt wird – bis nur mehr trockene Erde übrig bleibt.</p>
<p>In diesen Erden sind die begehrten Metalle enthalten, die in Zentrifugen mit verschiedenen Lösungsmitteln durchgespült und so vom Uran getrennt werden. Heraus kommt eine Art Sand mit hohem Anteil leichter und schwerer Seltener Erden. Die schweren Sorten, etwa das für Magnete benötigte Dysprosium, verschifft Sareco an eine Raffinerie in Laos, wo die Metalle voneinander getrennt werden.</p>
<p>Gut 1000 Kilo bringt das Kilo schwerer seltener Erden dem Unternehmen. Mehr als 30 Millionen Euro haben die Partner des Gemeinschaftsunternehmens in die Fabrik gesteckt. Am Projekt beteiligt ist auch ein Deutscher: Der Berater Harald Rudtzky, der in der kasachischen Industrie-Hauptstadt Öskemen lebt, verhandelt Abnahmeverträge mit deutschen Unternehmen.</p>
<p>Das Joint Venture in der Steppe von Stepnogor sieht er als Beispiel, dass internationale Unternehmen und verschlossene kasachische Staatskonzerne wie Kasatomprom durchaus zusammenfinden können: „Das Geld, das die Deutschen in Delegationsreisen stecken, investieren die Japaner in Beteiligungen an Unternehmen“, stichelt Rudtzky mit Blick auf die glücklose Rohstoffallianz der deutschen Wirtschaft.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Stepnogor/Öskemen, im März</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/04/25/aus-matsch-wird-metall/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Sowjetische Geheimniskrämer</title>
		<link>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/03/28/sowjetische-geheimniskramer/</link>
		<comments>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/03/28/sowjetische-geheimniskramer/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 28 Mar 2013 16:46:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Florian Willershausen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Postsowjetischer Raum]]></category>
		<category><![CDATA[Industrie]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Modernisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Rohstoffe]]></category>
		<category><![CDATA[Schwerindustrie]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetunion]]></category>
		<category><![CDATA[Technologie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.wiwo.de/on-the-road/?p=302</guid>
		<description><![CDATA[Das Empfangskomitee steht Spalier, als wir vor den Toren der Universität von Öskemen in Ost-Kasachstan aus dem Kleinbus steigen: Der Hochschulrektor steckt zum Gruß die Hand aus, die Dolmetscherin zieht ihre unterwürfig zurück, als ich danach greife. Hinter dem halben Dutzend Uni-Offizieller fixieren uns die Linsen von Kameramann und Fotograf gleichzeitig. Man will sich hinterher [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Das Empfangskomitee steht Spalier, als wir vor den Toren der Universität von Öskemen in Ost-Kasachstan aus dem Kleinbus steigen: Der Hochschulrektor steckt zum Gruß die Hand aus, die Dolmetscherin zieht ihre unterwürfig zurück, als ich danach greife. Hinter dem halben Dutzend Uni-Offizieller fixieren uns die Linsen von Kameramann und Fotograf gleichzeitig. Man will sich hinterher des deutschen Interesses am glorreichen Hochschulwesen von Öskemen rühmen. Na, von mir aus!</p>
<p><span id="more-302"></span></p>
<p>Vielleicht fühlt sich manch ein Besucher wirklich gebauchpinselt. Ich indes muss mir auf die Zunge beißen, um beim folgenden Rundgang weder pampig noch spitzzüngig zu werden, denn bestellt war das so nicht: Während des monologischen Selbstlobs erwähnt der Rektor fünfmal, dass Staatspräsident Nursultan Nasarbajew die Uni Öskemen so oft wie keine andere besucht habe und Russlands Ex-Präsident Medwedew auch schon dagewesen sei. Na und? Der Rundgang führt in die schicke Bibliothek und in frisch renovierte Vorzeige-Säle. Gebeten hatte ich bloß um ein Gespräch mit einem Geologen der Universität, auf die Selbstbeweihräucherung hätte ich gut verzichten können.</p>
