Lange Zeit galten solche Chefs als die Inkarnation des Bösen – die dunkle Seite der Macht. Eine Bedrohung für den Betriebsfrieden und eine zunehmend auf Kommunikation und Teamplay bedachte Unternehmenskultur. Der moderne Manager war eher <em>primus inter pares</em>, Spielemacher und Coach in Personalunion. Und natürlich stand seine Bürotür genauso weit offen wie es seine Ohren für die Belange der Belegschaft waren.
Schöne Welt. Aber fernab der Realität. So zeigt eine aktuelle Studie von drei Professoren der Universität von Chicago ein ganz andere Wirklichkeit. Steven Kaplan, Mark Klebanov und Morten Sorensen untersuchten die Assessment-Unterlagen von rund 300 Top-Managern und stellten am Ende ernüchternd fest: Nicht diese netten Chefs haben Erfolg im Job, sondern die harten Hunde.
Um es kurz zu machen: Offenbar sind es vor allem jene fünf Eigenschaften – Beharrlichkeit, der Blick fürs Detail, Effizienzstreben, analytische Brillanz und hohe Ansprüche (an sich und die Mitarbeiter) –, die den Managern an die Spitze verhelfen. Wohingegen folgende Eigenschaften sich beim Aufstieg als nahezu vernachlässigbar herausstellten:
- Verbale) Kommunikationsstärke
- Teamfähigkeit
- Flexibilität und Anpassungsfähigkeit
- Enthusiasmus
- Zuhören können
- Bezeugen von Respekt
- Kreativität
Nach dem Besseren weiterhin zu streben, ist deswegen nicht verkehrt. Im Gegenteil. Aber wundern Sie sich nicht, wenn ausgerechnet Bernd Stromberg Karriere macht. Oder wie er sagt: „Als Chef musst du ein Wolf im Wolfspelz sein. Wenn du als Chef beliebt bist, hast du schon irgendwas was falsch gemacht. Dann kannst du gleich auf deiner Nase eine Diskothek eröffnen, wo die anderen rumtanzen können.“










3 Kommentare zu “Harte Chefs haben mehr Erfolg im Job”
Sie haben recht! Genauso ist es mir bei Bewerbungsgesprächen gegangen. Fachliches Können, Sozialkompetenz, Teamfähigkeit sind keine herausragenden Eigenschaften mehr. Aber schön zu sehen, das Firmen mit der Auswahl Ihrer Mitarbeiter anschließend Bruchlandung betrieben haben und ein paar Monate später wieder im Internet aufgetaucht sind
Hallo Herr Mai,
zwischen den von Ihnen für meinen Geschmack etwas zu plakativ dargestellten Extremen “harter Chef” und (in meiner Wahrnehmung:) “Weichei” gibt es doch noch etwas mehr Facetten.
Übrigens, es lässt sich für nahezu jede eigene Vorliebe eine wissenschaftliche Studie finden, welche die jeweilige Sichtweise zu bestätigen scheint. Anders als z. B. in der medizinischen Forschung gibt es auf diesem Gebiet leider kaum Meta-Studien, welche die Stärken und Schwächen der jeweiligen wissenschaftlichen Studien kritisch und methodisch sauber hinterfragen.
Anbei der Link zu einem kleinen Beitrag aus dem XING-Forum Soft Skills, der auf die von der Psychonomics AG und dem Great Place to Work Institute Deutschland in Kooperation mit der Universität Köln durchgeführte repräsentative Studie »Unternehmenskultur, Arbeitsqualität und Mitarbeiterengagement in den Unternehmen in Deutschland« sowie auf die von die von Marcus Buckingham und Curt Coffman in ihrem Bestseller »FIRST BREAK ALL THE RULES« publizierte Gallup-Langzeitstudie verweist und weitere Facetten rund um die “weichen Erfolgsfaktoren” erschließt:
https://www.xing.com/app/forum?op=showarticles;id=7323437
Viele Grüße
Claus Fritzsche
@Claus Fritzsche: Das ist so üblich, dass sich zwischen zwei Extreme noch andere Formen einreihen – sonst wären es nicht die Ränder einer Skala. Und natürlich lassen sich diverse Studien zu diversen Themen finden. Manche davon decken sich aber eindruckvoller als andere mit der täglichen Realität – und wieder andere bilden temporäre Erscheinungen ab. Beides wird dadurch aber nicht weniger berichtenswert. Im Gegenteil: Es lohnt die Diskussion. Deshalb stehts ja auch hier im Blog.
Die Xing-Diskussion schaue ich mir gerne an. Mag sein, dass ich sie schon kenne. Ich treibe mich dort öfters rum. Virtuell natürlich.