Noch läuft die Korrektur, doch die Aussichten bis Jahresende sind nicht schlecht. Alle 30 Dax-Aktien im Kurz-Check
Immer neue Prognosen für 2013 kommen auf den Tisch. Für Börsianer ist es nicht entscheidend, ob es nächstes Jahr nun 0,6 Prozent Wirtschaftswachstum, ein Prozent, oder sogar etwas mehr werden. Genau kann das ohnehin niemand sagen. Prognosen zur weiteren Wirtschaftsentwicklung sind keineswegs valider als Prognosen zur Börsenentwicklung – auch wenn der breite Unterbau vieler ökonomischer Modelle das gerne suggeriert.
Entscheidend für Börsianer ist, dass es im nächsten Jahr (so zumindest der Konsens, nicht die Kommastelle) ein moderates Wachstum geben dürfte. In der aktuellen WirtschaftsWoche (42/2012) finden Sie einen Überblick, mit welchen Gewinnsteigerungen Analysten im nächsten Jahr bei den weltweit wichtigsten Aktienmärkten rechnen. Auch hier ein ähnliches Bild: Kleine Abweichungen sind nicht entscheidend, insgesamt ist das Bild moderat zuversichtlich.
Der Markt hat innere Stärke
Zu beiden Szenarien – dem einer sich moderat erholenden Wirtschaft und dem kleiner Zuwachsraten bei Unternehmensgewinnen – passt die Entwicklung, die der Dax (und auch die meisten anderen wichtigen Aktienindizes) in der laufenden Korrektur vollziehen. Das mehrmals beschriebene maximale Potenzial bis 6900 hat der Dax bisher noch in keiner Weise ausgeschöpft.
Muss er auch nicht. Der Bereich um 6900 ist eine untere Zone, bis zu der man von einer Korrektur sprechen kann. Sollte (was im Augenblick eher unwahrscheinlich ist) der Dax tiefer tauchen, müsste man das positive Szenario eines mittelfristig bis langfristigen Aufwärtstrends in Frage stellen.
Umgekehrt heißt das aber auch: Schon jetzt ist der Dax innerhalb der Korrektur erstaunlich stabil, es besteht also eine hohe innere Stärke (also reichlich solvente Käufer) – und das wiederum ist ein Indiz dafür, dass die erwartete positive Entwicklung nach der Korrektur sogar dynamisch ablaufen kann.
Stabile Trendwerte bei Rückschlägen ineressant
Die einzelnen Dax-Aktien bestätigen das stabile Bild: Da gibt es zunächst die stabilen Trendwerte. Sie haben die Aufwärtsbewegung der vergangenen Wochen getragen und stoßen in der aktuellen Korrektur zum Teil in neue Höhen vor. Konkret sind das: Adidas, Bayer, Beiersdorf, Fresenius (wobei derzeit die Mutter interessanter ist als die Tochter FMC), Henkel , Merck und der Dauerläufer SAP. Diese Aktien sind stabile Haltepositionen und bei Schwäche ein Kauf.
Im Grunde gehören dazu auch trendstarke Zykliker wie BASF, Linde, Lanxess, und VW, die natürlich schon etwas enger an der Konjunktur hängen als etwa Fresenius oder Merck. Bei Schwäche sind diese Papiere weiterhin interessant. Bei Conti ist nach dem Aufstieg in den Dax zunächst eher Abwarten angesagt.
Spekulatives Potenzial bei Turn-around-Werten
Spannend wird es bei den Wendekandidaten. Allianz und Münchener Rück haben sich schon vorgearbeitet und stehen technisch in einer vielversprechenden Startposition (bei der Münchener gibt es dazu eine gute Dividende.) Das ist ebenfalls bei RWE und E.On der Fall, die vom Roll-Back nach der Energiewende profitieren.