<p>Nach Recherchen in Afrika und Asien war ich länger nicht in meinem alten Berichtsgebiet, dem postsowjetischen Raum. Und so hatte ich schon fast verdrängt: Routinierte Vorstellungen wie jene an der Universität sind Standard in den Ex-Sowjetrepubliken und folgen erprobten Choreographien. In halbwegs vorzeigbaren Universitäten und Instituten, auf prestigeträchtigen Großbaustellen rollen die Machthaber gern den roten Teppich für Gäste aller Couleur aus. Dem werden sich auch die Delegation, die im Sinne der Rohstoff-Partnerschaft nach Kasachstan reisen, nicht entziehen können. Fabriken dagegen halten gerade für Ausländer gern die Tore verschlossen.</p>
<p>Selten bitte ich lokale Regierungen um Unterstützung. In Öskemen in Ost-Kasachstan, wo große Verarbeiter von begehrten Metallen sitzen, schien mir dies der einzige Weg, um eine Fabrik von Innen zu sehen. Das behördliche Beiprogramm, Uni-Show inklusive, muss man dann mal hinnehmen. Mit Fotograf Nils Bröer hatte ich mich Wochen vor der Reise angemeldet, frühzeitig erhielt ich über die Behörden die Zusicherung eines Besuchs beim örtlichen Metall-Riesen Kaz-Zink. Erst am Morgen des Besuchs kommt die Absage der Zusage – und eine Routine-Recherche artet in Stress aus.</p>
<p>Die Sowjets machten einst aus allem ein Geheimnis: Mitten in der Moskauer Innenstadt, nicht weit von der Metro-Station Taganskaja, haben die Russen dort einen kilometerlangen Bunker gegraben, von dem aus ein Atomkrieg begonnen werden konnte – Anwohner der dicht besiedelten Gegend um das Areal wussten davon nichts. Tausende Städte waren zu Sowjet-Zeiten Sperrgebiet, für Ausländer sowieso. Bei Fabriken konnte man nie genau wissen, was sie in Wahrheit herstellen.</p>
<p>Vor lauter Geheimniskrämerei sind viele Sowjet-Kader paranoid geworden. Und diese Paranoia ist bis heute im ganzen postsowjetischen Raum zu spüren. Ob Manager oder Journalist – jeder Ausländer muss einen „Propusk“ einholen, den Einlassschein, um eine Fabrik oder ein öffentliches Gebäude zu besuchen. Die Beantragung kann Wochen oder Monate dauern, der Papierkram ist zuweilen schlimmer als wenn man im Grundwehrdienst der Bundeswehr den Zapfenstreich vergisst. Dabei stehen hinter den wenigsten Fabrikmauern schützenswerte Technologien, sondern meist rostige Maschinen und leere Gebäude – nichts, woraus man ein Geheimnis machen müsste. Aber die Verschlossenheit passt zum mehr oder weniger autoritären Charakter der Regime in der Region, ebenso die notorische Selbstüberschätzung.</p>
<p>In der Metall-Stadt Öskemen haben sie mir schlussendlich doch noch die Tore geöffnet: Das Titan- und Magnesium-Werk, ein wichtiger Zulieferer des Flugzeugbauers Airbus, habe ich mir anschauen können. Allerdings musste WiWo-Fotograf Nils Bröer trotz aller Bemühungen draußen bleiben, Fotos waren nicht erlaubt. Womit sich die Kasachen optisch keinen Gefallen tun, denn hinter den hohen Mauern des Titan-Werks stehen für postsowjetische Verhältnisse moderne Anlagen – vor dem Tor dagegen wirkt das Werk so trist und grau wie die Sowjetunion.</p>
<p>Öskemen, im März</p>
<p>Florian Willershausen</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/03/28/sowjetische-geheimniskramer/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Schock über China</title>
		<link>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/03/25/schock-uber-china/</link>
		<comments>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/03/25/schock-uber-china/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 25 Mar 2013 12:25:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Florian Willershausen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Airlines]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[China Eastern Airlines]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Luftfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.wiwo.de/on-the-road/?p=297</guid>
		<description><![CDATA[WiWo-Korrespondent Philipp Mattheis war neulich mit China Eastern Airlines von Shanghai nach Hongkong unterwegs &#8211; was er dabei erlebte, hat er uns als Gast-Autor auf diesem Blog aufgeschrieben: Wie mir China Eastern Airways ein zweites Leben schenkte Von Philipp Mattheis Noch eine halbe Stunde bis zur Landung. Durchsage, zunächst auf Englisch: “Ladies and Gentlemen, we [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>WiWo-Korrespondent Philipp Mattheis war neulich mit China Eastern Airlines von Shanghai nach Hongkong unterwegs &#8211; was er dabei erlebte, hat er uns als Gast-Autor auf diesem Blog aufgeschrieben:</p>
