Wie Patente Innovationen behindern können

Samsung verliert seine Patentwette gegen Apple und muss möglicherweise Milliarden zahlen. Das Ganze wurde ausgiebig analysiert. Was mir in der Debatte aber fehlt, ist die Diskussion darüber, wie schädlich Patente mitunter sein können.

Der US-Autor Kirby Ferguson hat dazu vor einigen Wochen einen sehenswerten Ted-Talk gehalten. Denn so sehr Patente die Erfinder schützen, so sehr schaden sie mitunter den Innovationen. Denn die Ideen, seien es Software-Fetzen, Biomoleküle oder Film-Plots, sind auf Jahre blockiert; sie können von anderen nicht weiterverarbeitet und zu wieder neuen Innovationen verknüpft werden. Ferguson, der die These vertritt, „Everything is a Remix“, fordert daher: „Embrace the Remix“.

Hübsch zeichnet er dabei nach, wie das Ganze mit seinen Klagen gerade auf die Spitze treibt. Dabei dachte Jobs, der später einen „Atomkrieg“ gegen seine Wettbewerber anzetteln wollte, einmal ganz anders über das Thema. 1996 sagte er in einem Intervoew:

„Good Artists CopyGreat Artists StealWe have always been shameless about stealing great ideas.“

Genau das kann, wie wir seit vergangenem Wochenende spätestens wussten, Milliarden kosten.

Wer den gesamten Ausschnitt mit dem Steve-Jobs-Interview noch einmal ansehen will:

Wir haben uns die Hintergründe neulich erst in einer Analyse im Detail angesehen. Darin schreibt mein Kollege Thomas Stölzel, dass gerade die historische Idee des Patents – dass Erfinder ihre Kreation in Einkommen verwandeln können, weil andere sie nicht abkupfern dürfen – völlig neu interpretiert wird: Sie dienen mittlerweile weniger dem Schutz großer Ideen, sondern werden immer mehr zu einer Waffe, um Konkurrenten zu blockieren. Früher konzentrierten sich Hightechunternehmen darauf, die coolsten Smartphones, die beste Technik und die schnellste Software zu entwickeln. Heute gewinnt das Unternehmen, das die besten Anwälte hat.

Bislang waren es meist sogenannte Patent-Trolle, die Schutzrechte horteten, um andere um Millionen zu erleichtern. Ähnlich, schreibt Stölzel, verhalten sich nun Apple, Google & Co. Ein US-Richter brachte es kürzlich in einer Verhandlung zwischen Microsoft und Google auf den Punkt: „Das Gericht ist sich sehr wohl bewusst, dass es als Schachfigur in einer globalen, geschäftlichen Auseinandersetzung benutzt wird.“

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