Siemens und Thyssen haben es schwerer. Bei Siemens steht wieder einmal eine große Umstrukturierung an. Bisher haben solche Aktionen immer zu nachhaltigen Kurssteigerungen geführt. Gelingt der Aktie der Sprung über 80 Euro, wäre das ein starkes Kaufsignal. Bei Thyssen hängt es davon ab, wie man sich vom Stahlwerk-Abenteuer aus Amerika trennt. Überbewertet ist die Aktie nicht, das Potenzial ist hoch – wenngleich Thyssen ohne Frage einer der spekulativsten Dax-Werte ist.
Ebenfalls in der Wende ist K+S. Hohe Reserven machen das Papier zum einzigen großen deutschen Rohstoffwert, ein Anstieg der Kali-Preise wäre der Auslöser, kurstechnisch läge ein Kaufsignal bei Notierungen über 40 Euro vor. Bei BMW sieht es ebenfalls gut aus, die Wende dürfte gelingen, die Aktie wurde zuletzt über Gebühr gedrückt. Daimler hingegen hängt hinterher, derzeit unter den Autowerten die am wenigsten interessante Aktie (und jetzt bekommt die neue A-Klasse auch noch Konkurrenz vom neuen Golf VII). Die Lufthansa ist ebenfalls in der Stabilisierung, die Unwägbarkeiten um die Treibstoffkosten machen das Papier aber auf dem aktuellen Niveau ziemlich riskant.
Eine Spekulation bleiben die Banken. Die Umwälzungen in der Branche sind so tief, dass sich Ertragsrechnungen mittel- bis langfristig kaum solide erstellen lassen. Von der Bewertung, dem Geschäftsverlauf und der Substanz ist die Deutsche Bank interessanter, vom Potenzial die Commerzbank.
Dividendenaktien für Daueranleger
Dann noch die Spezialfälle im Dax. Die Deutsche Börse hat zwar ein solides Geschäftsmodell, muss nun aber Wachstum aus eigener Kraft stemmen. (Mehr zur neuen Anleihe der Deutschen Börse im aktuellen Heft). Post und Telekom sind eigentlich Dividendenaktien. Bei beiden sind die Geschäfte so stabil, dass weiterhin gute Renditen zu erwarten sind. HeidelbergCement bieten auf dem aktuellen Niveau allenfalls eine Spekulation, kein Wert für Anleger. Infineon wegen der schwierigen Branchenaussichten lieber weiter meiden.
Insgesamt notieren derzeit 80 Prozent der Dax-Aktien über ihrer 200-Tage-Linie, die in den meisten Fällen ansteigt. Dieses Gesamtbild kennzeichnet einen insgesamt stabilen Markt, der in den nächsten Wochen die Korrektur beenden könnte um dann einen neuen Schub zu starten.
Alle aktuellen Kurscharts mit einer kurzen Anlageeinschätzung von mir finden Sie hier.
Hinweis: Der nächste Dax-Radar erscheint erst wieder gegen Ende Oktober











2 Kommentare zu “Nächster Kursschub in Vorbereitung”
Irgendwie leidet Riedls DAX-Radar an Schizophrenie. Tagein, tagaus stürzen sich die DAX-Experten in die Auswahl und Analyse einzelner Substanzwerte, sprich Aktien, während Sie gleichzeitig auf die Bedeutung der Globalisierung hinweisen. Globale Märkte aber werden durch Relationen beschrieben. Relationen sind jedoch substanzlos. Der DAX®, zum Beispiel, besteht bis zu 50% p.a. aus Relationen, ist also bis zu 50% substanzlos. Diese widersprüchlichen Glaubenssysteme scheinen in Ihrem Geist vollkommen isoliert nebeneinander zu existieren.
Das kann man so sehen, das ändert aber nichts daran, dass der Anleger faktisch (im Bereich des hier vorliegenden Kosmos) entweder den Dax als Index oder Einzelwerte kauft. Was dahintersteht, ob man hier “Substanzen”, “Relationen” oder – wie früher/klassisch – Gewinne oder Kapitalentwicklungen sieht – ist sekundär.