<p><span id="more-297"></span></p>
<p><strong>Wie mir China Eastern Airways ein zweites Leben schenkte</strong></p>
<p>Von Philipp Mattheis</p>
<p>Noch eine halbe Stunde bis zur Landung. Durchsage, zunächst auf Englisch:</p>
<p><em>“Ladies and Gentlemen, we have to prepare for an emergency landing.”</em></p>
<p>Hä?</p>
<p>Hat sie das echt gerade gesagt?</p>
<p><em>“Please remain calm and follow the instructions. Your safety depends now on your calmness.”</em></p>
<p>Ok… und ich Volldepp habe mich jahrelang bei den Sicherheitsinstruktionen vor dem Start gelangweilt.</p>
<p><em>“Please read the safety manual in the front of your seat.”</em></p>
<p>Ok, zum Glück steht da alles. Die Dingsbums-Lebensweste ist echt unter dem Sitz.</p>
<p>Was bedeutet eine Emergency Landing eigentlich? Überlebt man das?</p>
<p><em>“Please strengthen your seat belt as tight as you can and take the braise position.”</em></p>
<p>Ok, Gurt ist so fest, dass es weh tut. Braise position? Was zum Teufel ist die Braise Position? Verdammt! Ok, steht im Safety Manual.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Durchsage wiederholt sich auf Französisch. Krass. Wahnsinn. Wir stürzen jetzt echt ab.</p>
<p>Bin ich zufrieden? Kann ich von dieser Welt gehen? Kann ich loslassen? Gut, dass ich noch einmal ein gutes Mittagessen vorher hatte. Dass ich mit Mama geskypt habe gestern. Und überhaupt. War doch eigentlich ein gutes Leben. Kinder hätte ich noch ganz gerne gemacht. Aber die wären natürlich auch wahnsinnig traurig, wenn ich jetzt stürbe.</p>
<p>Warum füllt der Japaner neben mir eigentlich die “Arrival Card” aus? Ist es das, was Camus meinte, als er sagte: Wir müssen uns Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen? Mit dem Flugzeug abstürzen und trotzdem noch die Arrival Card ausfüllen? Japaner sind ja eh sehr anders. Ach! Die Durchsage war ja bis jetzt nur auf Englisch und Französisch. Der weiß ja noch gar nicht, dass er stirbt! Deswegen sind die Chinesen auch so ruhig.</p>
<p>Chinesische Durchsage kommt.</p>
<p>Oh mein Gott. Gleich bricht die Panik aus.</p>
<p>Nix passiert.</p>
<p>Zehn Minuten vergehen. Die “Braise Position” wird langsam unangenehm. Der Steward kommt.</p>
<p>“Was ist denn jetzt mit der Emergency Landing?”</p>
<p>Er lacht. “No no no! We have a little problem with our entertainement system. Everything is ok.”</p>
<p>Ich lebe weiter. Danke, China Eastern. Danke, für das zweite Leben.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/03/25/schock-uber-china/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Krise der Außenpolitik</title>
		<link>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/02/25/europas-ausenpolitischer-abstieg/</link>
		<comments>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/02/25/europas-ausenpolitischer-abstieg/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 25 Feb 2013 18:33:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Florian Willershausen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[DGAP]]></category>
		<category><![CDATA[Diplomatie]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Integration]]></category>
		<category><![CDATA[GASP]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Mali]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Schulz]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheitspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.wiwo.de/on-the-road/?p=293</guid>
		<description><![CDATA[Berlin, im Februar Schrecklich schwach und schwerfällig ist die Europäische Union in der Außen- und Sicherheitspolitik. Am Beispiel der Mali-Intervention wird das besonders klar: Im Januar 2012 nahmen radikale Islamisten die ersten Siedlungen im Norden ein, im März 2012 putschte das Militär. Über Monate reiften in der grenzenlosen Sahara, im Vorhof Europas, Anarchie und radikaler [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Berlin, im Februar</p>
