Stütze für die Kurse

Hohe Liquidität, verträgliche Zahlen und die starken US-Börsen bringen den Dax über den Herbst.
Es sieht ganz so aus, als ob international ein regelrechter Wettlauf der Notenbanken stattfindet: Wer versorgt die Märkte am großzügigsten mit Geld. Die Bank of Japan hat den Hebel soweit nach vorne gelegt, dass sie sogar Aktien aufkauft. Stellen Sie sich vor, die EZB würde sich soeben mal ein paar Millionen Siemens-Aktien holen. Immerhin, dann hätte sie wenigsten etwas Substanzielles in ihrer Bilanz und nicht zweifelhafte Anleihen wackliger Schuldner.

Nun wird sie wahrscheinlich in den nächsten Monaten erst einmal Unternehmens- oder Staatsanleihen kaufen. Auf alle Fälle dürfte Draghi, nachdem die Wirtschaftsdaten weiter flau sind, bei seiner sehr expansiven Linie bleiben. Auch wenn der Widerstand in den eigenen Reihen wächst, bisher haben sich jedenfalls immer die Anleger die Finger verbrannt, die an Draghis Linie zweifelten.

Prominentes Opfer in der jüngeren Zeit ist dabei etwa die Münchener Rückversicherung. Sie hat in den vergangenen Monaten reichlich Derivate abschreiben müssen, mit denen sie sich gegen Inflationsrisiken abgesichert hat. Mit anderen Worten: Sie hatte damit gerechnet, dass Inflation und Zinsen steigen – und dieses Szenario ging gründlich daneben.

Ein Blick auf den Bund Future oder auf Zinskurven wie die Umlaufrendite zeigt einen klaren, ungebrochenen Trend: Die Zinsen sind weiter rückläufig, und dagegen zu spekulieren, wird wahrscheinlich bis auf weiteres ziemlich teuer werden.

Auch die Fed dürfte insgesamt locker bleiben

Natürlich könnte man meinen, die federführende Fed nimmt ihre Expansion zurück, wie eben nun die Anleihenkäufe. Aber ob die Amerikaner dem ohne längere Übergangsphase bald Zinsanhebungen folgen lassen, ist zweifelhaft. Das würde – bei einer expansiven EZB – den Dollar noch stärker machen als bisher. Daran hat die Fed auf Dauer auch mit Blick auf die heimische Wirtschaft kein großes Interesse.

Für die Märkte bedeutet das: Die minimale, zum Teil negative Verzinsung bei Anleihen und anderen „Rendite“-Anlagen wird nach wie vor genügend Geld in den Aktienmarkt treiben. Wenn die Aktienbörsen sich nicht völlig von den wirtschaftlichen Realitäten lösen (und dafür sorgen schon Korrekturen wie die in den vergangenen Wochen), sollten sie ihr Niveau insgesamt zumindest halten.

Die gute Seite des schwachen Euro

Bei den Konjunkturdaten hierzulande zeigt sich immer mehr das Bild, das für die Aktienmärkte in den nächsten Monaten prägend sein wird: Die Wirtschaft ist nicht besonders stark, so ist die Nachfrage in der Industrie im September nur um 0,8 Prozent gestiegen. Dafür aber haben die Aufträge in der Exportindustrie deutlich zugenommen.

Das ist klar eine Folge des schwachen Euro. Als er stark war, im ersten Halbjahr, hat er das Zahlenwerk vieler Dax-Werte schwer belastet. Jetzt, im zweiten Halbjahr und wahrscheinlich noch weit in das Jahr 2015 hinein, gibt er den international orientierten Aktienunternehmen Rückenwind. Für die Börsenunternehmen ist das in summa ein großer Vorteil. Und daran dürfte sich angesichts der weiterhin expansiven Politik der EZB zunächst nichts ändern.

Negativ wäre es natürlich schon, wenn es doch zu einer Rezession kommen sollte. Dann besteht die Gefahr, dass die negativen Konjunktureffekte auf die Unternehmensergebnisse stärker durchschlagen als die positive Entlastung durch die Währung. Dennoch, bisher sieht es so aus, als ob die deutsche Wirtschaft 2014 insgesamt mit einem kleinen Plus übersteht. Gut nachvollziehbar etwa ist die Prognose der Commerzbank, die sowohl für das dritte als auch für das vierte Quartal jeweils mit einem marginalen Zuwachs im BIP rechnet.

US-Börsen weiter voraus

Für den Dax entscheidend ist es, dass die amerikanischen Aktienmärkte ungebrochen im Hausse-Modus verlaufen. Der Dow Jones hat zuletzt mit 17500 sogar wieder ein neues Hoch erreicht. Im Nasdaq-Index ist es zwar noch nicht soweit, doch auch hier ist die Tendenz so robust wie im Dow. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis US-Tech-Aktien die Spitze aus dem Jubel-Jahr 2000 erreichen, die bei 4700 Punkten lag.

Natürlich, nach 1500 Punkten Rally in drei Wochen wäre im Dow eine Verschnaufpause angebracht. Sie könnte in der kommenden Woche zu Notierungen zwischen 17600 und 17200 führen. Entscheidend für Anleger bleibt, dass die US-Märkte eben keinen Ansatz einer Abwärtswende zeigen. Damit ist auch der Dax aktut nicht crashgefährdet.
Allerdings, angeschlagen ist der Aktienmarkt hierzulande schon. Der Dax hat noch nicht einmal die 200-Tage-Linie zurückerobert, die bei 9500 verläuft und sogar schon leicht nach unten zeigt. Für sich genommen, ohne die US-Märkte, wäre das eine durchaus brisante Situation: Wenn der Dax bei seiner aktuellen Erholung nämlich an der nach unten drehenden 200er-Linie scheitert, wäre aus technischer Sicht die Voraussetzung für einen längeren Kursrückgang gegeben.

Gefährliches Verkaufssignal wie Herbst 2011?

Noch dazu ist im Dax etwas passiert, das für klassische Techniker mittel- bis langfristig als sehr negatives Signal gilt: Die schnellere 100-Tage-Linie hat die trägere 200er-Linie von oben nach unten geschnitten. Beide Kursdurchschnitte drehen nun nach unten. Dieses schwarze Signal gab es zum letzten Mal 2011 im Zuge des damaligen Herbst- Crash.
Zusätzliches Problem: Der Markt ist in seiner Breite angeschlagen. Nur ein Viertel der Dax-Aktien verläuft noch oberhalb der 200-Tage-Linie, die Masse darunter. Damit ist die Erholung der vergangenen Wochen bisher immer noch nur eine Korrektur und keine neue Aufwärtstendenz. Was passiert, wenn nun die US-Märkte auch nur kurzfristig nach unten reagieren – geht dann der Dax kräftig in die Knie?

Fazit für die nächsten Wochen:  Die hohe Liquidität, die Aussicht auf immerhin moderate Unternehmensgewinne und die Hausse am US-Markt dürften den Dax insgesamt halten. Technisch überwiegen die negativen Signale, deshalb könnte es kurzfristig zunächst in Richtung 9000 gehen. Hier hat der Markt dann die Chance, eine Basis für einen längeren Anstieg zu finden. Ein abermaliger Rutsch unter 8900/9000 (im Augenblick ist das die weniger wahrscheinliche Variante) wäre hingegen für die nächsten Monate ein sehr negatives Signal.

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