Korrektur – wie tief, wie lang?

Später als gedacht und etwas weiter oben beginnt im Dax nun die Korrektur. Wer nachkaufen will, bekommt neue Einstiegschancen.

Die Kriegsgefahr im Nahen Osten, teures Öl, ein schwächelndes China, die ewige Griechen-Krise und die eine oder andere Enttäuschung bei den Unternehmensergebnissen und den Prognosen lassen den Dax einknicken. Nun, dieses Umfeld besteht nicht erst seit drei Tagen – warum aber sind die Aktien vorher gestiegen und kippen nun plötzlich ab?

Die Antwort ist – vereinfacht gesagt – die Psyche der Anleger. Weder am monetären Umfeld (Liquidität) noch am konjunkturellen hat sich etwas geändert, am geostrategischen auch nicht. Natürlich, die Kriegsgefahr um den Iran ist akuter geworden, aber von solchen Zuspitzungen lassen sich die Märkte nicht in eine grundsätzlich andere Richtung drehen.

Trendverstärker am Werk

Die Mehrheit der Anleger (kleine Sparer wie milliardenschwere Großinvestoren) neigt zum Trendverstärken. Wenn der Dax läuft, haben sie immer schon das nächste und übernächste Ziel vor Augen; wenn er sinkt, geht es in Richtung Weltuntergang. 

Dieses Verhalten, das entsprechende Kauf- bzw. Verkaufsphasen zur Folge hat, führt an der Börse zu Trends. Die kann man, wenn man will, mit Linien und anderen Mustern analysieren. Man kann Stimmungsindikatoren heranziehen, oder sich einfach einen Gesamttenor aus Medien- und Internetstimmung mixen. Die Möglichkeiten sind endlos. Alle dürften darauf hindeuten, dass die Herde, wenn sie einmal ins Laufen gekommen ist, nicht beim ersten kleinen Widerstand wieder dreht.

Nun ist der Dax ja in den vergangenen Monaten wirklich gut gelaufen. Nimmt man den Tiefpunkt vom 12. September (5072 Schlusskurs) dann erreichte er am 20. Februar 6948. Das sind 37 Prozent in sechs Monaten. Auf die lange Sicht gesehen ist das das Pensum mehrerer guter Jahre – also, nicht zu gierig werden. (Mein statistisch versierter Kollege Niklas Hoyer hat gerade ausgerechnet, dass der Dax seit 1960 im Durchschnitt 5,2 Prozent geschafft hat.) Nimmt man den kürzeren Anstieg, der seit Dezember läuft, sind es immer noch 28 Prozent gewesen.

Projektionen für die Pause

Anhaltspunkte, wie weit die aktuelle Korrektur gehen kann und wie lange sie dauert, gibt es mehrere. Wenig hilfreich sind die horizontalen Unterstützungen; sie gibt es von 6500 bis 6000 nach unten in dichter Staffel. Am wichtigsten ist hier die alte Unterstützung um 6150.

Die 200-Tage-Linie verläuft derzeit bei 6280, der Aufwärtstrend seit September bei rund 6000, der seit November bei 6600 (wobei sich die Werte auf der Zeitachse natürlich nach oben verschieben). Wer exakte Zahlenziele mag, kann 38 Prozent vom jeweiligen Aufschwung abziehen und landet so bei 6361 (für den Novembertrend) bzw. 6235 (September).

Natürlich kann kein Mensch genau sagen, wo die Korrektur nun endet. Dennoch schält sich aus allen Projektionen die Schlussfolgerung, dass es wahrscheinlich eher 6200/6300 werden als nur 6600 (wie der aktuelle Stand). Unterstellt man dem Dax weiterhin ähnliche Schwankungen wie zuletzt, dann dürfte es mehrere Wochen dauern, bis der Markt sich ausgependelt hat.

Fazit: Nach vier bzw. sechs Monaten Kletterpartie ist Pause angesagt. Alle oben genannten Ziele (einschließlich der Schwerpunkte um 6200/6300) würden die übergeordnete mittelfristige Aufwärtstendenz nicht gefährden. Das ist die positive Folge des vorangegangenen, weiten Anstiegs, mit dem der Markt sich Spielraum für eine kurze Korrektur geschaffen hat. In den nächsten Wochen wird es darum gehen, dieses Szenario zu verifizieren – und geeignete Kandidaten für Neuengagements herauszufiltern.

 

 

Alle Kommentare [1]

  1. …bei den Zahlenspielen zum DAX-Anstieg seit September/Dezember kann man eigentlich nicht unterscheiden, ob man dabei wirklich den fulminanten Anstieg der letzten zweieinhalb Monate hervorhebt, oder nicht doch versehentlich den heftigen Einbruch seit August… ;-)

    Bei der Gelegenheit mal von mir ein herzliches Dankeschön für die regelmäßig vortrefflichen Analysen!