<p>Schrecklich schwach und schwerfällig ist die Europäische Union in der Außen- und Sicherheitspolitik. Am Beispiel der <a href="http://www.wiwo.de/politik/ausland/chaos-in-mali-europa-droht-terrorismus-und-verlust-wirtschaftlicher-partner-/7719052.htmlhttp:/www.wiwo.de/politik/ausland/chaos-in-mali-europa-droht-terrorismus-und-verlust-wirtschaftlicher-partner-/7719052.html">Mali-Intervention</a> wird das besonders klar: Im Januar 2012 nahmen radikale Islamisten die ersten Siedlungen im Norden ein, im März 2012 putschte das Militär. Über Monate reiften in der grenzenlosen Sahara, im Vorhof Europas, Anarchie und radikaler Islamismus.</p>
<p><span id="more-293"></span></p>
<p>Was tat Brüssel? Zunächst sinnierte man endlos über eine Ausbildermission fürs malische Militär, die – frühestens – im Herbst 2013 hätte beginnen können. Zu spät. Plötzlich marschierten die Islamisten auf die Hauptstadt Bamako, und unter weltweitem Applaus stürzte sich Frankreichs Armee im Alleingang in einen Guerillakrieg. Jetzt will die EU die Ausbildungsmission doch starten, wie die EU-Außenminister beschlossen haben. Bis die 450 Mann starke Truppe in die Sahara aufbrechen darf, kann noch viel Sand ins Getriebe gestreut werden: Viele der 27 EU-Mitgliedstarten müssen die Mission ratifizieren, einige wollen sich überhaupt nicht beteiligen.</p>
<p>Die Diagnose ist fatal: Sie existiert nicht, jene gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, die im Vertrag von Maastricht als eine von drei Politikbereichen der Europäischen Union festgeschrieben wurde. 21 Jahre nach Abschluss dieses Regelwerks hat die EU zwar eine (blasse) Außenministerin – aber kein Strategie, wie die Außenpolitik aussehen soll, was national und was europäisch geregelt werden muss. Es fehle in Europa der Wille zur europäischen Außenpolitik, sowie an Klarheit und Konzeption, wie sie aussehen müsse, kritisiert der Europa-Parlamentarier Martin Schulz (SPD).</p>
<p>Schulz ist der wortgewaltige Präsident des Europäischen Parlaments in Straßburg – aber beim Sezieren der EU-Außenpolitik mischt sich Frust in seinen überzeugungskräftigen Bass: „Wir könnten so stark sein, aber wir sind so schwach“, so der Niederrheiner am Montag bei einer Veranstaltung von Atlantik-Brücke und DGAP in Berlin.</p>
<p>Die Nationalstaaten müssten begreifen, dass sie „zunehmend an Steuerungsfähigkeit verlieren“, so Schulz. In einer globalisierten Welt werde nur ein Europa mit gemeinsamer Stimme wahrgenommen. Gerade in Deutschland, wo man sich über den trügerischen Erfolg des momentanen ökonomischen Erfolgs rühme, werde „vor dieser Realität hartnäckig die Augen verschlossen“.</p>
<p>Wenige blicken so weit in die Zukunft – die Euro-Krise beherrscht den politischen Betrieb auf dem Kontinent. Mit seiner Forderung nach einer „Vergemeinschaftung“ der Außenpolitik unter der Verantwortung einer EU-Regierung bohrt Schulz ähnlich dicke Bretter wie <a href="http://www.wiwo.de/politik/deutschland/bundespraesident-gaucks-europarede-ohne-ruck/7819556.html">Bundespräsident Joachim Gauck in seiner Europarede wenige Tage zuvor.</a> Dieser hatte um Vertrauen in Europa als Werteraum geworben und die Schaffung eines EU-Fernsehkanals zur Herstellung einer europäischen Öffentlichkeit geworben.</p>
<p>Mehr Europa? Schulz träumt davon, klar, aber bei Fragen nach den Erfolgsaussichten wirkt er vor pessimistischer als Gauck: Er sei Realist und Pragmatiker und nehme zur Kenntnis, dass die Nationalstaaten ihre eigenen Süppchen kochten: „Erfolge der EU-Politik werden nationalisiert, Misserfolge europäisiert.“ Womöglich hülfen aber die Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen mit den USA bei der Bildung gemeinsamer EU-Positionen. Dann da würde Washington nur verhandeln, wenn Europa mit einer gemeinsamen Position in die Verhandlungen geht. Wenn es dazu jemals kommt.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blog.wiwo.de/on-the-road/2013/02/25/europas-ausenpolitischer-abstieg/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

<!-- Dynamic Page Served (once) in 0.905 seconds -->
<!-- Cached page served by WP-Cache -->
